Auf dem schmalen Gipfelgrat. (Foto: Fabian Duss)
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Auf dem schmalen Gipfelgrat. (Foto: Fabian Duss)

Gross Ruchen – der Frühjahrs-Klassiker schlechthin

5min Lesezeit

Der Gross Ruchen im Schächental gilt als grösste klassische Eintagesskitour der Zentralschweiz – und ist die April-Skitour schlechthin. Ein makelloses Panorama vom schmalen Gipfel entschädigt für den langen, zähen Aufstieg.

Fabian Duss

Schaut man von Unterschächen ins Brunnital, versperrt der Gross Ruchen einen weiteren Blick in den Süden. Doch nicht nur seine imposante Nordwand macht ihn zum Brocken, sondern auch die gut 2000 Höhenmeter, die bis zu seinem Gipfel zu bewältigen sind. Mitten in der Skitourensaison sollten Muskulatur und Kondition reichen, um sich den prächtigen Berg zwischen Schächen- und Maderanertal mal vorzuknöpfen. Für alpine Skitourengänger ist die Tour schlicht ein Muss.

Start in Unterschächen

Ausschlafen und dann noch auf Skitour klappt nicht, wenn der Frühling im Anmarsch ist. Spätestens bei Tagesanbruch sollte man sich also in Unterschächen auf die Socken machen. Im Optimalfall – zurzeit ist das so – startet man bei der Talstation der Sittlisalp-Seilbahn, ansonsten eingangs Brunnital im Dorfteil Bielen. Die anstehende Tour schenkt nicht nur mit Höhenmetern ein, sondern ist auch ziemlich weit. Einen guten Teil der Distanz vernichtet man gleich zu Beginn: Bis zur Alp Brunni ist die Steigung auf der Waldstrasse nur gering, doch zwischen einer und eineinhalb Stunden dauert es dorthin schon.

Nach steilem Aufstieg winkt die Aussicht

Die Ungeduld endet schliesslich im Lauweli. Im Osten öffnet sich nun langsam die Ruch Chälen, das pièce de résistance der Tour. Zwei bis drei Stunden lang führt der Aufstieg nun durch dieses steile, schattige Tal am Fuss der Ruchen-Nordwand. Spitzkehre für Spitzkehre geht es in die Höhe, wobei das steilste Stück (35° auf 300 Höhenmeter gemäss SAC-Führer) erst am Schluss kommt. Nicht wenige Tourengänger ertappen sich wohl mehrfach dabei, wie sie den Sinn ihres Tuns hinterfragen.

Beim Ruchchälenpass findet die Anstrengung aber ihre Belohnung – und zwar richtig: Die Sonne knallt, es wird flach und auf der gegenüberliegenden Talseite imponieren der Oberalpstock und der Gross Düssi. Wessen Saft in den Beinen nicht bis zum Gipfel reicht, findet nur schon hier am Pass ein würdiges Tourenziel. Alle anderen sollten hier zumindest den Energietank wieder auffüllen, denn bis zum Gipfel sind es gut und gerne noch zwei weitere Stunden.

Seitenblicke reichen über das Lidernen-Gebiet hinaus und bis zur Rigi. (Foto: Fabian Duss)
Seitenblicke reichen über das Lidernen-Gebiet hinaus und bis zur Rigi. (Foto: Fabian Duss)

Mit Eispickel und Steigeisen auf den Gipfelfelsen

Immerhin: Drei Viertel der Höhenmeter sind nun vernichtet und der restliche Aufstieg ist nun nicht mehr eintönig, sondern aussichtsreich. Auf dem Ruchenfirn – anseilen ist hier nicht nötig – steigt man dem Gross Ruchen entgegen. Stotzig wird es erst unter dem Gipfelaufbau. Am Fuss der Gipfelfelsen deponiert man die Ski und zapft die letzten Kraftreserven an. Eispickel in die Hand, Steigeisen an die Füsse und los geht's!

Möglich sind mehrere Varianten – und alle sind steil und etwas ausgesetzt. So oder so sollte man aber eine Stelle auf dem Grat etwas links (also südlich) vom Gipfel anpeilen. Dort hängt nämlich eine Kette, welche beim Bewältigen einer kurzen Kletterstelle dienlich ist. Ist auch diese kurze Felspassage geschafft, sind es nur noch ein paar luftige Meter über den Gipfelgrat bis zum Gipfelkreuz.

Auf der langen Abfahrt links halten

Viel Platz hat es auf dem Gross Ruchen nicht, weshalb man seine Rast besser unten beim Skidepot abhält. Dabei sollte man sich ordentlich Zeit lassen: Das Panorama ist atemberaubend, der lange Anmarsch verdient es und vor allem wartet noch eine lange Abfahrt auf die müden Beine. Eine weitere kurze Pause beim Ruchchälenpass lohnt sich ebenso. Die wenigen Leute, die schon mal im Sommer dort waren wissen: Zu Fuss durch diese steile, weglose, ewige Geröllwüste abzusteigen grenzt an Masochismus. Gut also, wenn man Ski an den Füsse hat.

Hat die Sonne schon ordentlich in die Südhänge des Sattelhoren gebrutzelt, löst sich dort schon mal ein Schneerutsch. Meist ist die Flanke auch schon ordentlich mit alten Lawinenkegeln ausgestattet. Deshalb – und auch weil dort besserer Schnee zu erwarten ist, hält man sich in der Abfahrt durch die Ruch Chälen am besten etwas links. Während man einen Schwung an den nächsten reiht, fällt es schwer, sich an den anstrengenden Aufstieg zu erinnern: Er ist längst vergessen.

Zuletzt geht es über die Alpstrasse zurück zur Seilbahnstation, wobei man die Ski möglicherweise ein paar Mal kurz tragen muss. Dann ist es geschafft: Die grösste klassische Eintagesskitour der Zentralschweiz ist passé. Mit zufriedener Müdigkeit wühlt man im Schnee nach den kaltgestellten Bierchen, wankt zur Hinteren Schächen und hält die dampfenden Füsse ins eiskalte Schmelzwasser.

Toureninfos

Schwierigkeitsgrad: Die beschriebene Skitour wird gemäss SAC mit ZS+ bewertet.

Hinweis: Für Schneeschuhgänger ist die Tour aufgrund ihrer Länge eher nicht geeignet.

Tourenzeit: 6 - 7 Stunden Aufstieg

Kartenmaterial: Skitourenkarte 1:50000 246S Klausenpass, Landeskarte 1:25000 1192 Schächental

Aus dem zentralplus Blog Wander-Blog

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