Der 21-jährige Willisauer Samuel Scherrer (links) an der Junioren-Europameisterschaften 2017 in Dortmund. (Bild: Joe Bossert/rcwillisau.ch)
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Der 21-jährige Willisauer Samuel Scherrer (links) an der Junioren-Europameisterschaften 2017 in Dortmund. (Bild: Joe Bossert/rcwillisau.ch)

Als Spitzensportler kommt man um die Welt

4min Lesezeit

Als Spitzensportler verbringt man viel Zeit in Trainingsstätten – und im Ausland, wie die Erfahrungen des Willisauer Ringers Samuel Scherrer zeigen. Über die Herausforderungen und den organisatorischen Aufwand hinter seinen Sportresultaten.

Samuel Scherrer

Als Spitzensportler kommt man um die Welt. Besonders dann, wenn man die in der Schweiz eher unbekannte Sportart Ringen als Halbprofi oder sogar als Profi betreibt. Damit wir uns mit den besten Ringern der Welt messen können, trainieren wir fast 200 Tage im Jahr im Ausland.

In unterschiedlich langen Trainingsblöcken, welche normalerweise zwischen einer und vier Wochen dauern, reisen wir jeweils durch den ganzen Kontinent. Auch Trainings- oder Wettkampfaufenthalte in Mittelamerika (z. B. Kuba) oder in den USA sind keine Seltenheit. Gerade in osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Polen oder Russland fühlen wir uns praktisch schon zuhause. Mit jedem weiteren Tag im fernen Lande werden auch die ausländischen Verhältnisse zur Gewohnheit.

In den Trainingsstätten zuhause

Im Ausland kann ich mich voll und ganz aufs Training konzentrieren. Ich lebe wie ein Profi und trainiere zwei bis drei Mal täglich unter den besten Bedingungen, die verschiedenen Hotels und Sportunterkünfte in den Trainingsstätten sind schon fast mein Zuhause. Damit ich mich neben den harten Trainings bestens erholen kann, gehört natürlich auch genügend Schlaf und ausreichende Ernährung zum Tagesprogramm. Im Durchschnitt schlafe ich insgesamt zehn bis elf Stunden in der Nacht und zwischen den Trainings.

Jedoch können auch wir Spitzensportler nicht sieben Tage in der Woche an unsere Grenzen gehen. Die Belastung am Wochenende ist meistens etwas kleiner und wir kriegen die Gelegenheit, die verschiedenen Kulturen etwas besser kennenzulernen. Regenerative Spaziergänge in der Grossstadt Sofia (Bulgarien) oder am Strand des Baltischen Meeres in Wladislawowo (Polen) sind schon fast ein Muss.

Sport mit Beruf und Familie koordinieren

Wenn ich als Teil einer kleinen Gruppe, welche diese Strapazen auf sich nimmt, zwischendurch wieder mal in der Schweiz bin, stehe ich jeweils vor einer grossen organisatorischen Herausforderung. Ich arbeite noch immer ungefähr 40% als Landmaschinenmechaniker, um mich finanziell absichern zu können. Zum Glück kann ich bei meinem Arbeitgeber dann meine Stunden arbeiten, wenn es die Planung auch zulässt. Das ist keine Selbstverständlichkeit in diesem Beruf und darum bin ich meinem Arbeitgeber sehr dankbar.

«Für gute Resultate verzichte ich auf sehr vieles in meinem Leben.»

Weiter muss ich auch zuhause möglichst effizient trainieren, auch wenn die Trainingsplanung dort normalerweise etwas lockerer ist. Nach der abwechslungsreichen Arbeit, welche für mich eine super Ablenkung zum Sportleralltag darstellt, steht also am Abend meistens noch ein Training an. Natürlich darf neben der Arbeit und dem Training die Zeit mit der Familie und den Freunden nicht zu kurz kommen. Obwohl die Freizeit als Spitzensportler nicht gerade im Überfluss zur Verfügung steht, kann ich am Wochenende zwischendurch auch mal etwas abschalten.

Um diesem enormen Druck von allen Seiten standhalten zu können, brauche ich als Spitzensportler ein richtig gutes Umfeld. Nur wenn die Unterstützung der Familie, des Arbeitgebers, des Vereines, der Sponsoren etc. gewährleistet ist, kann ich mich voll und ganz auf meinen Sport konzentrieren. Und nur wenn ich mich voll und ganz auf meinen Sport konzentriere, kann ich meine Bestleistungen auf der Ringermatte abrufen und für gute Resultate sorgen. Für diese guten Resultate, welche mein Kapital sind, verzichte ich auf sehr vieles in meinem Leben. Genau wie jeder andere Spitzensportler.

Aus dem zentralplus Blog Sport-Blog

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