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Wahlen, Aktionen mit Perspektivenwechsel und Dank

3min Lesezeit

Am Sonntag war es wieder einmal so weit: Regierung und Parlament wurden neu bestellt. Eine intensive Zeit des Wahlkampfes für unsere Regierungsräte, unsere bisherigen Kantonsräte, vor allem aber auch für unzählige Neu-Kandidaten hat sich für eine Legislatur dem Ende geneigt; vorausgesetzt, sie treten nicht bei den nationalen oder kommunalen Wahlen im Herbst oder nächsten Frühjahr bereits wieder an.

 
Andrea Gmür

Was heisst das nun für Sie als Wähler? Sie können wieder in die Stadt gehen, ohne dass Sie an jeder Ecke von Parteivertretern angehalten werden, die sich selbst und/oder ihre Kandidaten als kompetente, lösungsorientierte, engagierte, liberale, klare, soziale, grüne, bürgerliche und weiss-ich-was-alles-sonst-noch Menschen anpreisen, die in den nächsten vier Jahren alle anstehenden Probleme in unserem Kanton schnell, unbürokratisch und effektiv lösen.

Ihr Briefkasten wird nicht mehr mit Parteibroschüren in allen Farben und Formen mit lachenden, gar strahlenden Konterfeis gefüllt sein, nicht mehr überquellen mit Flyern voller Ansagen, wie die Finanzen ins Lot gebracht werden, die Mobilität in Stadt und Kanton verbessert und unsere Welt wieder eine heilere und gerechtere wird. Auch die Plakatwände werden wieder vermehrt Werbung für Autos, Schokolade und echtes Pepsodent zeigen, die Inserate mit Politikern jeder Couleur für eine gewisse Zeit verschwinden.

Was heisst das für die Kandidaten und ihre Helfer?

Sie stehen nicht mehr Wochenende für Wochenende abwechselnd am Schwanen-, Theater- oder Falkenplatz. Sie müssen nicht mehr versuchen, freundlich auf wildfremde Menschen zuzugehen und ihre Botschaft an den Mann oder die Frau zu bringen. Sie müssen sich auch nicht mehr abwimmeln lassen von Menschen, die partout nicht angesprochen werden wollen; von Menschen, die am Samstagmorgen in fast schon beängstigender Eile an ihnen vorbeihasten, kurzatmig hechelnd: «Ich hab‘ keine Zeit»; von denselben Menschen, die dann zwei Stunden später völlig entspannt und endlos lange im Café sitzen. Sie müssen sich auch kein in gehässigem Ton zugerufenes «Ihre Partei wähle ich ganz bestimmt nicht» mehr anhören. Sie können sich dann mal wieder ein bisschen Zeit für sich, für ihre Familie und Freunde nehmen.

Wahltag ist Zahltag

Am Sonntag, um 12.00 Uhr mittags, uff, war der Spuk vorbei. Wahltag ist Zahltag. Die grosse Mehrheit der Kandidaten ist nicht gewählt worden. Warum haben sie sich trotzdem mit einem derartigen Engagement in den Wahlkampf gestürzt? Warum haben sie sich das alles angetan? Ganz einfach: weil sie Politik faszinierend finden, weil sie beseelt sind davon, für uns alle etwas zu bewirken und zu erreichen, weil sie voller Idealismus und Altruismus auch ihre bisherigen Kollegen und ihre Partei mit totaler Überzeugung und unendlichem Einsatz unterstützen wollten.

Es ist beim Proporzverfahren eine Binsenwahrheit: Nur dank all' den nicht-gewählten Kandidaten schaffen ein paar den Einzug ins Parlament. Wer die notwendige Stimmenzahl nicht erreicht, geht häufig schnell vergessen – obwohl gerade ihnen unser ganz grosser Dank gebührt! Dies möchte ich hiermit in aller Deutlichkeit tun: Danke, dass Sie sich für eine Kandidatur zur Verfügung gestellt haben! Geben Sie auch nicht gleich auf. Beim nächsten Anlauf steigen die Wahlchancen markant. Wer politisch ein Ziel erreichen will, hat selber keine Wahl. Da gibt’s nur eins: aufstehen und weitermachen!

Aus dem zentralplus Blog PolitBlog

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