CEO der Schindler Aufzüge AG Rainer Roten mit EWL-Geschäftsleitungsmitglied Rolf Samer und Gebäudemanagement-Leiter Herbert Stadelmann (von links nach rechts). Im Hintergrund die neue Wärmeübergabestation. (Bild: slam)
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CEO der Schindler Aufzüge AG Rainer Roten mit EWL-Geschäftsleitungsmitglied Rolf Samer und Gebäudemanagement-Leiter Herbert Stadelmann (von links nach rechts). Im Hintergrund die neue Wärmeübergabestation. (Bild: slam)

Nun heizt auch Liftbauer Schindler mit «Abfall-Wärme» aus Perlen

8min Lesezeit

Der Ebikoner Liftbauer Schindler setzt neu auf Öko-Wärme aus der Region anstatt auf Heizöl und Erdgas. Damit verpasst er dem grössten Fernwärmenetz der Schweiz einen gehörigen Schub. Obschon sich die Investition nicht 1:1 auszahlt.

Gute Nachrichten für die Umwelt: Diesen Dienstag feierte der städtische Energiekonzern Energie Wasser Luzern (EWL) beim Ebikoner Lifthersteller Schindler AG das Erreichen einer wichtigen Etappe für das ambitionierte Fernwärmeprojekt im Rontal. Nun fliesst von der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Renergia in Perlen Fernwärme auch nach Ebikon. Diese Wärme entsteht beim Verbrennen des Zentralschweizer Güsels. Damit muss Schindler sein Wasser nicht mehr mit Heizöl und Erdgas aufwärmen, sondern kann dies dank modernster Technik mit der ökologischen Fernwärme aus Perlen tun.

«Gemeinsam mit den Fernwärmeleitungen Richtung Emmen realisieren wir hier das grösste Fernwärmenetz der Schweiz.»

Rolf Samer, Mitglied der Geschäftsleitung von EWL

Verglichen mit Ländern wie etwa Dänemark seien die Fernwärmenetze in der Schweiz zwar klein. «Doch gemeinsam mit den Fernwärmeleitungen Richtung Emmen realisieren wir hier das grösste Fernwärmenetz der Schweiz», sagt Rolf Samer, Geschäftleitungsmitglied bei EWL an der Medienkonferenz im Hause Schindler. 15 Kunden in den Gemeinden Buchrain und Ebikon werden bereits jetzt vom Netz versorgt. Tendenz steigend.

«Jetzt kommt die Wärme aus der Region Luzern zu Schindler und nicht irgendwoher aus dem Ausland.»

Rolf Samer

Schindler benötigt ein Viertel der Abwärme

Das Leitungsnetz von der KVA in Perlen bis nach Ebikon zu Schindler wurde seit dem Spatenstich im Oktober 2014 etappenweise gebaut. Sieben Kilometer lang ist die Hauptleitung bis nach Ebikon. Das heisse Wasser aus Perlen wird mittels zwei 400 Kilogramm schweren Wärmetauschern (siehe Bild) an das interne Warmwassernetz bei Schindler angeschlossen. Von dort fliesst Restwärme in einer Leitung zurück zur KVA, wo es weiter verwendet wird. So verpufft keine überflüssige Wärme, weder beim Lieferanten noch beim Konsumenten.

Mit der bestehenden Rückleitung zum nächst möglichen Konsumenten, der Komax Gruppe in Dierikon, sei theoretisch auch eine Verlängerung bis zu dieser Gemeinde möglich, sagt Samer. So ein geplantes Szenario für die nähere Zukunft. Bereits jetzt sind laut Samer aber 90 Prozent der geplanten Absatzmenge an Abwärme der Renergia-KVA durch die zustande gekommenen Verträge erreicht. Konkret 27 von 30 Gigawattstunden Energie. Etwa ein Viertel davon wird vom Schlüsselkunden Schindler benötigt, also rund 7 Gigawattstunden. Oder so viel wie 800 alleinstehende Haushalte verbrauchen.

 

Herzstück der Wärmeübergabestation: zwei Wärmeaustauscher, die Wärme von der Renergia empfangen.

10 Millionen Liter Heizöl sparen

24’000 Tonnen CO2 möchte EWL als Hauptaktionär der Fernwärme AG 2020 mit dem gesamten Projekt in Ebikon, Buchrain, Dierikon und Root einsparen. 10 Millionen Liter Heizöl sollten damit überflüssig werden. Unter anderem auch bei der Papierfabrik in Perlen, welche direkt neben der Renergia-KVA liegt.

Allein die bei Schindler intern verlegten neuen Leitungen sind mehrere Kilometer lang, so die Projektleitung. «Jetzt kommt die Wärme aus der Region Luzern zu Schindler und nicht irgendwoher aus dem Ausland», freut sich Rolf Samer und betont: «Die Fernwärme im Rontal ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Natürlich ging es aber nicht ohne Investitionen.» Schindler war dabei Schlüsselkunde: «Ohne Schindler hätten wir den Ast Rontal nicht realisieren können», weiss Samer.

Die Karte zeigt den neu geschaffenen Verteil-Ast für Fernwärme. (Bild: slam)

10 bis 15 Prozent teurer, aber nachhaltiger

Für Schindler bedeutet das Projekt eine grössere Investition. Zuvor wurde auf dem Areal mit 90 Prozent Erdgas und 10 Prozent Heizöl geheizt. Nun also CO2-neutral, nur noch mit Abwärme aus Perlen. Der Preis dafür: rund 10–15 Prozent Kostensteigerung im Vergleich zu den vorherigen Heizkosten. «Längerfristig kann sich das aber rechnen, wenn man steigende Ölpreise berücksichtigt, Fluktuationen am Markt oder andere Risiken. Hier geht es um die lokale Wertschöpfung», meint Samer, denn mit dieser Lösung bleibe alles lokal.

Abgeschrieben sein wird das ganze System für Schindler erst in rund 50 Jahren. Dazu sagt Rainer Roten, CEO von Schindler Aufzüge AG: «Die stete Suche nach nachhaltigen Lösungen begleitet uns sowohl bei der Produktentwicklung wie auch auf unserem Campus in Ebikon.»

Projektüberblick

Die zentrale Wärmeerzeugung und Nutzung vorhandener Abwärme für eine ganze Region standen im Mittelpunkt des Projektes Fernwärme Emmen Luzern Rontal. Raumheizungen wie Radiatoren- oder Fussbodenheizungen und die Warmwasseraufbereitung profitieren von der Fernwärme.

Renergia ersetzt Ibach-Anlage

Der Wegzug der Kehrichtverbrennungs-Anlage (KVA) Ibach nach Perlen war 2011 beschlossene Sache. Seit 2015 wird im Zuge dessen in der neuen KVA Renergia in Perlen der Abfall der ganzen Zentralschweiz verbrannt und die entstandene Wärme genutzt. Ab diesem Jahr steht die dabei erzeugte Wärme des KVA dem Rontal für die Fernwärmeversorgung zur Verfügung. Schindler Aufzüge AG Ebikon war in diesem Projekt der erste grosse Kunde, der sich für Fernwärme entschied und es mit dem Unterschreiben einer Absichtserklärung zu realisieren half.

Swiss Steel an Bord

2012 war der Baustart der neuen KVA Renergia, wobei für das Fermwärmenetz Emmen Luzern bereits eine Zusammenarbeit mit der Swiss Steel AG zur Abwärmenutzung geprüft wurde. Nachdem Grosskunden und die Rontal-Gemeinden Buchrain, Root und Ebikon beschlossen hatten, auf Fernwärme zu setzen, begann 2014 der Bau für das Fernwärmenetz Rontal. Der Betrieb des KVA Ibach wurde eingestellt und Heisswasserkessel kamen als Übergangslösung im Fernwärmenetz Emmen Luzern zum Einsatz.

Nachdem in Root nach einjähriger Bauzeit 2015 mit Fernwärme geheizt werden konnte, wurde neben der Abwärme der Swiss Steel AG auch zusätzliche Abwärmeeinspeisung durch die Renergia geprüft. Dies geschah, während der Bau der Hauptleitungen in Ebikon aufgenommen wurde.

2016 entscheidet sich die Eigentümerin Fernwärme Luzern AG mit den Zusagen der Lieferanten Swiss Steel und Renergia, eine Transportleitung von Perlen nach Emmen zu legen, da dies für sie eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Verwertung der regional vorhandenen Abwärme darstellt.

Die Fernwärme Luzern AG ist der Zusammenschluss von ewl energie wasser luzern, dem Gemeindeverband REAL Recycling Entsorgung Abwasser Luzern und den Gemeinden Emmen, Buchrain, Ebikon und Root. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) registrierte das Projekt bereits im letzten Jahr.

Die Stadtluzerner Bevölkerung sprach sich bei einer Volksabstimmung 2011 für die Energie- und Klimastrategie des Stadtrates und damit für ein Darlehen von 70 Millionen für das Projekt aus. Dies erfolgte als Gegenvorschlag zur Jungen-Grünen-Initiative «Luzern mit Strom ohne Atom». Damit setzt sich Luzern den Atomausstieg bis 2045 sowie das Bewerkstelligen der 2000-Watt-Gesellschaft zum Ziel.

Die hohe Vorlauftemperatur der Leitungen von ewl von teilweise über 70°C machen einen direkten Anschluss ans Wasser von Schindler nicht sinnvoll.
Die hohe Vorlauftemperatur der Leitungen von ewl von teilweise über 70°C machen einen direkten Anschluss ans Wasser von Schindler nicht sinnvoll. (Bild: slam)

Der rote Punkt auf der Karte ist die Quelle der Abwärme: die Renergia KVA. (Bild: slam)

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