(Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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«In der heutigen Form hat die Spange Nord keine Chance»

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Statt ideologisch für oder gegen den öffentlichen Verkehr oder den Individualverkehr zu kämpfen, muss die Energie in die Weiterentwicklung der Gesamtmobilität gesteckt werden. Dies fordert Kantonsrätin Yvonne Hunkeler (CVP). Gleichzeitig fordert sie eine stadtverträglichere Variante des Bypass, der in der aktuellen Vorlage keine Chance beim Stimmvolk habe.

Yvonne Hunkeler

Zwischen 2010 bis 2015 stieg die Anzahl der GA-Abonnenten im Kanton Luzern um 24 Prozent auf rund 24'000 Abonnemente. Generell nahm auch der Motorisierungsgrad im selben Zeitraum und im ganzen Kanton zu. Nur in der Stadt Luzern ist der Anteil an autolosen Haushalten seit 2005 kontinuierlich auf 44 Prozent im Jahr 2015 angestiegen. Gleichzeitig beurteilt die Luzerner Bevölkerung den Verkehr als das grösste Problem des Kantons. Dies zeigen die Resultate aller Befragungen, welche bei der Luzerner Bevölkerung seit 2009 alle zwei Jahre durchgeführt werden.

In der Verkehrspolitik besteht Handlungsbedarf

Das wachsende Verkehrsaufkommen und das Empfinden der Bevölkerung zeigen auf, dass in der Verkehrspolitik Handlungsbedarf besteht, denn die Herausforderungen sind gross. Zwei konkrete Investitionsvorhaben in der Region Luzern stehen dabei im Vordergrund: der Bypass und der Durchgangsbahnhof. Der Durchgangsbahnhof ist insofern unumstritten, weil auch der Bund mehrfach bestätigt hat, dass er die einzige Lösung zur Weiterentwicklung des Bahnknotens Luzern ist. Nun muss die Planung zügig vorangetrieben werden.

Das kantonale Anschlussprojekt zum Bypass, die Spange Nord, kam am 8. Mai in den Luzerner Kantonsrat. Die Emotionen sind hoch, geht es doch um eine Entlastungsstrasse, welche durch Wohnquartiere und an einem Schulhaus vorbei führt. Mit einem Ja zum Planungskredit kann das Projekt so geplant werden, dass es stadtverträglicher wird, denn in der heutigen Form hat es vor dem Luzerner Stimmbürger keine Chance.

Die Erreichbarkeit ist wirtschaftlich betrachtet einer der drei wichtigsten Standortfaktoren. In der Agglomeration oder auf dem Land muss ein Standort häufig mit dem Auto problemlos erreichbar und mit ausreichend Parkplätzen ausgestattet sein. Für eine Innenstadt ist dagegen die Erreichbarkeit zu Fuss oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein grosser Pluspunkt.

Die Mobilität der Zukunft sieht ganz anders aus

Es lohnt sich also, einerseits in Infrastrukturen im öV und im motorisierten Individualverkehr MIV zu investieren. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Mobilität der Zukunft ganz anders sein wird. Die Digitalisierung hält in der Branche Einzug: Durch die bessere Vernetzung zwischen Kunden und Anbietern und zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern verschwinden die Grenzen zwischen öV und MIV. Das bietet neue Chancen für die Entwicklung neuer Angebote: Mobility as a Service heisst das Schlagwort.

Und genau diese Entwicklung zeigt auf, dass in Zukunft eine gemeinsame Weiterentwicklung von öV und MIV notwendig ist. Statt ideologisch für oder gegen öV oder MIV zu kämpfen, muss die Energie in die Weiterentwicklung der Gesamtmobilität gesteckt werden. Denn nur gemeinsam können die Herausforderungen gemeistert werden.

Aus dem zentralplus Blog PolitBlog

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