Sonnenaufgang auf dem Pilatus.
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Sonnenaufgang auf dem Pilatus.

Zu Fuss auf den Pilatus – in zwei Tagen

7min Lesezeit

Wer kennt ihn nicht, den Pilatus, das alpine Wahrzeichen hoch über der Stadt Luzern. Mein lang gehegter Wunsch, auf dem Gipfel zu übernachten, erfüllte sich an einem warmen – und wettersicheren – Wochenende. Die Aussicht bei Sonnenaufgang war die zweitägige Tour wert.

Ursula Brem

Der Pilatus ist von zwei Seiten her mit Bahnen erschlossen: mit der steilsten Zahnradbahn der Welt (Steigung 48 Prozent) ab Alpnachstad oder mit der spektakulären Luftseil- und Gondelbahn ab Kriens. Für die vorgeschlagene Tour mit ihren steilen Auf- und Abstiegen sind griffige Wanderschuhe und trockenes Wetter unabdingbar. Nebel im Mittelland und Schönwetter in den Bergen sind ideale Voraussetzungen, um auf dem Gipfel, der oft in Wolken verhüllt ist, die sensationelle Aussicht zu geniessen. Wir wollten die Kreuzungsmanöver der Zahnradbahn bei Ämsigen beobachten. Dazu wählten wir einen für uns neuen Weg über die Chretzenalp.

Tag 1: 4 h 50, aufwärts 1630 m, T2

Route: Alpnach Dorf 440 m - Meisi 490 m - Zelg 717 m - Unter Chretzenalp 1359 m - Ämsigen 1359 m - Chilchsteinen 1865 m - Pilatus Kulm 2070 m

Wir starten beim Bahnhof Alpnach Dorf und folgen dem Wegweiser «Pilatus». Der Weg verläuft entlang dem rechten Kanalufer und dann auf der Strasse bergauf zum Wegweiser im Weiler Meisi, wo wir die Pilatus/Lütoldsmatt-Route verlassen und dem Wegweiser «Chretzenalp» folgen. Rechts steigen wir zum obersten Bauernhaus empor, wo uns die Bewohner weglos über eine Wiese zum Waldrand hinaufweisen. Links geht’s in den Wald hinein und auf überraschend schönem Saumweg hinauf zur Waldlichtung. Dort überquert man die Fahrstrasse zur Lütoldsmatt und steigt sehr steil durch den Zelgwald bergauf.

Zuerst ist der Pfad überwachsen, dann wird er breiter, ab und zu geben verblichene rot-weisse Markierungen die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein – bis bei einer Waldlichtung auf Punkt 1200 m ein letzter rot-weisser Pfosten in der Wiese steht, wo der Weg zu Ende ist. Es bleibt nichts anderes übrig, als nun weglos ca. 100 Höhenmeter steil die Wiese hinauf zu kraxeln. Wenn oben eine Scheune sichtbar wird, führt rechts ein breiter, matschiger Weg durch das Tobel, auf dessen Sonnenseite die «Untere Chretzenalp» thront. Die Hüttenbewohner bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und laden uns spontan zu Kaffee und Kuchen ein.

Das Verlassen dieser gastfreundlichen Runde fällt schwer, doch wir haben erst die Hälfte des Weges hinter uns. Auf Anraten des Hüttenwarts wählen wir den schmalen Pfad direkt unter der Hütte, der Höhenkurve entlang, vorbei am Aussichtspunkt mit dem grossen Holzkreuz, das von weither zu sehen ist. Eine halbe Stunde später sind wir beim Bahnkreuzungspunkt Ämsigen,wo als Spezialität nicht die Weichen, sondern die ganzen Schienen sich bewegen, das reinste Spektakel, besonders wenn, wie bei unserem Besuch, die Bähnchen in Sechsergruppen auf- und abfahren.

Oben angelangt, erwartet uns eine grandiose Aussicht – es lohnt sich, in der Abendsonne noch durch die Drachengalerie zu spazieren und die Sicht auf das Mittelland und Luzern zu geniessen.

Nun sind wir auf der normalen Aufstiegsroute, und entsprechend gut ist der Weg angelegt und markiert. Er steigt entlang des Schienenstrangs, sodass wir in nächster Nähe das Winken der Fahrgäste erwidern und die kühn angelegte Fahrstrecke bewundern können. Die Bahn ist so steil, dass die Zahnstange nicht wie üblich hochkant steht, sondern auf der Spur liegt, damit zwei Zahnräder beidseitig einfädeln können. Das Tal weitet sich zu einem breiten, gewaltigen Felskessel, auf dessen linker Flanke wir an Höhe gewinnen. In steilem Zickzack steigen wir die letzten 40 Minuten zu Pilatus Kulm auf. Wer am späten Nachmittag unterwegs ist, sieht oft Steinböcke in diesem Gebiet. Oben angelangt, erwartet uns eine grandiose Aussicht – es lohnt sich, in der Abendsonne noch durch die Drachengalerie zu spazieren und die Sicht auf das Mittelland und Luzern zu geniessen.

Pilatus Bellevue und Kulm
Pilatus Bellevue und Kulm

Tag 2: 5 h, aufwärts 80 m, abwärts 1760 m, T3

Route: Pilatus Kulm 2070 m - Tomlishorn 2132 m - Pilatus Kulm (50 min) - Wegweiser beim Chriesiloch 2090 m - Klimsensattel 1869 m - Alp Gschwänd 1216 m - Brunni 815 m - Hergiswil 450 m

Den Sonnenaufgang mitsamt dem ganzen Alpenpanorama sieht man am besten auf dem 7 0m höher gelegenen «Esel»-Gipfel (2122 m). So oder so lohnt sich der Abstecher zum Tomlishorn. Der aussichtsreiche Weg wurde in die Felsen gehauen und ist im ersten Teil praktisch eben und geteert, im zweiten Teil steigt er an und ist ziemlich ruppig. Vom Tomlishorn geniesst man eine tolle Aussicht. Die Rückkehr erfolgt auf demselben Weg. Zum Startwegweiser unterhalb vom Chriesiloch auf der Nordseite des Oberhauptsgelangt man über zwei Wege (je fünf bis 15 Minuten):

  • Neben der Treppe beim Restaurant des Hotels Pilatus Kulm gibt es einen Tunnel zur Drachengalerie. Über eine Metalltreppe steigt man zum Startwegweiser.
  • Ab der Terrasse zwischen Kulm und Bellevue Aufstieg zum Oberhaupt (2106 m), das direkt über dem Hotel Pilatus Kulm thront, und abwärts durch den natürlichen Felsspalt «Chriesiloch» zum Startwegweiser.

Wegweiser Drachengalerie
Wegweiser Drachengalerie

Ab Startwegweiser folgt man dem steilen Serpentinenweg zum Klimsensattel und zur Kapelle hinunter. Bei Nässe ist hier grosse Vorsicht geboten. Der Klimsensattel ist ein toller Ort für eine Rast. Hier führen verschiedene Pilatuspfade zusammen. Durch das Geröll der rauen Pilatus-Nordseite mit ihren Schluchten, Türmen und Tobeln senkt sich der Weg jetzt Kehre um Kehre zum Berggasthaus Alp Gschwänd. Unterhalb dieser schönen Raststätte gelangen wir in die Waldregion, verlassen sie aber schon vor dem Bergrestaurant Brunni wieder, um von hier aus über Wiesen und Weiden nach Hergiswil zu gelangen. Weitere Informationen zur Route gibt es hier.

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