Die Verantwortlichen erläutern die Infos zum Masterstudiengang Medizin. (Bild: Twitter/ Guido Graf)
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Die Verantwortlichen erläutern die Infos zum Masterstudiengang Medizin. (Bild: Twitter/ Guido Graf)

So funktioniert der Master Medizin an der Uni Luzern

5min Lesezeit

Um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, bietet die Uni Luzern ab 2020 gemeinsam mit der Uni Zürich ein Masterstudium an. Die zuständigen Luzerner Regierungsräte, Reto Wyss und Guido Graf, sehen das Projekt durchwegs positiv.

Im April 2017 haben die Kantonsregierungen in Zürich und Luzern die Kooperationsvereinbarung ihrer Universitäten genehmigt und damit den Weg frei gemacht für eine gemeinsame Ärzteausbildung - den Joint Master Medizin. An der Medienkonferenz an der Universität Luzern orientieren diesen Mittwoch die beiden zuständigen Regierungsräte Reto Wyss (Bildungs- und Kulturdirektor) sowie Guido Graf (Gesundheits- und Sozialdirektor) über die Auswirkungen des neuen Studiengangs. An ihrer Seite führten Verena Briner (Projektleiterin Master Medizin und Gastprofessorin am Seminar Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik) sowie der Rektor der Uni Luzern, Bruno Staffelbach, die konkrete Ausgestaltung der Ausbildung aus.
 
In diesem Herbst nehmen die ersten Studierenden ihr Bachelor-Studium in Medizin an der Universität Zürich auf. Im Jahr 2020 beginnen die ersten von ihnen das gemeinsame Masterstudium an der Universität Luzern. Sie besuchen hier Veranstaltungen im Bereich der Gesundheitswissenschaften.

Schweizweit mehr Ärzte ausbilden

In der Schweiz werden zurzeit zu wenig Mediziner ausgebildet, um die offenen Stellen in Spitälern und Arztpraxen mit einheimischen Ärzten zu besetzen. Von den insgesamt rund 35'000 Ärzten, die in der Schweiz arbeiten, stammen über 10'000 aus dem Ausland. Hinzu kommen das steigende Bedürfnis nach Teilzeitarbeit bei der Ärzteschaft sowie die wachsende Nachfrage nach medizinischen Leistungen. Deshalb braucht es mehr Ärzte, um die gleich bleibenden oder gar steigenden Leistungen abzudecken und um die medizinische Versorgung im Kanton Luzern zu gewährleisten.

Mit dem Angebot des gemeinsamen Masterstudiengangs will der Kanton Luzern mithelfen, dass schweizweit zukünftig mehr Ärzte ausgebildet werden, insbesondere auch Generalisten, an denen es momentan am meisten mangelt. Gesundheitsdirektor Guido Graf betont: «Wir hoffen sehr, dass das Angebot eines Masterstudiums an der Universität Luzern dazu beiträgt, dass sich in Zukunft möglichst viele der hier ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte dazu entscheiden, nach dem Studium im Kanton Luzern oder unserer Region zu bleiben.»

Fotos der Medienkonferenz postet Regierungsrat Guido Graf auf Twitter:

 

Nahe am Patienten

Am klinischen Unterricht beteiligen sich Dozierende des Luzerner Kantonsspitals und der Luzerner Psychiatrie, des Instituts für Hausarztmedizin und Community Care mit ihren Hausärzten, der Hirslanden Klinik St. Anna und des Schweizer Paraplegiker-Zentrums Nottwil in den entsprechenden Institutionen. Das obligatorische Praktikumsjahr (Wahlstudienjahr) wird ebenfalls grösstenteils in Luzern stattfinden.

«Die Studierenden setzen mit dem Luzerner Track ihren Schwerpunkt auf die generalistische Ausbildung - wie sie auch in der Hausarztmedizin besonders wichtig ist», erläutert Verena Briner, Projektleiterin Master Medizin. Die rund 40 Studierenden würden vorwiegend in Kleingruppen unterrichtet, der Kontakt zu den Dozierenden sei entsprechend nah und persönlich, führt sie weiter aus. Ab dem ersten Semester des Studiums werden die Studierenden von einem Mentor oder einer Mentorin begleitet. Die Kurse seien praxisorientiert und nahe am Patienten.

«Der Joint Master ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Universität Luzern.»

Bruno Staffelbach, Rektor Uni Luzern

Die Studierenden sind für den Bachelorstudiengang an der Universität Zürich und für den gemeinsamen Masterstudiengang an der Universität Luzern immatrikuliert, sagt Prof. Dr. Bruno Staffelbach, Rektor der Universität Luzern. Das Masterdiplom unterzeichnen beide Universitäten, Luzern und Zürich. Die Universität Luzern ist mit der Organisation und Administration des gemeinsamen Masterstudiengangs betraut und führt zu diesem Zweck ein Studienzentrum. Sie deckt das Lehrangebot in den Gesundheitswissenschaften ab, ein Bereich, der heute schon besteht. «Der Joint Master ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Universität Luzern», so Staffelbach weiter.

Beitrag vom Bund erwartet

Für die Aufbaujahre 2017 bis 2020 können Zürich und Luzern einen Beitrag aus dem Sonderprogramm des Bundes für die Erhöhung der Anzahl Abschlüsse in Humanmedizin von insgesamt rund 7 Millionen Franken erwarten. Sobald dann die Masterausbildung beginnt, also im Jahr 2020, lässt sich ein Grossteil der Kosten in Luzern mit den jährlichen Grundbeiträgen des Bundes und der Kantone für ihre Studierenden decken. Zudem leisten die Luzerner Spitäler, Kliniken und Hausärzte personelle, räumliche und teils auch finanzielle Beiträge.

Für den Kanton Luzern geht die Rechnung auf, wie Bildungsdirektor Reto Wyss aufzeigt: «Wir bezahlen unserer Uni in Luzern denselben Beitrag, wie wenn unsere Luzerner Studierenden an einer anderen Universität studieren würden – pro Jahr und Medizinstudent macht das 51'400 Franken, die der Uni Luzern zukommen.»



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