Das herrlich gelegene Grüebli ist ein Bio-Bijou. (Bild: Fabian Duss)
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Das herrlich gelegene Grüebli ist ein Bio-Bijou. (Bild: Fabian Duss)

Grenzwandern zwischen Entlebuch und Emmental

4min Lesezeit

Viele Wege führen auf den Napf. Lohnend sind zwei südliche Routen: Der Aufstieg vom luzernischen Bramboden und der Abstieg ins bernische Fankhaus.

Fabian Duss

Wer sich auf Wanderschuhen im Napf-Gebiet herumtreibt, braucht unter Umständen gleich vier 25000er-Karten. Die An- und Abstiege auf den höchstgelegenen Gipfel zwischen Entlebuch und Emmental sind noch zahlreicher als die Hügelzüge, die zum Napf führen.

Aus Luzern kommend empfiehlt sich der Weiler Bramboden als Ausgangspunkt. Das Postauto, das ihn ab Hasle erschliesst, windet sich um gefühlte 217 Kurven. Auf der Anfahrt nährt den lang gehegten Verdacht, bei den Entlebuchern handle es sich um das gratulationsfreudigste Völklein der Schweiz: Fast bei jedem zweiten Hof wünscht jemand einem Geburtstagskind per Leintuch oder Holztafel «Vöu Glöck».

Im Reich der Chnubel

Die Wanderung beginnt zwischen der Antoniuskirche und dem einstigen Schulhaus – und auf Asphalt. Kurz nach dem Erigsmoos ist aber Schluss mit der unerfreulichen Unterlage und man schreitet auf einem Natursträsschen voran. Kurze Anstiege wechseln sich mit Flachpassagen ab, offenes Gelände mit waldigen Abschnitten. Wer seinen Proviant zu Hause im Kühlschrank vergessen hat, findet unterwegs zahlreiche Gelegenheiten, um dem Manko mit Bergkäse beizukommen.

Links und rechts des Hügelkamms prägen verschiedene Chnubel das Landschaftsbild. Wanderung und Gegend sind derart gemütlich, dass genügend Raum bleibt, um sich deren herrliche Umschreibung im Schweizerischen Idiotikon als «kleinere, auf flachem Grund sich erhebende, oben schön abgerundete Bodenerhöhungen mit etwas rauhen, steilen, aber doch bebauten oder rasenbewachsenen Abhängen» auf der Zunge vergehen zu lassen.

Eindrückliches am Wegesrand

Während derartige Abschweifungen die Gedanken und Parasolpilze am Wegesrand die Essgelüste stimulieren, erspähen die Augen kurz vor der Stächelegg erstmals felsiges Gelände: Jenseits des Wegs fallen gegen die Hinderänzischwand steile Nagelfluh-Felswände ab. Mehr davon gibt es kurze Zeit später hinter der Stächelegg. Ein kurzer Abstecher hinter die Alp reicht, um einen Blick in den imposanten Felskessel zu erhaschen. Zum 1406 Meter hohen Napf ist es nun nicht mehr weit. Nach einem kurzen, steilen Anstieg ist er nach insgesamt gut zwei Stunden erreicht.

Auf dem breiten Gipfelplateau verteilt sich das Wandervolk selbst an Schönwettertagen problemlos. Reichen Proviant oder der unterwegs erworbene Käse nicht aus, ist das Berghotel Napf eine gute Adresse. Da sich die hohen Berge in Wolken hüllen, lässt sich das grossartige Panorama an diesem Tag nur erahnen.

Abstieg ins Emmental

Wäre die zum Ende des 19. Jahrhunderts von einem Basler Ingenieur projektierte Eisenbahn von Trubschachen zum Napf je realisiert worden, wäre ein knieschonender Heimweg garantiert. Doch tragisch ist das Scheitern der Napfbahn nicht, zumal diverse, gar nicht so weite Wege ins Tal führen. Zum Beispiel jener nach Fankhaus. Einer seiner gewichtigsten Vorteile: Man kommt dabei am Grüebli vorbei. Der von einem Kollektiv bewirtschaftete Bio-Bergbauernbetrieb liegt hoch über dem Fankhusgrabe und ist ein wahres Bijou.

Verpasst man – nicht wie der Autor – danach den Abzweiger in Richtung Höstulle nicht, winkt ein gemütlicher Abstieg über den Hügelzug. Andernfalls landet man in Mettlen und ist froh um die mitgeschleppten Sandalen, welche die verbleibenden vier Asphalt-Kilometer zur Fankhauser Bushaltestelle etwas angenehmer gestalten.

Informationen

Die beschriebene Tour dauert insgesamt rund drei bis vier Stunden und erfordert keine besondere Ausrüstung. Die Route ist durchgehend markiert und erreicht auf der Schwierigkeitsskala des SAC ein T2. Die gängigsten Abstiege sind jene zur Mettlenalp (35min), nach Fankhaus (1h 35min), Luthern Bad (1h 10min) oder Bramboden (2h) und zur Lüderenalp (3h 20min). Das ÖV-Angebot hängt vom Wochentag und der Jahreszeit ab und bedingt teilweise eine Reservation.

Kartenmaterial: Landeskarten 1149 Wolhusen, 1168 Langnau & 1169 Schüpfheim

Aus dem zentralplus Blog Wander-Blog

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