Diese Schranke beim Bahnhof Littau führt zu längeren Wartezeiten und Rückstau. Die Umfahrung Cheerstrasse soll Abhilfe schaffen. (Bild: pze)
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Diese Schranke beim Bahnhof Littau führt zu längeren Wartezeiten und Rückstau. Die Umfahrung Cheerstrasse soll Abhilfe schaffen. (Bild: pze)

Littauer Umfahrung wird radikal abgespeckt

5min Lesezeit

Velofahrer und Fussgänger sollen am Littauer Bahnhof weiterhin vor der Barriere warten: Die Baukommission des Stadtparlaments stellt sich gegen eine separate Unterführung. Sie will die Umfahrung Cheerstrasse damit um über vier Millionen entlasten – und weist den Stadtrat in die Schranken.

Geld für Littau, ja, aber bitte nicht so viel: Die Baukommission des Luzerner Stadtparlaments stimmt der Erweiterung der Cheerstrasse in Littau zu, verlangt aber happige Einsparungen von insgesamt rund 4,6 Millionen Franken. Und zwar beim wohl umstrittensten Teil des Projekts: der nachträglich eingeplanten Velo- und Fussgängerunterführung. Geht es nach der Kommission, wird diese nämlich gestrichen.

«Angesichts der hohen Kosten und des Volksentscheids von 2009 ist es vertretbar, auf die kombinierte Unterführung zu verzichten», sagt Kommissionspräsidentin Laura Grüter Bachmann (FDP). «Auch, damit das Projekt höhere Chancen hat, überhaupt durchzukommen.» 

Die Littauer hoffen schon lange darauf, dass die Bagger auffahren und der regelmässige Stau bald der Vergangenheit angehört (siehe Box). Doch seit dem Volksentscheid von 2009 ist kaum etwas gegangen – inzwischen sind die Kosten des Projekts auf rund 24 Millionen Franken angewachsen. Das sind knapp 9 Millionen Franken mehr als ursprünglich geplant, was auf keiner Seite für Freudensprünge sorgte (zentralplus berichtete).

Rot eingezeichnet ist die Umfahrung Cheerstrasse. Gebaut wurde 2005 erst die Unterführung unter den SBB-Gleisen.
Rot eingezeichnet ist die Umfahrung Cheerstrasse. Gebaut wurde 2005 erst die Unterführung unter den SBB-Gleisen. (Bild: lwo)

Brisanz erhält die Angelegenheit nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern auch wegen der drohenden politischen Zerreissprobe. Kommt es zu einer zweiten Volksabstimmung, könnten die «Zentrumsluzerner» den Littauern ihre lang erhoffte Strasse verwehren – und so die Ängste der Fusionskritiker bestätigen.

Ein jahreslanges Ringen

Die Littauer stimmten im Herbst 2009 – kurz vor der Fusion mit Luzern – einem 14-Millionen-Franken-Kredit für die Umfahrung Cheerstrasse zu. Diese verbindet das Dorfzentrum mit dem Littauer Boden. Mit der Erweiterung der Strasse soll das Stauproblem rund um die Bahnschranke gelöst werden. Doch mit der Umsetzung haperte es, immer wieder wurde sie verschoben.

Nun will der Luzerner Stadtrat vorwärtsmachen: Er legt nun ein Projekt vor, das inzwischen allerdings deutlich teurer geworden ist als die Version von 2009. Er beantragt dem Stadtparlament einen Zusatzkredit von knapp 9 Millionen Franken.

Stimmt das Stadtparlament dem Projekt am 1. Juni zu, soll der Baustart 2020 erfolgen und die Umfahrung 2023 fertig sein.

Laura Grüter Bachmann hält fest, dass diese Sorge in der Baukommission eine wichtige Rolle spielte. «Die Kommission gewichtet den Littauer Volksentscheid von 2009 sehr hoch.» Deshalb wurde das Paket entschlackt – und wieder näher an das ursprüngliche Projekt herangeführt.

Ob die Luzerner zur Urne gebeten werden, ist noch offen. Im Vorfeld äusserten mehrere Parteien den Wunsch, dass die Bevölkerung erneut entscheiden kann. Dass es automatisch zu einem Urnengang kommt, lehnte die Baukommission nun aber ab – wenn auch knapp. Laura Grüter Bachmann rechnet jedoch damit, dass der Antrag auf ein obligatorisches Referendum im Stadtparlament erneut gestellt wird.

Volksabstimmung: möglich, aber nicht zwingend

Zurück zum konkreten Projekt: Die Velofahrer und Fussgänger sollen also wie heute die Bahngleise überqueren und keine separate Unterführung erhalten. Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne) wehrte sich im Vorfeld gegen diese Option. Einerseits aus Sicherheitsgründen: Eine Unterführung für Velos und Spaziergänger sei ungefährlicher. Andererseits ist die Barriere beim Bahnübergang mehrmals stündlich geschlossen, sodass Velofahrer und Fussgänger teilweise minutenlang warten müssen. Bauen die SBB den Fahrplan weiter aus, dürfte sich das noch verschärfen – was gar nicht im Sinne der städtischen Förderung des Langsamverkehrs wäre, so der Stadtrat.

«Insgesamt sind die Wartezeiten vertretbar, so oft ist die Barriere nicht geschlossen.»

Laura Grüter Bachmann, Präsidentin Baukommission

Laura Grüter Bachmann relativiert jedoch. «Insgesamt sind die Wartezeiten vertretbar, so oft ist die Barriere nicht geschlossen. Zudem ist es eher unrealistisch, dass der Zugverkehr auf dieser Linie stark ausgebaut wird.»

Nebst der Unterführung lehnt die Baukommission auch die flankierenden Massnahmen ab, mit denen die untere Cheerstrasse zu einer Quartierverbindung gewandelt werden soll. «Die Strasse wird sich sowieso beruhigen, weil es keinen Durchgangsverkehr mehr gibt, deshalb ist auf die zusätzliche Aufwertung zu verzichten», begründet Laura Grüter Bachmann.

Einen Schritt zurück

Die Baukommission will nun also einen Schritt zurück – und das Projekt wieder klar auf eine bessere Situation für die Autofahrer reduzieren. Der Stadtrat hält in seinem Bericht fest, dass dies für ihn nicht infrage kommt. Die Umgestaltung soll eben nicht nur den Autos zugutekommen, sondern auch Velofahrern und Fussgängern. Auf die Frage, ob der Entscheid der Baukommission auch als Kritik am «überladenen Paket» des Stadtrates zu verstehen ist, gibt sich Grüter Bachmann jedoch diplomatisch. «Gewisse Fraktionen sind dieser Meinung.»

Klar ist: Leidenschaftliche Befürworter des vom Stadtrat vorgelegten Umfahrungsprojekts sind selten. Bereits im Vorfeld kritisierten manche, darunter die SVP, die geplante Unterführung. Auch aus Littau erklang die Sorge, dass diese zusätzliche Komponente die Chancen des Projekts gefährde. Auf der anderen Seite lehnen etwa die Grünen das gesamte Projekt ab, weil sie sich grundsätzlich gegen den Ausbau von Strassen stellen. Auch die SP äusserte sich zu einem früheren Zeitpunkt skeptisch, was das betrifft.

Wer sich am Ende durchsetzt, wird sich in rund zwei Wochen zeigen. Das Stadtparlament diskutiert am 1. Juni darüber – und angesichts der knappen Verhältnisse in der Kommission darf man auch im Rathaus eine intensive Debatte erwarten.

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