Hauptsitz des Rohstoffkonzerns «Glencore» in Baar. (Bild: Erik Tham)
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Hauptsitz des Rohstoffkonzerns «Glencore» in Baar. (Bild: Erik Tham)

Baarer verkaufen den Chinesen ihren Teil an Putins Goldesel

3min Lesezeit

Ende 2016 erwarb das Baarer Rohstoffunternehmen Glencore ein Aktienpaket an Rosneft – dem grössten Erdölproduzenten der Welt. Jetzt hat Glencore den grössten Teil seiner Beteiligung weiter verschachert – und zieht Vorteile aus dem Handel.

Markus Mathis

Knapp 20 Prozent am weltgrössten Erdöproduzenten Rosneft hatte ein Konsortium aus katarischem Staatsfonds, dem Baarer Rohstoffunternehmen Glencore und einer Bank Ende 2016 erworben. Mit der Teilprivatisierung von Rosneft wollte der russische Staat damals zu flüssigen Mitteln kommen.

Nun hat die Geschichte eine Fortsetzung erfahren. Vom 19,8-Prozent Aktienpaket hat das Konsortium nun 14,16 Prozent an den chinesischen Energiekonzern CEFC China Energy Company weitergereicht, wie kürzlich bekannt wurde. Dieses Paket hatten Katar und Glencore mit Krediten finanziert.

Chinesen bezahlen einen hübschen Aufpreis

Beide bleiben über ein Anlagevehikel aber weiter mit kleinen Beteiligungen bei Rosneft beteiligt: Katar mit den 4,7 Prozent, die es Ende 2016 selber finanzierte. Glencore mit 0,5 Prozent, für die es damals 300 Millionen Euro in den russischen Ölriesen gebuttert hatte.

Das Konglomerat CEFC China Energy Company – vor einigen Jahren noch ein Nischenplayer – bezahlt zum derzeitigen Aktienpreis einen Zuschlag von 16 Prozent. Nach eigenen Angaben wenden die Chinesen 7,6 Milliarden Euro für die Beteiligung auf.

Täglich sprudeln 220'000 Fass Öl

Auch wenn der Kurs der Rosneft-Titel im Vergleich zu Ende 2016 gesunken ist, darf man wohl davon ausgehen, dass sowohl die arabischen Ölscheichs wie auch die Zuger Trader beim Geschäft einen guten Schnitt gemacht haben.

Und nicht nur das – Glencore hatte sich nämlich im Dezember zusätzlich die Vermarktungsrechte für täglich 220'000 Fass von Rosnefts Öl gesichert – und dies während der nächsten fünf Jahre. Dieser Deal bleibt bestehen.

Putins Orden für den Glencore-Chef

Ebenfalls bestehen bleiben die aus dem Engagement resultierenden Sympathien von Mütterchen Russland, das mit 50 Prozent und einer Aktie weiter die Mehrheit an Rosneft hält. Präsident Wladimir Putin hatte deshalb im April den Glencore-Chef Ivan Glasenberg schon mit dem russischen Freundschaftsorden ausgezeichnet.

Und jetzt haben Katar und Glencore auch noch geopolitische Schützenhilfe geleistet: Indem sie eine langfristige Geschäftsbeziehung zwischen dem russischen Erdölförderer Rosneft und einem Grosskonzerns jenes Landes ermöglichen, welches zum weltweit zweitgrössten Ölabnehmer aufgestiegen ist.

Beziehungspflege mit Russen und Chinesen

Die Chinesen hatten nach der Verhängung von westlichen Sanktionen gegen Russland im Gefolge der Annexion der Krim vergeblich vom Zerwürfnis des Westens mit Russland zu profitieren versucht. Ausser einem Gasliefervertrag hatte nichts Substantielles aus den Bemühungen herausgeschaut. Nun ist der Durchbruch gelungen.

Für das Geschäft von Glencore ist diese Art der Beziehungspflege nützlich: Zwar wird Glencore mehr als Bergbaukonzern als als Ölhändler wahrgenommen. Aber das Baarer Unternehmen ist damit  erstens auch in Russland präsent – es hält etwa eine Beteiligung am russischen Aluminiumkonzern Rusal. Zweitens ist Glencore gemäss «Neuer Zürcher Zeitung» auch der zweitgrösste unabhängige Erdölhändler und hat gerade im Geschäft mir russischen Öl in den vergangenen Jahr um einiges aufgeholt.

 

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