Bleibt die Universität Luzern unabhängig?

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Die Universität Luzern gab diesen Dienstag bekannt, 4,1 Millionen Franken Spendengelder für die Finanzierung der Wirtschaftsfakultät gesammelt zu haben. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) kritisiert nun, diese Drittmittelfinanzierung würde zu Interessenkonflikten führen und gefährde die Freiheit von Forschung und Lehre. Auch eine weitere Gefahr lauere.

Der Rektor der Universität, Paul Richli, zeigte sich im Interview mit zentralplus erleichtert, dass die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät nun startklar ist. Er sagte: «Letzlich ist es egal, von wem das Geld ist.»

Nun meldet sich aber der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) zu Wort. Er schreibt in einer Mitteilung: «Die Motive von privaten Geldgebern stimmen häufig nicht mit dem demokratisch legitimierten Auftrag der Hochschulen überein.» Somit komme es zu Interessenkonflikten. Insbesondere würden auch Philanthropen und Stiftungen ideelle, zum Teil aber auch materielle, Interessen verfolgen, die nicht mit dem öffentlichen Interesse übereinstimmen. Deshalb fordert der VSS, dass die Hochschulen in erster Linie durch die öffentliche Hand finanziert werden sollen.

Die Studierendenorganisation der Universität Luzern, die SOL, ist übrigens auf Ende 2015 aus dem VSS ausgetreten. Der Grund für den Entscheid war, dass die Kosten einer Mitgliedschaft den Nutzen übertreffen würden.

Müssen andere Fakultäten bluten, falls Finanzierung scheitert?

Ein weiterer Kritikpunkt des VSS ist die Transparenz bezüglich der Herkunft und der Höhe der Drittmittel. «Die derzeitige Regelung an der Universität Luzern, dass Drittmittel erst ab einer Höhe von 500’000 Franken offen gelegt werden müssen, ist unzureichend», sagt Josef Stocker, Vorstandsmitglied des VSS, «schon weit kleinere Beträge können dazu führen, dass die Unabhängigkeit der Universität gefährdet wird. Deshalb müssen alle Drittmittel, deren Herkunft sowie die Bedingungen, unter denen sie vergeben wurden, offen gelegt werden.» Die Uni Luzern führt zwar eine Donatorenliste, allerdings nicht so detailliert, wie es sich der VSS wünscht.

Zudem fordert der VSS die Universität dazu auf, ein Gremium bilden, welches unter Mitwirkung der Studierenden, die Drittmittelprozesse der Hochschule kontrolliert und sicherstellt, dass die Unabhängigkeit der Universität gewahrt bleibt.

Der VSS schreibt weiter: «Angesichts der aktuellen Spar- und Abbauprogrammen im Kanton Luzern ist nicht damit zu rechnen, dass der Kanton in die Bresche springen würde, sollte das angedachte Finanzierungsmodell nicht funktionieren.» Deshalb bestehe die Gefahr, dass die anderen Fakultäten für die Finanzierung der Wirtschaftsfakultät bluten müssten. Als Hochschulkanton müsse Luzern dafür sorgen, dass im Budget ausreichend Mittel für die Finanzierung der Hochschule, der Pädagogischen Hochschule und der Universität Luzern vorhanden sind.

 

 

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