Ueli Schnider in Action an der Schweizernmeisterschaft 2017 über 50 km.  (Bild: Swissski)
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Ueli Schnider in Action an der Schweizernmeisterschaft 2017 über 50 km. (Bild: Swissski)

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Der Schweizer Spitzenlangläufer Ueli Schnider schreibt in seinem ersten Blog-Beitrag über seinen Traum von Olypmpia, den Rückschlag durch seine Verletzung in der Olympiasaison und den dazu nötigen Verzicht, um wieder an die Weltspitze zu kommen.

Ueli Schnider

Der Wecker klingelt – es ist 7 Uhr und Zeit aufzustehen. Heute ist für mich ein wichtiger Tag, denn es steht ein Intervalltraining auf meinem Trainingsplan. Mittlerweile sind gut acht Wochen seit meiner Verletzung verstrichen und es wird Zeit, den ersten Belastungstest zu absolvieren.

Beim Anschnallen meines Skis bemerke ich, wie es langsam heller wird und der Tag so allmählich anbricht. Komischerweise sind mir noch praktisch keine Leute begegnet und irgendwie scheint das ganze Dorf noch zu schlafen. Ich schaue in die frisch verschneite Landschaft mit den hell beleuchteten Berggipfeln und ein kleines Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Leise hör ich mich selbst flüstern: «Klar, es ist ja Sonntag.»

Ein Privileg, das Hobby zum Beruf machen zu können

Der Langlaufsport und die Liebe zur Natur wurde mir bereits früh von meinen Eltern vorgelebt. Mein Vater hatte früher ebenfalls aktiv Spitzensport betrieben und war als Langläufer auch in der Weltelite unterwegs. Ich wuchs, als jüngster von vier Brüdern, in einer Bauernfamilie auf, wodurch wir den Bezug zur Natur täglich erleben durften.

Sobald ich laufen konnte, war ich auch mit den Langlaufskiern in meiner Heimat, im schönen Waldemmental, unterwegs. Mit der Familie bewegten wir uns jedes Wochenende im Winter in der Natur rund um Flühli/Sörenberg. Die meisten Loipenkilometer genossen wir im bevorzugten Salwideli oder auf der Torbachmatte in meiner Heimat Flühli.

Meine ersten Wettkämpfe bestritt ich im Kindergarten und sofort stand für mich fest, was ich später werden will – Profilangläufer. Mir gefällt es sehr, meinen Beruf in der Natur, speziell in den Bergen und in meinem gewohnten Umfeld, ausüben zu dürfen. Es ist wahrlich ein Privileg, sein geliebtes Hobby zum Beruf machen zu können.

Ueli Schnider verbringt die wenige Freizeit, die er hat, gerne mit seiner Freundin in der Natur.
Ueli Schnider verbringt die wenige Freizeit, die er hat, gerne mit seiner Freundin in der Natur. (Bild: Ueli Schnider)
Sieben Tage die Woche gehören dem Sport

Langlauf ist eine sehr ausdauerspezifische Sportart, die zudem auch Kraft, Technik und Material als wichtige Komponenten verbindet, wenn man erfolgreich in der Weltelite mitmischen will. Um den Schritt an die Weltspitze beschreiten zu können, braucht es viele Jahre Vorbereitung. Ein enormer Trainingsumfang wird in dieser Zeit bewältigt.

Pro Jahr absolviert ein Langläufer zwischen 800 bis 1000 Stunden Training, wobei lediglich drei Wochen effektiv Ferien sind, in denen wenig bis gar nicht trainiert wird. Der Langläufer stellt sich also auf eine Sieben-Tage-Woche ein, um somit den Wochendurchschnitt von gut 20 Stunden Training meistern zu können. Von Anfang Mai über die Sommermonate bis kurz vor dem Saisonstart Ende November vollzieht der Athlet knapp 70 Prozent des Jahrespensums. Die restlichen gut 30Prozent werden während der Wettkampfphase von Dezember bis Anfang April erreicht.

Sowas wie Sonntage gibt es selten im Alltag als Spitzensportler.

Ueli Schnider, Langläufer

Sowas wie Sonntage gibt es selten

Um mein Traum von Olympia zu erreichen, ist sehr viel Training und Opferbereitschaft notwendig. In einem Jahr bin ich bis zu 200 Tage unterwegs auf Lehrgängen, Wettkämpfen und sonstigen Events von Sponsoren oder des Skiverbands.

Dabei kommt das private Umfeld oft zu kurz. Gerade das Pflegen von sozialen Kontakten mit Freunden und Bekannten wird somit schwer. Gerne gehe ich mit Freunden abends auch mal in eine Bar was trinken. Dies kommt jedoch eher im Sommer mal vor, denn in intensiven Trainingstagen und vor allem in der Wintersaison lehne ich Verabredungen solcher Art ab, weil meine Gesundheit wie auch genügend Schlaf klar Vorrang haben! Denn mein Körper ist schliesslich auch mein Kapital als Spitzensportler.

Sowas wie Sonntage gibt es selten im Alltag als Spitzensportler. Trotzdem gewährt man sich ab und zu einen Regenerationstag, wobei höchstens eine kurze Einheit oder manchmal auch kein Training absolviert wird. In diesen wenigen Tagen brauche ich die freie Zeit oft für mich selbst sowie für meine Freundin, um die nötige Erholung und Energie wiederzubekommen. Als Spitzensportler muss man auf vieles verzichten können und das Privatleben auf ein Minimum beschränken.

In meiner Situation gelingt mir der Balanceakt mit Sport, Beziehung und Privatleben gut. Da meine Freundin ebenfalls eine aktive Langläuferin ist, teilen wir uns die gleiche Leidenschaft. Aus diesem Grund haben wir dasselbe Verständnis in Bezug auf Opferbereitschaft und Verzicht im Privatleben als Profi-Langläufer.

 

Aus dem zentralplus Blog Sport-Blog

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