Der Aufstieg zum Bützi ist in der Landeskarte nicht eingezeichnet, vor Ort aber blau-weiss markiert.
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Der Aufstieg zum Bützi ist in der Landeskarte nicht eingezeichnet, vor Ort aber blau-weiss markiert.

Kraxelnd auf die Brunner Haifischflossen

4min Lesezeit

Wenn Bahnreisende durch Brunnen fahren und ihr Blick in die Höhe schweift, erkennen sie am Urmiberg zwei Felstürme, die wie Haifischflossen aus dem Wald ragen. Im Lokaljargon figuriert die untere als Bützi, die obere als Duume.

Fabian Duss

Wenn Bahnreisende durch Brunnen fahren und ihr Blick in die Höhe schweift, erkennen sie am Urmiberg zwei Felstürme, die wie Haifischflossen aus dem Wald ragen. Im Lokaljargon figuriert die untere als Bützi, die obere als Duume. Auf der Landeskarte ist ersteres unbenannt, doch kotiert (P. 917), während letzterer als Stockflue ausgewiesen wird und 1'137 Meter über Meer liegt. So steil die beiden Felsgestalten auch ausschauen mögen: Ihre Besteigung ist keineswegs den Kletterern vorbehalten, sondern auch zupackenden, trittsicheren und schwindelfreien Wanderern möglich.

Eine Route für Feierabend

Ausgangspunkt für die kurze Tour, die im Sommer auch nach dem Feierabend noch drin liegt, ist die Talstation der Luftseilbahn Urmiberg am Ortsausgang von Brunnen (alternativ kann auch direkt beim Bahnhof gestartet werden). Zunächst läuft man – den Wegmarkierungen folgend – durch den Ortsteil Halten und danach ostwärts nach Chräjen. Etwas oberhalb Chräjen erreicht man ein Waldsträsschen, wo eine Tafel den Weiterweg markiert und die blau-weisse Markierung für die Trennung von Spreu und Weizen sorgt. Auf der Wanderkarte ist der Weg nicht eingezeichnet, im Gelände jedoch markiert.

Nach rund einer halben Stunde durch den Wald erreicht man den Südgrat des Bützi. Nun gilt es, die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, denn es wird steil und felsig. In gutmütigem und aufgrund der Südexposition jeweils schnell trocknenden Gelände geht es aufwärts. Wurzeln und griffiger Fels leisten Hilfe, die Route ist kaum zu verfehlen. Insgesamt eine gute Stunde nach Abmarsch bei der Seilbahnstation erreicht man den Gipfel des Bützi.

Ein luftiger und ein harmloser Abstieg

Wer im Aufstieg noch nicht genügend Tiefblicke erheischen konnte, kann dies sicherlich im Abstieg vom Bützi, denn der ist derart luftig, dass man sich gerne am zuverlässigen Fixseil festhält. Wer einen Klettergurt dabei hat, kann sich mittels Schlinge/Karabiner auch behelfsmässig sichern. Nach einer kurzen Verschnaufpassage wartet im Abstieg ein zweites, harmloseres Wändchen, das neben einem Fixseil auch mit roten Stufen versehen ist.

Der erste Teil der Kraxeltour ist nun vorüber, es folgt mit dem Duume die zweite Halbzeit. Zunächst führt der Weg einfach durch den Wald, bevor das Gelände wiederum felsiger wird. Auf einer wunderschönen Rampe hart an der Westwand des Duume kraxelt man in die Höhe und erreicht bald die Fluehütte. Hier teilen sich nun die Wege. Der blau-weiss markierte Bergwanderweg umgeht den Felsaufschwung auf der westlichen Seite und führt dann zwar ausgesetzt, doch einfach und mit Fixseilen versichert zum Gipfel. Wer bereits genug hat, kann den Duume auch auslassen und gleich zum Bergrestaurant Timpelweid abzweigen.

Direktroute für Kraxel-Liebhaber

Wer beim ausgesetzten Kraxeln im Kalk aber erst so richtig Genuss verspürt, dem sei zur Direktvariante geraten: Rechts um die Fluehütte herum hat man sogleich wieder Fels zur Hand. Mehr oder weniger gerade über der Hütte kraxelt man innert wenigen Minuten zum Gipfel. Schnellere Zeitgenossen erreichen den Duume nach insgesamt rund eineinhalb Stunden Aufstieg. Wer's gemütlich nimmt, muss wohl mit etwa zwei Stunden rechnen. So oder so wird man auf dem Duume mit einem schönen Ausblick über den Vierwaldstättersee belohnt.

Der Abstieg vom Duume ist wiederum steil und etwas ausgesetzt, jedoch mit Fixseilen gesichert und insgesamt etwas harmloser als jener vom Bützi. In wenigen Minuten erreicht man danach einfach das Berggasthaus Timpelweid und damit die Bergstation der Luftseilbahn oder den Wanderweg, der zurück nach Brunnen führt. Jenen, die noch über genügend Zeit verfügen, sei zur Fortsetzung der Tour geraten: Mit dem Westgrat der Rigi Hochflue wartet nämlich ein weiterer Leckerbissen für Alpinwanderer.

Die beschriebene Tour ist nur bei trockenen Bedingungen zu empfehlen. Die Schwierigkeit bewegt sich im unteren T5-Bereich der Schwierigkeitsskala des SAC. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Erfahrung in steilem, ausgesetztem und felsigem Gelände und gutes Schuhmaterial sind unerlässlich.

Kartenmaterial: Landeskarte 1151 Rigi

 

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