Ausblick vom Jakobsweg auf den Vierwaldstättersee. (Bild: Blanca Imboden)
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Ausblick vom Jakobsweg auf den Vierwaldstättersee. (Bild: Blanca Imboden)

Ein winziges Stück Jakobsweg

4min Lesezeit

Wer geniesst sie nicht gerne, die Aussicht auf den Vierwaldstättersee, dies findet auch Blanca Imboden. Die Buchautorin nimmt uns mit auf ein Stück Jakobsweg, von Emmetten nach Treib und zeigt, dass Wandern nicht unbedingt doof sein muss.

Blanca Imboden

Als ich anfing zu wandern, und das ist erst ein paar Jahre her, hatte ich ein Problem: Wo finde ich leichte Wanderungen? Oh, ich habe viele Freunde, die echte Alpinisten sind. Ihre Tipps waren jedoch ziemlich unbrauchbar, da sie sich gar nicht mehr an ihre Wanderanfänge erinnern konnten. Sie erzählten mir ständig von flachen Wegen (die es in der Schweiz ohnehin kaum gibt) und ich keuchte dann erschöpft stundenlang bergauf und bergab.
Aber inzwischen habe ich selber nach und nach einige leichte Wanderungen entdeckt. 
Auch diese hier ist einigermassen leicht:

Emmetten (NW) 774 m – Treib (UR) 434 m

Das ist eine Wanderung mit Ausflugscharakter, mit verschiedensten Wegen und manch herrlicher Aussicht. Gut, es ist eine rot-weiss markierte Strecke. Richtige Wanderschuhe, gesunde Beine und Wanderstöcke würde ich schon voraussetzen. Und man muss gerne bergab wandern.


Ich fahre mit dem Bus nach Gersau SZ, mit dem Schiff über den Vierwaldstättersee nach Beckenried, wo gerade gegenüber der Schiffstation (die Strasse überqueren, bei der Post) ein kleines Postauto (311 nach Seelisberg) wartet, das mich nach Emmetten bringt. Meine Mundwinkel zeigen längst nach oben, denn ich mag Schiffe, Bähnchen, Busse. Das liegt wohl an meinem kindlichen Gemüt.

Bei «Emmetten Sagendorf» steige ich aus und die rund zweistündige Wanderung beginnt. Der Weg geht links hoch. Das Schild zeigt JAKOBSWEG. Wenn man diesen Einstieg gefunden hat und an einer Kapelle vorbei kommt, kann man locker den Wanderwegschildern nach Treib folgen und braucht weder Karte noch GPS. Keine Sorge, wir wandern nicht nur auf Beton! Zuerst geht es nun bergauf.

Der Abstieg im Wald ist ein wenig ruppig. Dafür ist der Weg halt wirklich ein Wanderweg, führt idyllisch über Stock und Stein, und die Ausblicke Richtung Luzern oder Schwyz könnten einen manchmal fast zum Abstürzen bringen. Aber ich konzentriere mich auf den Weg und komme nach etwa 30 Minuten wieder an die Sonne, schreite über blühende Wiesen und Felder, mit Blick auf den Vierwaldstättersee. Inzwischen bin ich froh, wenn es auch mal ein wenig bergauf geht. Ein Jauchzen entlockt mir die Sicht auf die ersten Restaurants in Treib. Im Restaurant Volligen kann man auf einer Terrasse mit spektakulärer Aussicht sitzen, an der Schiffstation im Wirtshaus zur Treib sogar direkt am See. Frisch gestärkt fahre ich dann mit dem Schiff heimwärts. Da ich ein GA habe, kann es auch vorkommen, dass ich vom Schiff gar nicht wieder runter will, und noch kurz eine Urnerseerundfahrt geniesse. Ja, ja, das kindliche Gemüt.

Noch ein paar Anmerkungen zum JAKOBSWEG.
 Ich habe in der Schweiz noch nicht besonders viele schöne Teilstücke vom Jakobsweg erlebt. (Tipps nehme ich gerne entgegen). Oft wird beim Jakobsweg bloss darauf geachtet, den Weg an möglichst vielen Kapellen und Kirchen entlang zu führen. Die schöneren Wege, ohne Asphalt, führen manchmal ganz nahe daran vorbei. Das habe ich neulich erlebt, als ich Einsiedeln-Pfäffikon gewandert bin. Das Teilstück Emmetten-Treib ist jedoch schön. Allerdings: Wenn Sie wirklich pilgern wollen, müssten sie natürlich von unten nach oben laufen. Ein bisschen Leiden muss sein.

Noch eine freche Frage zum Schiffsverkehr auf dem Vierwaldstättersee:
 Ist sie wirklich noch zeitgemäss, diese Unterteilung in erste und zweite Klasse? Unten ist alles überfüllt, kaum noch Plätze an der Sonne, und oben fast leer. Irgendwie dekadent. Ich darf das fragen, denn ich fahre erste Klasse.

Aus dem zentralplus Blog Wander-Blog

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