Jolanda Spiess-Hegglin kämpft mit juristischen Mitteln für ihre Ehre. Sie hat den Zürcher Journalisten Philipp Gut eingeklagt und Recht bekommen. (Bild: Loredana Bevilacqua)
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Jolanda Spiess-Hegglin kämpft mit juristischen Mitteln für ihre Ehre. Sie hat den Zürcher Journalisten Philipp Gut eingeklagt und Recht bekommen. (Bild: Loredana Bevilacqua)

Zuger Affäre: Spiess-Hegglin gewinnt vor Gericht gegen «Weltwoche»-Vizeboss

5min Lesezeit

Weil Journalist Philipp Gut die Zuger Ex-Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin der Lüge bezichtigte, musste er am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich erscheinen. Dieses hat ihn nun zu einer bedingten Geldstrafe und einer Genugtuungszahlung verurteilt. Es ist nicht die erste Verurteilung.

Am Montag-Nachmittag musste sich Gut in Zürich wegen übler Nachrede verantworten, schrieb der «Tages-Anzeiger». Geklagt gegen den Stellvertreter Roger Köppels hatte Jolanda Spiess-Hegglin. Das Gericht hat sein Urteil bereits am selben Abend gefällt und Gut tatsächlich verurteilt (siehe auch unseren Kommentar).

Das Gericht verurteilte den Journalisten zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 130 Franken. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Der Text mit dem Titel «Die fatalen Folgen eines Fehltritts» muss auf Anweisung des Gerichts aus dem Online-Archiv der «Weltwoche» und aus der Mediendatenbank SMD gelöscht werden.

Die SVP-nahe Zeitung wird vom Gericht zudem verpflichtet, die Verurteilung ihres Journalisten abzudrucken, «in normaler Schriftgrösse». Darüber hinaus muss Gut der ehemaligen Zuger Kantonsrätin eine Genugtuung von 2'500 Franken sowie eine Entschädigung von 12'000 Franken zahlen.

Ein Artikel mit Folgen

In dem am 24. September 2015 publizierten Artikel «Die fatalen Folgen eines Fehltritts» bezichtigte Gut die ehemalige Zuger Kantonsrätin der Lüge. Der Artikel in der «Weltwoche» drehte sich um die folgenschwere Zuger Landammannfeier vom Dezember 2014.

Vize-Chefredaktor Philipp Gut beschrieb in dem Artikel, wie Spiess-Hegglin sich im Nachgang zu der Feier «ungeniert als Opfer präsentierte» und «wiederholt zu Lügen Zuflucht nahm». «Die linke Frau» habe «den rechten Mann» – gemeint ist SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann – «planmässig falsch beschuldigt» und eine «Betäubung durch illegale Substanzen und eine anschliessende Schändung» vorgetäuscht.

Überdies habe Spiess-Hegglin aus eigener Motivation Anzeige gegen den SVPler eingereicht und nicht das Spital, das in solchen Fällen meldepflichtig ist. Spiess-Hegglin bestritt stets, selber Anzeige erstattet zu haben.

Philipp Gut, der stellvertretende Chefredaktor der «Weltwoche», nimmt es bei den Fakten nicht so genau.
Philipp Gut, der stellvertretende Chefredaktor der «Weltwoche». Seine journalistische Glaubwürdigkeit gerät durch das Urteil weiter ins Wanken. (Bild: Twitter)

Keine Beweise für Guts These

Die Anklageschrift hält fest, Gut sei es nicht gelungen, zu beweisen, dass seine Behauptungen der Wahrheit entsprächen oder er ernsthafte Gründe hatte, sie für wahr zu halten. Er habe Spiess-Hegglin in einem derart schlechten Licht präsentiert, dass sie im Ansehen der Mitmenschen empfindlich herabgesetzt wurde. Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 130 Franken und eine Busse von 3000 Franken.

Gut wurde nicht zum ersten Mal verurteilt. Erst letztes Jahr wurde der Journalist laut «Tages-Anzeiger» unter anderem wegen übler Nachrede zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 130 Franken sowie einer unbedingten Busse von 5000 Franken verurteilt. Er hatte sich laut Gericht mehrfach ehrverletzend über die Professoren Philipp Sarasin und Svenja Goltermann von der Uni Zürich geäussert (siehe Links rechts).

Frauen solidarisieren sich mit Zugerin

Kurz vor dem Prozessbeginn am Montag fand sich eine Gruppe Frauen vor dem Zürcher Bezirksgericht ein, die sich mit Jolanda Spiess-Hegglin solidarisierten, berichtete die «Zuger Zeitung». Andrea Fuchs-Müller hatte auf Facebook aufgerufen, Spiess-Hegglin durch die Teilnahme an der Verhandlung zu unterstützen. «Frauen erleben in ihrem Leben immer wieder Situationen, in der sie die Solidarität anderer Frauen brauchen», wird sie zitiert. Die Täter müssten merken, dass sie sich nicht alles erlauben könnten.

Kommentarspalte quillt über

Die Zuger Affäre, die abgeschlossen zu sein schien, wird nun in den Online-Foren wieder emotional diskutiert. Während die Kommentarfunktion der «ZZ» geschlossen ist, posteten beim «Tages-Anzeiger» bisher 81 Personen ihre Ansichten. Es sind überwiegend Männer und einige wenige Frauen. Die einen greifen Spiess-Hegglin an. Andere enervieren sich über den Journalismus der «Weltwoche», über die SVP, oder beide. Diskutiert wird überdies über Anstandsregeln. Unten einige Beispiele:

Diese Leserin spricht von «Hetze».
Diese Leserin spricht von «Hetze». (Bild: Screenshot «Tages-Anzeiger» Online.)

Diese Leserin regt sich über Spiess-Hegglin auf.
Diese Leserin regt sich über Spiess-Hegglin auf. (Bild: Screenshot «Tages-Anzeiger» Online.)

Eine weitere «Weltwoche»-Schelte.
Eine der vielen Weltwoche»-Schelten. (Bild: Screenshot «Tages-Anzeiger» Online.)

Siehe auch das Interview von zentralplus mit Jolanda Spiess-Hegglin vom 7. April 2017, bei dem das Bild oben entstand.

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