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Im zweiten Teil erklärt Andreas Troxler, was die Begriffe Kreativität und Innovation gemeinsam haben, und weshalb sie doch nicht immer miteinander in Verbindung gebracht werden. Ein Lob auf Toiletten-Pausen und Power-Naps.

Andreas Troxler

Teil 2 der Kreativwirtschaft – Die Kreativwirtschaft (zentral+ berichtete) ist in aller Munde. Und doch weiss niemand so recht, wen oder was damit in Verbindung zu setzen. Dieser Blog soll einen Teil zur Aufklärungsarbeit beitragen. In vier Teilschritten nähern wir uns dem Begriff Kreativwirtschaft und lernen, weshalb diese als Zukunftsbranche bezeichnet wird, es dafür EU-Förderprogramme gibt und warum sich die wichtigen Luzerner Institutionen diesem Thema vermehrt annehmen sollten.

Im ersten Teil haben wir folgendes gelernt: Ein Kreativer ist ein Grenzgänger und Querdenker. Er praktiziert das gelobte ‹out of the box-thinking›. Umso weniger dieses laterale Denken gesellschaftlich normiert und eingeschränkt wird, desto höher ist das Potential, dass dadurch Innovation entsteht. Und diese braucht es dringend in einer Welt, deren Produkte zunehmend austauschbar sind. Das sogenannte Design Thinking hat also unlängst die Berechtigung, in wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungsprozesse einzufliessen. Die Gegenwart sieht anders aus.

Denn Kreativität und kreatives Denken wird mit Kunst und Fördergeldern in Verbindung gesetzt und nicht als Chance für zukünftige Innovation. Diese Konnotation lässt die Kreativität im Vergleich mit der Innovation aus wirtschaftlicher Sicht unbedeutend erscheinen. Wer kreativ ist, wird belächelt. Wer hingegen als innovativ gilt, dem stehen die Tore zu gesellschaftlichem Ruhm offen.

«Innovation sorgt für wirtschaftlichen Fortschritt. Kreativität oft nur für Verwirrung.»

Innovation bezeichnet in ihrem Kern die am Markt erfolgreiche Verwertung von Ideen. Sie fährt sozusagen die Früchte der Kreativität ein, welche die neuen Ideen für sie generieren. Und steht ihr somit immer etwas vor der Sonne. So sind die beiden Begrifflichkeiten ein ungleiches Geschwister-Paar, die dennoch ohne einander nicht sein könnten.

Hier sind wir bei marktorientierter oder gewinnbringender Kreativität angelagt. Jene Kreativität, die sich einer konkreten Aufgabe widmet, die zielgerichtet produziert wird und dabei im Abhängigkeitsverhältnis von Auftraggeber und Kunde steht. Einer ersten Kreativitätsbarriere. Denn wer zahlt, befiehlt. Zur Kreativität als Wirtschaftsgut dann im dritten Blog-Beitrag mehr.

Lockern wir diese theoretische Kreativ-Kost zum Schluss ganz kreativ mit einem Exkurs zu kreativem Denken auf: Wieso entstehen viele Ideen im Bett oder auf dem Klo? Richtig. Weil man dort eben locker vor sich hindenkt. Unbefangen und entspannt. So ist es für die maximale Innovationskraft eines Unternehmens nur vorteilhaft, ein solches Arbeitsumfeld zu schaffen. Google lässt grüssen. Damit einher geht die Forderung und Erlaubnis für mehr Klobesuche und Power-Naps im Büroalltag. Ich proklamiere: Entspanntes Umfeld für neue Ideen.

Und das mit gutem Grund: In Studien wurde erwiesen, dass die meiste Kreativität dann entsteht, wenn man sich einem neuen Thema oder Aufgabe zuwendet. Francis Crick und James Watson kam die entscheidende Idee zur Struktur der DNA zwischen zwei Tennisspielen. Kary B. Mullis sah während einer nächtlichen Autofahrt plötzlich das Prinzip der Polymerase-­Kettenreaktion vor sich, für die er später den Nobelpreis erhielt. Rainer Holm-­Hadulla, Professor für Psychotherapeutische Medizin an der Uni Heidelberg, unterstützt diese These. So habe ich es jedenfalls gelesen: «Kreativität findet im Spannungsfeld zwischen Struktur und Auflösung, Ordnung und Chaos statt.»


Aus dem zentralplus Blog Wirtschafts-Blog

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