In Baar bleibt die Kirche im Dorf – und der Steuersatz bei 53 Prozent. Damit liegt Baar noch immer besser als die Stadt Zug mit 54 Prozent und ist die steuergünstigste Gemeinde in der Schweiz. (Bild: zvg)
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In Baar bleibt die Kirche im Dorf – und der Steuersatz bei 53 Prozent. Damit liegt Baar noch immer besser als die Stadt Zug mit 54 Prozent und ist die steuergünstigste Gemeinde in der Schweiz. (Bild: zvg)

Religionslehrer in Baar darf vier Klassen nicht mehr unterrichten

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In Baar darf ein Katechet vier Mittelstufenklassen in der Primarschule nicht mehr unterrichten. Weil die Disziplin während den Religionslektionen zu wünschen übrig liess, hatten sich Eltern beschwert. Inzwischen werden die betroffenen Klassen durch andere Lehrpersonen geleitet.

«Aufgrund der Vorkommnisse in den Religionslektionen von Herrn N.N.* hat die Personaldelegation des Kirchenrats der Katholischen Kirchgemeinde Baar entschieden, dass unser Katechet seine Primarschulklassen ab sofort abgibt.»

So liest sich der Anfang eines Briefs an die Eltern der Schüler von vier Primarschulklassen in Baar, der vom 21. November datiert und der zentralplus vorliegt.

Genauer gesagt handelt es sich um vier Mittelstufenklassen – also um Fünft- und Sechstklässler –, die ihren bisherigen Religionslehrer ab sofort nicht mehr im Unterricht haben. Inzwischen würden die betroffenen Primarschulklassen bereits von anderen Lehrpersonen unterrichtet, wie es in dem Schreiben der Baarer St. Martins-Pfarrei weiter heisst.

«Wir geben unser Bestes, damit wieder ein guter Religionsunterricht stattfinden kann.»

Anthony Chukwu, Pfarrer in Baar

«Wir geben unser Bestes, damit wieder ein guter Religionsunterricht stattfinden kann», schliesst der Brief, den Anthony Chukwu, Pfarrer von Baar, unterschrieben hat. Was ist da vorgefallen beziehungsweise vorgekommen?

Pfarrer Anthony Chukwu hat nichts zu verbergen. «Im Unterricht des besagten Katecheten hat eine gewisse Disziplinlosigkeit geherrscht», berichtet der Geistliche gegenüber zentralplus. Sprich: In den vier Klassen der jeweils ökumenisch gehaltenen Religionslektionen – «haben einige Schüler während des Unterrichts mit dem Handy gespielt, andere haben umgetrieben, andere haben gegessen und getrunken.»

Im Lauf der Zeit haben einige Eltern, laut Chukwu vier Mütter, diese Zustände nicht mehr toleriert. Sie haben gefordert, Abhilfe zu schaffen – sonst würden sie ihre Kinder vom Religionsunterricht abmelden.

Furcht vor vielen Austritten aus dem Religionsunterricht

«Wenn so etwas passieren würde, könnte schnell ein Domino-Effekt eintreten», befürchtete Chukwu. Das heisst, man habe verhindern wollen, dass es zu einem massenhaften Austritt von Schülern aus dem Religionsunterricht kommt.

Zudem habe man auf die reformierten Schüler in den betroffenen vier Klassen Rücksicht nehmen müssen. «Denn die brauchen ja den Religionsunterricht als Vorbereitung für ihre Konfirmation», so Chukwu.

Der betroffene Katechet, der ab sofort – auch auf eigenen Wunsch – in den vier Klassen nicht mehr unterrichtet, habe vor dem Entscheid zum Lehrpersonenwechsel im Religionsunterricht interne Coachings erhalten. Doch die Geduld der Eltern sei nicht mehr vorhanden gewesen, so Chukwu.

«Er kann weiter an der Oberstufe unterrichten, dort sind uns keine derartigen Vorfälle bekannt geworden», erklärt der Baarer Pfarrer. Von der Schule sei der Lehrer nicht unterstützt worden, die Disziplin in den Klassen wiederherzustellen. «Man hat sich an die Pfarrei gewandt», sagt Chukwu. Grund: Die Kirche habe den Lehrer ja eingestellt. Der Lehrer müsse ab dem kommenden Jahr wegen seines geringeren Lehrpensums mit Gehaltseinbussen rechnen.

Moderne, schülergerechte Bibelauslegung

Der Religionslehrer ist bekannt als aufgeschlossener Katechet in Gestalt einer modernen Bibelauslegung. Mittels derer versucht er unter anderem, die biblischen Geschichten mit dem Alltag und der Lebensrealität der Schüler in Zusammenhang zu bringen. Damit sollen die Schüler die Heilige Schrift besser verstehen lernen.

* Name der Redaktion bekannt

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