Opfer der «Spar-Bürokratie»: Luzerner Volkshochschulen-Verband ist Geschichte

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Nach 70 Jahren hat sich der Verband der Luzerner Volkshochschulen (VLV) aufgelöst. Am Freitag fand die letzte Versammlung statt. Grund für das Ende sind die Sparmassnahmen des Kantons und somit fehlende Beiträge (zentralplus berichtete). Ganz gibt der Verein aber nicht auf.

VLV-Präsident Werner Auer sprach schon im Februar von einem «Spar-Tsunami», der den Kanton Luzern erfasst habe. Dementsprechend sei die Stimmung an der 70. und letzten Vereinsversammlung gedrückt gewesen, wie Alois Hodel, Präsident des Mitgliedervereins aus Egolzwil mitteilt. Doch der Verein gibt nicht ganz auf: Ein neues, loses Netzwerk soll in Zukunft den Erfahrungsaustausch sichern.

Zuletzt gehörten dem VLV 14 Volkshochschulen an, vom Kanton gab es bislang jährlich 47'000 Franken Unterstützung – diese fehlen jetzt. Der Verband koordinierte die Angebote und Interessenten der verschiedenen Volkshochschulen. Diese bieten jährlich eine Vielzahl von Kursen, Ausflügen und Vorträgen aus den unterschiedlichsten Bereichen.

Auflösung mit Ironie – und einem Zufall

«Die Auflösung des VLV entbehrt nicht einer gewissen Ironie: 1945 wurde die Gründung durch das kantonale Erziehungsdepartement angeregt und 70 Jahre später versetzte das gleiche Departement dem Dachverband der Luzerner Volkshochschulen den Todesstoss durch die totale Beitragsstreichung», schreibt Alois Hodel. Hinzu komme ein Zufall: Gründung und Auflösung fanden beide in Willisau statt.

Sieben Jahrzehnte lange sei die Erwachsenenbildung als förderungswürdig angesehen worden und wurde deshalb staatlich unterstützt. «Nun aber ist sie Opfer der Bildungs-Spar-Bürokratie geworden», sagte Präsident Werner Auer aus Ebikon.

Er bedauerte auch die anderen «fragwürdigen Sparmassnahmen im Bildungssektor» im Kanton Luzern. Diese würden dem Bildungsstand künftiger Werktätiger langfristig einen schlechten Dienst erweisen, so Auer.

Im Sparstrudel mitgerissen

Die 30 Delegierten bedauerten, dass die Erwachsenenbildung mit ihren Weiterbildungsangeboten «in den Strudel dieses Sparens mitgerissen worden ist», wie Alois Hodel schreibt.

Die Willisauer Stadtpräsidentin Erna Bieri-Hunkeler würdigte das «bildungsfördernde Wirken» am Beispiel der aktiven Volkshochschule VHS Willisau. Und Christoph Reichenbach, Präsident des Schweizer Verbandes der Volkshochschulen VSV, betonte den hohen Stellenwert einer zeitgemässen Erwachsenenweiterbildung.

Der Auflösungsbeschluss fiel einstimmig, die Geschäftsstelle wird somit aufgelöst. Das «bescheidene Restvermögen» geht zu gleichen Teilen an die verbliebenen Mitglieder. Dem künftigen Netzwerk werden zwölf Mitglieder angehören, ein erstes Treffen ist für März 2018 geplant. Eine vierköpfige Gruppe sorgt für den Zusammenhalt.

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