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Ein Weckzeichen für die Agglomerationsgemeinden

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Bei den Zürcher Kommunalwahlen im März und April haben Grüne und SP fast durchwegs dazugewonnen. Gerade in den Agglomerationsgemeinden. Ein halbes Jahr zuvor brachten die Wahlen in den Aargauer Gemeinden ähnliche Resultate.

Michael Töngi

Die NZZ kam in einer Analyse am 24. April zum Schluss, dass der Wind gedreht habe. Die SVP habe längere Zeit die Ängste vor einer Verstädterung und vor Verlust von Bekanntem für sich nutzen können, doch heute genüge ein schlichtes Nein nicht mehr. Es seien Antworten gefragt. Auch in den Agglomerationen sind die Themen zahlbare Wohnungen, Lösungen für die Verkehrsprobleme und eine gute Kinderbetreuung längst angekommen.

In den Agglomerationen steht heute viel auf dem Spiel

Der grosse Wachstumsschub findet dort statt. Er kann als Last empfunden werden, aber auch als Chance genutzt werden. In Luzern Süd werden soeben grosse Überbauungen hochgezogen. Noch ist unklar, welche städtischen Qualitäten dabei entstehen. Wer die schönen Projektbilder mit der Realität vergleicht, wird zurzeit enttäuscht: Die Häuser sehen zwar aus wie geplant, doch die Bäume und Plätze sucht man aber noch vergebens.

Im Zentrum von Kriens will der Gemeinderat eine deutliche Aufwertung hinkriegen, die Kantonsstrasse soll verkehrsberuhigt werden. Ob es gelingt? In Emmen entsteht am Seetalplatz ein neues Zentrum. Gemeinde und Kanton müssen auch hier für gute Aussenräume sorgen, zahlbare Ladenlokale und Wohnungen für Familien, sonst verkommt das Gebiet zu einem Ort, der ausserhalb von Bürozeiten unbelebt sein wird.

In Ebikon stellt sich die Frage, wie die Kantonsstrasse gebändigt werden kann, Aufenthaltsqualität erhöht werden kann, ohne dass man jahrzehntelang auf utopische Tunnelprojekte wartet. Gleichzeitig stehen alle diese Gemeinden vor der Herausforderung, bei knappen Kassen den Bewohnerinnen und Bewohnern gute Dienstleistungen anzubieten. Sie tun dabei gut daran, nicht nur allfällige Kostenabwälzungen des Kantons zu kritisieren, sondern generell eine andere Finanz- und Steuerpolitik einzufordern – dies als grüner Zwischenruf.

Die Zukunft ist ungewiss

Man darf gespannt sein, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird und wie stark Gemeinderäte und Parlamente bereit sind, die Entwicklung zu lenken, für die Gemeinschaft Gutes zu schaffen und ob sie potenten Investoren Lösungen abverlangen, die Mehrwert für alle schaffen statt höchste Renditen.

Ohne Verkehrslärm schlafen zu können oder eine belebte, vielfältige Wohnumgebung zu haben, sind mehrheitsfähige Themen, die aber vor allem von den Grünen und SP vertreten werden. Wahlstrategisch kann es mir ja recht sein, wenn dies noch lange so bleibt – aber im Interesse der Lebensqualität dürfen die Resultate der letzten Wahlen ruhig auch für Gemeinderäte und bürgerliche Parteien ein Ansporn und Auftrag sein, sich stärker für diese Themen einzusetzen.

 

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