Der Weisse Saal des KKL ist das Prunkstück im Haus. (Bild: KKL)
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Der Weisse Saal des KKL ist das Prunkstück im Haus. (Bild: KKL)

Ein Musikkritiker nennt das Luzerner KKL eine «Fehlkonstruktion»

4min Lesezeit

Autsch: Der Kulturredaktor der «NZZ am Sonntag» zieht über das KKL her, und das ausgerechnet vor der grossen «Tatort»-Gala vom Sonntag und im Jahr des 20. Bestehens. Voller Fehler sei der berühmte Konzertsaal, der kleinere Luzerner Saal habe sogar den Charme eines Busbahnhofs.

Er ist ein Konzertsaal von Weltrang – und er spielt am Sonntag in der neusten «Tatort»-Folge aus Luzern eine Hauptrolle. Millionen Zuschauer in der Schweiz, Deutschland und Österreich werden reinzappen, wenn im Krimi «Die Musik spielt zuletzt» das Ermittlerteam durch die Gänge des Nouvel-Baus hetzen (zentralplus berichtete).

Doch nicht alle mögen in den Jubel einstimmen, wenn dieses Jahr das 20-jährige Bestehen des Weissen Saals gefeiert wird. «Das Luzerner KKL ist ein Traumhaus voller Fehler», schreibt die «NZZ am Sonntag» (online bereits verfügbar) und nennt zahlreiche Fehler, die beim Bau des Hauses gemacht worden seien.

«Wer in den ersten vier Reihen sitzt, hat die Sohlen der Musiker vor Augen – und zahlt dafür sehr viel.»

Die Faszination gehe vor allem von der Hülle aus, nicht vom Inhalt, schreibt der Musikkritiker Christian Berzins. «Im Kultur- und Kongresshaus Luzern ist alles fein, edel und teuer. Hier wurde unschweizerisch öffentlich geprotzt.» Alles sehe noch so edel aus wie im ersten Jahr – deshalb könne der Architekt Jean Nouvel nach wie vor stolz auf das KKL sein.

«Egoistisches Benehmen» in den Sitzen

Doch dann das grosse Aber: Das Kunstmuseum habe es bis heute nie geschafft, zum Anziehungspunkt zu werden. Aber auch mit dem Konzertsaal selbst ist der Kulturredaktor der «NZZ am Sonntag» nicht zufrieden: «In einem KKL-Sessel mit seinen breiten Armlehnen, der die Privatsphäre des Schweizer Konzertbesuchers schützt, lässt es sich viel zu gut leben.» Man fühle sich zu wohl, zu heimisch.

Die Folgen seien egoistisches Benehmen wie Schwatzen, Husten, Bonbon auspacken, im Programm blättern. «Die ‹perfekte› Akustik multipliziert es zu einer Geräusch-Katastrophe für die Nachbarn.»

Auch alte Vorwürfe wärmt der Kritiker auf, etwa dass der Wasserkanal im Haus eine Gefahr sei, weil bei der Eröffnung ab und zu unachtsame Gäste reinfielen. Zudem sei es im Hauptgebäude zu kalt, wenn man die Eingangstüren öffne und die Garderoben seien zu klein. «Das Gedränge im Halbdunkel des Parketts ist vor dem Erhabenen, das man im Konzert erlebt, entwürdigend», so der Redaktor.

Die Sohlen vor Augen

Zu guter Letzt sei von den Seitengalerien, vom vierten Balkon auf dem «Steilhang» sowie sogar in den vordersten Reihen im Parkett die Sicht auf die Bühne schlecht, weil zu tief. «Wer in den ersten vier Reihen sitzt, hat die Sohlen der Musiker vor Augen – und zahlt dafür sehr viel.»

Dass KKL sei nicht nur eine Fehlkonstruktion sondern eine verpasste Chance. «Nichts anderes als ein normaler moderner Konzertsaal mit einer nüchternen, klaren Akustik.» Der kleinere Luzerner Saal sei sogar unbrauchbar und habe den Charme «eines ukrainischen Busbahnhofes, und seine Akustik ist schlecht».

Die Kritik am Luzerner Saal ist nicht neu, man hat die Mängel am Blue Balls wieder zur genüge miterlebt (zentralplus berichtete). Auch dass das Kunstmuseum mit der Wahrnehmung kämpft, ist ein oft gehörter Vorwurf. Demgegenüber glänzt das KKL – abgesehen von der Gastronomie – mit guten Zahlen und wurde kürzlich wiederholt als beste Kongress-Location ausgezeichnet (zentralplus berichtete).

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