Der Blick auf den Innenhof und die Gesellschaftsräume im neuen Asylzentrum Grosshof. (Bild: giw)
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Der Blick auf den Innenhof und die Gesellschaftsräume im neuen Asylzentrum Grosshof. (Bild: giw)

Asylzentrum Grosshof in Kriens eröffnet am 1. Dezember

4min Lesezeit

Nach neun Monaten Bauzeit ist das Asylzentrum Grosshof bezugsbereit. Es ist das erste Zentrum im Kanton Luzern, das eigens für die Unterbringung von Asylsuchenden gebaut wurde. Nächste Woche ziehen dort 120 unbegleitete Kinder und Jugendliche ein. Das Asylzentrum Grosshof ersetzt das Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (ZUMA) in Kriens, das planmässig Ende November schliesst.

Am Freitag wurde das Asylzentrum Grosshof in Kriens offiziell eröffnet. An einer Feier mit knapp 90 Gästen übergab die Dienststelle Immobilien das Gebäude der Dienstelle Asyl- und Flüchtlingswesen. Dank der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen dem beauftragten Totalunternehmer, dem Projektteam und den Dienststellen schliesse das Projekt termingerecht und unter Einhaltung der genehmigten Baukosten von 6,82 Millionen Franken per Ende November 2017 ab, schreibt der Kanton Luzern in einer Mitteilung. 

Lange darauf hingearbeitet

Die Idee eines Asylzentrums Grosshof kam erstmals im Frühling 2012 auf. Damals stieg die Zahl der Asylsuchenden stark an und die Unterbringungsmöglichkeiten im Kanton wurden knapp. Bis zum Vorliegen einer rechtskräftigen Baubewilligung und der Genehmigung eines Kredits durch den Kantonsrat vergingen drei Jahre. Die politische Situation sei damals schwierig gewesen, erinnert sich Regierungspräsident Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements.

Widerstand gegen geplante Asylzentren gehörte fast schon zur Tagesordnung, weshalb auch die Realisierung eines Asylzentrums nicht gerade zu den angenehmsten Aufgaben eines Regierungsrats zählten, sagt Graf. Umso überraschter sei er gewesen, als der Gemeinderat Kriens ein offenes Ohr für sein Anliegen hatte: «Er hat sich sachlich mein Anliegen angehört und nach eingehenden Abklärungen der rechtlichen Lage offen reagiert», so Graf.
 
Aufgrund des Zeitdrucks war zunächst vorgesehen, den Bau durch einen privaten Investor zu realisieren. Eine Umzonungsinitiative und verschiedene Einsprachen verzögerten jedoch den Bau. Als die formalen Fragen geklärt waren und im Frühling 2015 die rechtskräftige Baubewilligung vorlag, hatte sich die Situation im Asylwesen bereits entspannt. Weil zu diesem Zeitpunkt die Dringlichkeit des Baus nicht mehr gegeben war, übernahm der Kanton das Projekt. Der dafür nötige Kredit wurde im September 2015 durch den Kantonsrat genehmigt.

Termingerecht bezugsbereit 

Nach intensiven Planungsarbeiten und neun Monaten Bauzeit ist das Asylzentrum Grosshof nun termingerecht bezugsbereit. «Hier ist in den vergangenen Monaten etwas ganz Wichtiges entstanden», sagt Graf. «Mit diesem Neubau kann die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen ihre Aufgabe in der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Kindern und Jugendlichen in Zukunft noch besser meistern.»

Bisher waren die dem Kanton Luzern zugewiesenen Mineurs non accompagnés, kurz MNA, im ZUMA Pilatusblick in Kriens sowie in der MNA-Abteilung des Durchgangszentrums Sonnenhof untergebracht. Mit dem neuen Asylzentrum Grosshof bestehen nun ausreichend Plätze, um die MNA an einem Ort zu betreuen. Die Betreuung erfolge laut Kanton 24 Stunden und sieben Tage die Woche. Sie sei speziell auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendliche ausgerichtet.

Wohngruppen für Kinder und Jugendliche

Altersgemässe Tagesstrukturen seien gegeben – durch den Schulbesuch oder die Berufsbildung, freie und geführte Freizeitaktivitäten sowie diverse «Ämtli», die die MNA innerhalb des Zentrums übernehmen müssen. Neu sei die Unterbringung der Kinder und Jugendlichen in alters- und geschlechtsspezifischen Wohngruppen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der Betreuungsintensität und erlauben so, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen der MNA einzugehen. Dabei nimmt die Betreuungsintensität proportional zur erworbenen Selbständigkeit der MNA ab. «Dadurch seien die MNA darin befähigt gewesen, Lebensaufgaben leistungsfähig, selbstsicher und zuverlässig zu bewältigen», sagt Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen.
 
Aktuell ist der Kanton Luzern für 127 MNA im Alter von 8 bis 17 Jahren zuständig. MNA unter 14 Jahren werden wenn nötig in Pflegefamilien platziert und bleiben in der Regel bis zur Volljährigkeit dort. Derzeit sind 12 MNA in Pflegefamilien platziert. 

Ökologischer Bau

Der Neubau umfasst ein dreigeschossiges Wohngebäude, ein Gemeinschaftsgebäude mit Verwaltung, Administration, Schulung, Beschäftigung und Speiseversorgung sowie ein Technikgebäude mit Technik-, Lagerräumen, Werkstatt und einer Waschküche.
 
Das neue Asylzentrum wurde in ökologischer Holzelement-Bauweise errichtet. Das in der Anlage verbaute Holz ist zu grössten Teilen aus schweizerischen Wäldern und wurde auch in der Schweiz verarbeitet. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und sämtliche Flachdächer sind extensiv begrünt.

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