Kinderheim Forsthaus: Das kleine, 1902 vom Korporationsförster Franz Josef Iten und seiner Tochter Anna gegründete Kinderheim Forsthaus in Unterägeri, wohl um 1930. (Bild: Staatsarchiv des Kantons Zug)
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Kinderheim Forsthaus: Das kleine, 1902 vom Korporationsförster Franz Josef Iten und seiner Tochter Anna gegründete Kinderheim Forsthaus in Unterägeri, wohl um 1930. (Bild: Staatsarchiv des Kantons Zug)

Kanton Zug sucht ehemalige Verdingkinder für Forschungsprojekt

3min Lesezeit

Im Rahmen der Untersuchung «Soziale Fürsorge im Kanton Zug» sucht ein vom Kanton Zug beauftragtes Forschungsteam Zeitzeugen. Es geht unter anderem um ehemalige Verding- und Heimkinder, die bereit sind, in Interviews über ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten.

Ein Forschungsteam der Beratungsstelle für Landesgeschichte (BLG) wurde vom Kanton Zug mit der historischen Untersuchung der sozialen Fürsorge im Kanton Zug beauftragt. Von Anfang an war klar: Auch Betroffene und Beteiligte müssen zu Wort kommen. Man setzt – ergänzend zu schriftlichen Quellen – auf die so genannte «oral history». Eine Methode, die für die Wissenserhebung auf der mündlichen Befragung von Zeitzeugen basiert. Dabei sollen diese ihre subjektive Sichtweise darstellen. Im Kanton Zug wird dieser Tage ein entsprechender Aufruf lanciert.

Konkret geht es um Menschen, die vor 1981 Erfahrungen als Verding- oder Heimkinder im Kanton Zug gemacht haben, die zur Erziehung, wegen einer körperlichen oder geistigen Krankheit, oder zur Kur und Erholung in einem Heim, einer Anstalt oder einer Klinik platziert waren.

Auch Vormunde werden gesucht

Gesucht werden Menschen, die von so genannten Zwangsmassnahmen betroffen waren, aber auch Leute, die im Auftrag von Institutionen, Gemeinden, sozial oder karitativen Vereinen tätig waren, die beispielsweise als Behördenmitglieder, Vormunde oder Fürsorger arbeiteten.

«Indem der Untersuchungszeitraum der Zuger Forschungsarbeit bis 2020, also bis in die unmittelbare Gegenwart hinein reicht, können auch aktuelle Entwicklungen der sozialen Fürsorge aufgegriffen werden», so Regierungsrat Andreas Hostettler (FDP).

«Bei aller Diversität der fürsorgerischen Angebote, Strukturen, Massnahmen und Akteure weist Zug als kleiner Kanton vergleichsweise überschaubare Verhältnisse auf und bietet deshalb die einmalige Chance, den gesamten Komplex der sozialen Fürsorge zu erforschen, wie dies für grössere politische Gebilde nicht möglich wäre», erklärt Thomas Meier, Geschäftsführer der BLG.

Finanzierung noch nicht ganz gesichert

Eine wichtige Rolle im Prozess des Forschungsprojekts spiele die von der Direktion des Innern eingesetzte Begleitgruppe mit Vertretungen der Opferberatung «eff-zett», der Zuger Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, der Beratungsstelle «Triangel», der GGZ, der Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden sowie mit der Historikerin Gisela Hürlimann.

Die Begleitgruppe werde von der Direktion des Innern ungefähr zweimal jährlich einberufen. Das Staatsarchiv ist für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes zuständig. Geleitet wird das mehrjährige Projekt vom kantonalen Sozialamt.

Was die Finanzierung des Forschungsprojekts angeht, seien gut 80 Prozent des Projektbudgets von 900'000 Franken gesichert. Das Fundraising für den Restbetrag von 143'000 Franken läuft noch bis Ende Juni. Kann die Finanzierungslücke bis dahin nicht geschlossen werden, werde das Forschungsprojekt entsprechend angepasst.

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