War es womöglich Begünstigung oder Amtsmissbrauch? Zürcher Sonderermittler Ulrich Weder schaut nun dem Luzerner Staatsanwalt im Fall Villiger auf die Finger. (Bild: zvg)
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War es womöglich Begünstigung oder Amtsmissbrauch? Zürcher Sonderermittler Ulrich Weder schaut nun dem Luzerner Staatsanwalt im Fall Villiger auf die Finger. (Bild: zvg)

Fall Villiger: Zürcher Sonderermittler gilt als «harter Hund»

4min Lesezeit

Wegen einer Privatanzeige wird der Fall Villiger nun nochmals unter die Lupe genommen: Zwei Zürcher Staatsanwälte sollen überprüfen, ob der Einstellungsentscheid der Luzerner Behörden gegen den Verdacht auf Urkundenfälschung seitens Zugs Sicherheitsdirektor rechtens war. Besonders einer der Sonderermittler gilt als «harter Hund».

Wolfgang Holz

Der Fall Villiger wird doch nochmal heiss: Staatsanwalt Ulrich Weder und Oberstaatsanwalt Andreas Eckert, beide aus Zürich, sollen der Luzerner Justiz nochmals auf den Zahn fühlen (zentralplus berichtete). Sprich: Prüfen, ob die Einstellungsverfügung der Luzerner Staatsanwaltschaft in Sachen Verdacht auf Urkundenfälschung rechtens war.

Verdacht auf Begünstigung und Amtsmissbrauch

«Ich kann Ihnen bloss mitteilen, dass in der hier in Frage stehenden Strafsache gegen den fallführenden Luzerner Staatsanwalt und stellvertretenden Oberstaatsanwalt aufgrund einer Strafanzeige ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Begünstigung und des Amtsmissbrauchs eingeleitet wurde», erklärt Ulrich Weder nüchtern auf Anfrage von zentralplus. Es geht also nicht um einen Frontalangriff auf die Luzerner Staatsanwaltschaft als Institution an sich.

Anzeige stammt vom SP-Sekretär

Mittlerweile wurde publik, wer die Anzeige eingereicht hat. Es handelt sich um SP-Sekretär Sebastian Dissler. «Ich finde nicht gut, wenn Zweifel am Rechtsstaat im Raum stehen. Dass der Fall noch einmal überprüft wird, ist wichtig und richtig. Ich bin froh, dass nun eine unabhängige Untersuchung eingeleitet wurde», sagt er gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Weiter erklärt er, dass er die Anzeige als Privatperson und nicht als SP-Parteimitglied machte. Auch die Frage, wonach er SP-Wahlkampf führe, verneint er. Dazu, ob er gleich vorgegangen wäre, wenn ein SP-Mitglied betroffen wäre, sagt er: «Es geht mir nicht um Herrn Villiger, sondern um das Vorgehen der Luzerner Staatsanwaltschaft.»

«Auf Antrag des Luzerner Oberstaatsanwalts ernannte mich die Geschäftsleitung des Kantonsgerichts in diesem Strafverfahren zwischenzeitlich zum ausserordentlichen Staatsanwalt», so Weder weiter.

Bekanntlich wurde im Fall Villiger eine Frau, mit welcher der Zuger Sicherheitsdirektor ein uneheliches Kind hat, 2017 zweimal von der Luzerner Polizei beim Autofahren ohne Führerschein erwischt. Der Wagen war auf Beat Villiger eingelöst. Später tauchte ein Vertrag auf, wonach Villiger das Auto der Frau bereits vor den Kontrollen überschrieben haben soll. Trotz des Verdachts auf Urkundenfälschung wurde der Fall von den Luzerner Behörden eingestellt.

Weder gibt sich diskret

«Das Strafverfahren bezieht sich auf die Sachverhalte, welche in der Strafanzeige unter dem Titel der erwähnten Tatbestände geltend gemacht werden», sagt Weder. Nähere Angaben, namentlich auch über das Vorgehen in diesem Strafverfahren und über dessen voraussichtliche Dauer, könne er zum jetzigen Zeitpunkt und voraussichtlich auch während des Verfahrens nicht machen.

Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger.
Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger. (Bild: woz)

Gegen andere Staatsanwälte – ausser- wie innerkantonal – hat der ausserordentliche Zürcher Staatsanwalt schon einige Male ermittelt. Zuletzt sogar gegen einen Bundesanwalt, der gegen die Fifa aktiv geworden war.

«Ich bin nicht Staatsanwalt geworden, um allen Leuten zu gefallen.»

Ulrich Weder, ausserordentlicher Staatsanwalt

Wenn es Weder um die Sache geht, und darum geht es ihm ausschliesslich, schont er niemanden – wie der «Tagesanzeiger» zur Pensionierung des Zürchers vor zwei Jahren schrieb. Der 67-Jährige war und ist auch Lehrbeauftragter an der Uni Zürich sowie an der Staatsanwaltschaftsakademie der Uni Luzern.

Der Ruf eines «harten Hundes» sei an Weder hängen geblieben, wie der «Tagesanzeiger» ihn charakterisierte. Das stört ihn nicht. «Ich bin nicht Staatsanwalt geworden, um allen Leuten zu gefallen.» Er verkneift sich aber auch die Bemerkung nicht, dass er es zutreffender findet, wenn er – wie es Freunde tun – als «Inbegriff eines konsequenten und hartnäckigen Strafverfolgers» bezeichnet werde.

Beat Villiger schweigt

Und was sagt Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger (CVP) dazu, dass sein Fall nun doch noch einmal aufgerollt wird – nachdem er mehrmals betonte, wie wichtig es für ihn sei, dass nun Ruhe einkehre? Gar nichts. Auf Anfrage von zentralplus lässt Villiger wissen, dass er sich zum laufenden Verfahren nicht äussern will.

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