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Die attraktive Bitterkeit des Frühlings

4min Lesezeit

Es fällt auf, dass viele, typische Frühjahrsgemüse eine deutliche Bitternote aufweisen. Mit ebendiesen Gemüsen lassen sich einfache, schnelle, typisch italienische Gerichte zubereiten. Ein Rezept gibt's hier mitdazu.

Felix Kaufmann

Es fällt auf, dass viele, typische Frühjahrsgemüse eine deutliche Bitternote aufweisen. So zum Beispiel der Spargel oder Spinat und die vielen Chicoreesorten, die nun auf dem Markt erhältlich sind. Mit dem Bittergeschmack ist es eine besondere Sache; Kinder mögen ihn in der Regel überhaupt nicht. Obwohl sie problemlos extrem Salziges, Saures oder Süsses verschlingen können, lassen sich nur wenige für den bitteren Geschmack begeistern. Das ändert sich nach meinen Beobachtungen erst mit dem Erwachsenenalter. Bitter als Geschmacksnote kann äusserst attraktiv sein. Erwachsene schätzen die Bitterkeit des Hopfens im Bier, trinken bittere Aperitife usw. Wer zum Thema Bitter und Gesundheit googelt, wird ausführlich über die wohltuende Wirkung von Bitterstoffen belehrt.

Was auch auffällt, ist die offensichtliche Vorliebe unserer südlichen Nachbarn für genau diese Bitternote im Essen: Catalogna (ziemlich bitter), Cicorino rosso (ebenfalls ziemlich bitter) und Cima di rapa (eigentlich eine Kohlsorte, aber eben- falls mässig bitter) sind begehrte Frühjahrsgemüse, die allesamt auf dem Luzerner Wochenmarkt zu finden sind. Mit diesen Gemüsen lassen sich einfache, schnelle, eben typisch italienische Gerichte zubereiten.

Wer eben diese Bitternote mag: Hier das Rezept – vom Markt

Ein besonders attraktives Beispiel ist das Risotto mit Cicorino rosso. Das Rezept dafür ist denkbar einfach: Zwiebel oder Schalotte andünsten, Risottoreis dazuge- ben, auch andünsten bis die Körner glasig aussehen, heisse Bouillon dazugeben und nun den gewaschenen und in Streifen geschnittenen Cicorino rosso beifügen; die Menge nach eigenem Gusto dosieren. Wenn fertig, nach belieben mit Käse bestreuen oder darunter mischen. Als Beilage zu einer Wurst ist dieses Risotto ein richtiges Schnellgericht. Weil wir auf dem Markt sind, kaufen wir die Wurst am Marktstand Tessiner Eckli (ja, das ist so geschrieben!) von Branca Battaglia gleich vis-à-vis der Kappelbrücke am rechen Ufer. Branca Battaglia bringt uns zweimal pro Woche wahre Spezialitäten aus ihrer Heimat, dem Tessin, nach Luzern. Dazu gehören unter anderem echte Luganighe, eine Art Bauernbatwurst aus dem Luganese, die speziell gewürzt und darum einmalig ist. Diese wird im heissen Wasser gegart und, falls noch Zeit vorhanden, auf beiden Seiten angebraten. Und falls Sie zu Hause kein Risottoreis mehr haben, so können Sie sich Frau Battaglia auch noch mit echtem Tessinerrisottoreis (Riso Nostrano Ticinese) eindecken. Buon Appetito!

Und für alle anderen, die Süsseres bevorzugen

Wem dies bis hierhin alles ein bisschen zu bitter war, aber trotzdem soweit gelesen hat, sei hier noch verraten, dass es auf dem Markt bereits wunderbaren Rhabarber gibt. Und zwar nicht die schwächlichen, roten Stengel aus den Treibhäusern Hollands, sondern bereits Freilandrhabarber aus der Region. Was sich daraus alles machen lässt, verrät jedes saisongerechte Kochbuch.

Der Wochenmarkt in Luzern findet jeden Dienstag und Samstag von 6.00 bis 13.00 Uhr am linken und rechten Reussufer von der Seebrücke bis zur Jesuitenkirche, statt.

Autor: Felix Kaufmann

 

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