Wird der Wolf in den Zuger Wäldern wohl wieder einmal heimisch sein?
  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Wird der Wolf in den Zuger Wäldern wohl wieder einmal heimisch sein?   (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

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Vor einigen Monaten wurde die Sichtung eines einzelnen Tiers in Menzingen vom Zuger Amt für Wald und Wild bestätigt. Die Zuger SP-Präsidentin Barbara Gysel wertet dies in ihrem Blog-Beitrag als Zeichen dafür, wie Wölfe in ihre früheren Lebensräume zurückkehren, nachdem sie Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurden.

Barbara Gysel

Diese Rückkehr wird von den einen begrüsst und von den anderen bekämpft: Für die einen handelt es sich um einen hinterlistigen Räuber und für die anderen um ein Symbol unverfälschter Natur. Vor über vier Jahren habe ich hier bereits einmal darüber gebloggt, wie kontrovers die Rückkehr des Tiers aufgenommen wird. Mittlerweile leben in der Schweiz drei bis vier Rudel und mehrere Paare. Die Tiere sind definitiv bei uns im Land angekommen, auch im Kanton Zug (zentralplus berichtete). Nun müssen wir sie auch noch in unseren Köpfen willkommen heissen und den Pragmatismus im Umgang mit diesen faszinierenden Tieren zurückgewinnen.

Der Kanton Zug hat seit 2017 ein sogenanntes Wolfskonzept, das den Umgang regelt. Schweizweit ist ein funktionierendes Grossraubtiermanagement noch nicht die Regel. So löst der Wolf gerade bei Bauern viel Groll aus, wenn er Schafe reisst. Insofern überrascht es mich auch nicht, dass der Urner Bauernverband eine kantonale Initiative gegen Grossraubtiere wie etwa den Wolf lanciert hat. Sie wird in Bälde, am 10. Februar 2019, zur Abstimmung gelangen.

Ausreichend Schutzmassnahmen

Die Verluste von Schafen sind aus meiner Sicht insofern nicht so sehr verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit von ihnen in den Alpen ungeschützt lebt. Einer Studie von AlpFutur zufolge reissen Wölfe in der Schweiz jährlich etwa 250 der rund 200’000 auf den Alpen gesömmerten Schafe. Im Verhältnis dazu sterben jährlich etwa 4’200 Schafe durch zu spät entdeckte Krankheiten oder weil sie in den Bergen abstürzen.

Zum Glück gäbe es genügend Massnahmen, um Nutztiere vor dem Wolf zu schützen, etwa Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Das ist zwar ein Mehraufwand, wäre aber als Beitrag zu einem konfliktärmeren Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch zu werten. Für den Menschen stellen Wölfe nämlich keine Gefahr dar, weil sie scheu sind und Menschen und Gefahren aus dem Weg gehen.

Aus ökologischer Sicht und für die Artenvielfalt ist der Wolf wichtig.

Von allen untersuchten Arten bei uns ist rund ein Drittel bedroht. Wertvolle Lebensräume nehmen so sehr ab, dass fast die Hälfte von ihnen gefährdet ist. Auch regionale Besonderheiten verschwinden. Das belegen die Roten Listen, die im Auftrag vom Bundesamt für Umwelt regelmässig aktualisiert werden. Seit 2013 werden neben den «gefährdeten Arten» auch die «gefährdeten Lebensräume» in der Schweiz untersucht.

Um die Biodiversität in der Schweiz ist es nicht gut bestellt

Zwischen Ansprüchen der Bevölkerung und Lebensräumen von Tieren ergeben sich immer wieder Zielkonflikte. Mit einem sorgsamen Umgang können oft Lösungen gefunden werden. So kommt es ab und zu auch zu «good news»: Der Bartgeier steht nicht mehr auf der Liste der ausgestorbenen Arten. In der Zentralschweiz wurden 2015 erstmals drei Bartgeier ausgewildert und das Programm zur Wiedereinbürgerung war erfolgreich.

Dennoch ist der Einsatz für gefährdete Arten weiterhin notwendig. Wer Tierarten fördern will, muss sich für ihre Lebensräume einsetzen: Diese leiden insbesondere durch die Intensivierung und Ausdehnung der Landnutzung. Intakte Lebensräume ermöglichen, dass sich etwa die ausgesetzten Bartgeier in der Zentralschweiz weiterhin heimisch fühlen, dass Feldhasen weiter durch die Zentralschweiz hoppeln und Luchse ihren Lebensraum behalten.

Aus dem zentralplus Blog PolitBlog

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