Seit 442 Jahren blieb der Knochenfund von Reiden erhalten – und erhält nun einen Platz im Natur-Museum Luzern. (Bild: zvg)
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Seit 442 Jahren blieb der Knochenfund von Reiden erhalten – und erhält nun einen Platz im Natur-Museum Luzern. (Bild: zvg)

Der «Riese von Reiden» kommt ins Natur-Museum

3min Lesezeit

In Reiden gab's im 16. Jahrhundert den ersten Mammutfund der Schweiz. Damals glaubten die Luzerner noch an die Knochen eines 5,6 Meter grossen Riesen. 442 Jahre später kommt der  Fund mit spezieller Geschichte ins Natur-Museum.

Vor 442 Jahren gab in Reiden ein ungewöhnlicher Fund zu reden. Unter einer vom Sturm entwurzelten Eiche kamen im Sommer 1577 ausserordentlich grosse Knochen zum Vorschein. Es war der erste Schweizer Mammutfund.

Anlässlich der aktuellen Sonderausstellung «Wie viel Urzeit steckt in dir?» erhalten die drei Knochen des Reider Mammuts nun einen attraktiven Platz im Natur-Museum Luzern und werden gebührend präsentiert, wie das Museum mitteilt.

Ein 6-Meter-Riese?

Der Fund konnte damals keinem bekannten Tier zugeordnet werden, deshalb wurden sie nach Luzern geschickt und vom bekannten Basler Arzt Felix Platter untersucht. Er hat den Fund als Skelett eines 5,6 Meter grossen Riesen gedeutet: dem «Riesen von Reiden». «Über 200 Jahre waren die Luzerner stolz, von einem Riesengeschlecht abzustammen», so das Natur-Museum. Entsprechende «Wilde Mannen» wurden am Luzerner Rathaus und auf dem ersten Brückenbild der Luzerner Kapellbrücke abgebildet.

Erst im Jahr 1783 wurden die Mammut-Knochen richtig erkannt. Damals besuchte der Göttinger Medizin-Professor Johann Friedrich Blumenbach auf einer Reise Luzern und erkannte in den im Rathaus ausgestellten Riesen-Gebeine als Erster die Überreste eines Wollhaar-Mammuts. Einige Stücke nahm er mit nach Göttingen.

Trotz aller Enttäuschung, nicht von Riesen abzustammen: Den Luzernern blieb der Trost des ersten Mammutfundes der Schweiz. Es sei der historisch älteste seiner Art, so das Museum.

Verschollen geglaubte Knochen tauchen auf

Vor 13 Jahren war vom einstigen Sensationsfund nur noch das linke Schulterblatt übrig. Die Reider Journalistin Adelheid Aregger beschloss, im Nachlass von Johann Friedrich Blumenbach nach weiteren Stücken zu fahnden. Zusammen mit ihrem Mann Ruedi besuchte sie am 16. Juli 2006 das Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen und fragte beim dort zuständigen Kurator nach den Knochen aus Reiden.

Doch 166 Jahre nach dem Tod von Johann Friedrich Blumenbach war das Ergebnis ernüchternd: Es gab im Nachlass von Blumenbach keine Mammutknochen mit der Herkunftsbezeichnung «Reiden» oder «Luzern», dafür mehrere ohne Fundortangaben. Deshalb verglichen die Göttinger Wissenschaftler die unbeschrifteten Knochen mit dem im Natur-Museum Luzern noch vorhandenen Schulterblatt.

Über 200 Jahre lang waren weitere Skelettteile verschollen. In Göttingen wurden jetzt zwei Knochen wiederentdeckt.
Über 200 Jahre lang waren weitere Skelettteile verschollen.
In Göttingen wurden jetzt zwei Knochen wiederentdeckt. (Bild: zvg)

Und siehe da: Vor fünf Jahren erkannten die Göttinger anhand der Untersuchungen zwei zusätzliche Knochen: den bruchstückhaften linken Oberarm und das rechte Schulterblatt des Reider Mammuts.

Von allen drei Knochen des «Riesen von Reiden» wurden Kopien hergestellt. Vor Kurzem ist das Luzerner Original mit je einem Abguss der beiden Knochen von Göttingen ins Natur-Museum Luzern zurückgekehrt und nun in der aktuellen Sonderausstellung «Wie viel Urzeit steckt in dir?» zu sehen. Die Kopien stünden dem gezeigten Original in nichts nach und seien von blossem Auge kaum zu unterscheiden, heisst es.

Sonderausstellung «Wie viel Urzeit steckt in dir?»: bis 27. Oktober, Natur-Museum Luzern

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