Hoch hinaus von Gipfel zu Gipfel. (Bild: Blanca Imboden)
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Hoch hinaus von Gipfel zu Gipfel. (Bild: Blanca Imboden)

Wandern auf dem Grat, wandern von Gipfel zu Gipfel

5min Lesezeit

Hoch hinaus von Gipfel zu Gipfel. Blanca Imboden nimmt uns mit auf ihre Lieblingswanderung auf dem Stoos. Was ihr an dieser Wanderung besonders gut gefällt: Die Schönheit der Natur und die Aussicht ins Riemenstaldertal.

Blanca Imboden

Meine schönste Wanderung muss ich gar nicht weit suchen gehen: Sie liegt fast vor meiner Haustüre, nämlich auf dem Stoos. Als ich sie im Oktober 2010 zum ersten Mal gemacht habe, wurde ich von meinem Bruder Max und meiner Schwester Monika begleitet, zwei erfahrenen Alpinisten. Ich hatte grossen Respekt vor dem Gratweg, der – so stand es geschrieben – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraussetze. Es war nach meinem ersten Sommer als Wandervogel auch meine erste «richtige» Wanderung. Inzwischen gehe ich ohne weiteres auch alleine auf den schönen Weg. Immer wieder gerne.
Mein Lieblingswanderweg führt von Gipfel zu Gipfel, ist der Gratwanderweg vom Klingenstock (1935 m) zum Fronalpstock (1922 m). Als Wanderanfänger könnte man jetzt annehmen, der Weg gehe also sozusagen «geradeaus». Ja, solche Denkfehler habe ich anfangs häufig gemacht und dabei böse Überraschungen erlebt. Auch auf diesem Weg muss man immerhin 365 m Aufstieg und 400 m Abstieg meistern. Ich brauche für die Strecke fast drei Stunden. Das liegt an meiner schlechten Kondition, aber auch daran, dass ich nach wie vor ständig stehen bleiben muss, um Fotos zu machen. (Sportler brauchen nur eineinhalb Stunden.)


Auf den Stoos fahre ich mit der steilen Standseilbahn, die mir jetzt, da sie bald ersetzt wird, nicht alt oder schäbig vorkommt, sondern nostalgisch und vertraut. Nach einem kurzen Fussmarsch durch den autofreien Ort fahre ich mit der längsten Sesselbahn der Zentralschweiz auf den Klingenstock. Oben angekommen bin ich schon erstmals gerührt und berührt. Das Berggefühl: Ich bin mitten drin, umrahmt, umzingelt, ein Teil von allem. Nein, hier hat es kein Restaurant und auch keine Hüpfburg. Aber Berge, viele zum Greifen nah, andere gut sichtbar, aber in weiter Ferne und dahinter noch mehr und noch mehr. Mein iPhone-App, das die Gipfel erkennen und mir ihre Namen aufzeigen soll, keucht. Aber eigentlich will ich die Berge ja nur anschauen, lieben und bewundern. Genau so geht es mir mit der Pflanzenwelt: Ich bin eine Banausin. Ich bewundere, rieche, schaue, habe aber keine Ahnung, was ich denn nun genau sehe. Im Internet habe ich neulich eine Seite gefunden, die alle seltenen Blumen und Pflanzen bejubelt, die man hier unterwegs sehen kann. Ich finde das wunderbar. Ich mag Wanderer, die noch Zeit finden, zu spüren, zu betrachten, zu fühlen. Viele haben es einfach nur eilig, wie im Alltag auch. Ich aber will in den Bergen SEIN. Und nein, das ist keine Ausrede für mein langsames Wandertempo.

Der Gratwanderweg ist so, wie er sein sollte: Keine kinderwagengängige Betonautobahn, sondern ein kleines Weglein, manchmal recht schmal, das immer ein bisschen bergauf und bergab führt. Stöcke würde ich unbedingt empfehlen, gutes Schuhwerk sowieso. Auf Karten und GPS kann man getrost verzichten. Man löst für alle Bahnen eine Tageskarte an der Talstation. 30'000 Wanderer benützen diesen Weg jedes Jahr. Da kann es schon mal zu einem Volksauflauf kommen. Ich selber habe das allerdings noch nie erlebt. Warum? Weil ich eine Frühaufsteherin bin. So habe ich den Weg meist für mich alleine, kann also auch stehen bleiben, wo es mir gerade passt.

Und es gibt tausende Gründe, sich Zeit zu nehmen, zu schauen, zu fotografieren. Die Morgensonne im Rücken spaziere ich dem Klingenstock entgegen. Manchmal sehe ich weit voraus, wie der Weg sich den Grat entlang schlängelt. Immer wieder schaue ich links ins Riemenstaldertal hinunter, oder grüsse rechts die Mythen, meine Hausberge. Der Abstieg zum Furggeli führt mich dann um Felsnasen herum, über Stufen und Treppen, in Felsen gehauen, mit Ketten gesichert. Die bezaubernde Sicht auf den Vierwaldstättersee darf den Wanderer hier nicht allzu sehr ablenken. Vom Furggeli aus geht es in den Endspurt: Ein steiler Aufstieg zum Fronalpstock muss nun bewältigt werden. Der Schweiss rinnt, ich jammere vor mich hin, aber auf dem Gipfel werde ich für jegliche Strapazen schnell belohnt: Einerseits von der Aussicht, andererseits von einem guten Bergrestaurant. Und nein, ich muss nicht zum Stoos hinunter wandern. Eine Sesselbahn steht für mich bereit.

Ja, ich bin inzwischen schon viel und weit gewandert, nicht nur im Kanton Schwyz, sondern auch im Ausland. Aber mich hat noch keine Wanderung so berührt, wie diese. Und so bin ich heute, während Sie dies lesen, vielleicht genau wieder dort oben, jauchze und winke ins Tal hinunter.

Infos dazu: www.stoos.ch

Refrain meines eigenen Wanderliedes «Wandern ist doof»:

Wenn ich auf dem Gipfel steh- Und von dort nach unten seh
Bin ich berührt tief in mir drin – Verstehe aller Mühen Sinn
Ja, die Berge sind mein Glück – Die Natur gibt viel zurück
Sie lohnt jeden schweren Schritt – Gibt Freude auf den Heimweg mit

Das ganze Lied zum Anhören: www.wandern-ist-doof.ch

Aus dem zentralplus Blog Wander-Blog

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