Unser Blogger Manuel Gautschi berichtet in den nächsten drei Monaten von seinen Erlebnissen in Nairobi. (Bild: Manuel Gautschi                     )
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Unser Blogger Manuel Gautschi berichtet in den nächsten drei Monaten von seinen Erlebnissen in Nairobi. (Bild: Manuel Gautschi )

Karibu! Vor meinem Praktikum in Afrika

6min Lesezeit

In wenigen Tagen geht es los! Auf nach Kenia, in ein dreimonatiges Abenteuer mit dem Ziel, Land und Leute kennenzulernen und die Entwicklungsarbeit unter die Lupe zu nehmen. Was mich im als gefährlich geltenden Nairobi erwartet, wie mein Alltag aussehen wird und wie ich über die Runden kommen will, werde ich regelmässig hier berichten.

Eigentlich hatte ich letztes Jahr mit der Entwicklungszusammenarbeit bereits abgeschlossen. Ich verbrachte damals den Sommer im westafrikanischen Benin, um Interviews für meine Masterarbeit durchzuführen. Ich sprach mit Politikern, Journalisten und einflussreichen Personen aus zivilgesellschaftlichen und Nichtregierungsorganisationen (NGO). Auch mit traditionellen Führern konnte ich mich austauschen. Im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Universität Basel wollte ich herausfinden, welche Rolle Bürgermeister in der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) spielen.

Begriffe wie Fremdbestimmung und Korruption wurden in den Gesprächen oft erwähnt. Zauberwörter wie Partizipation, Transparenz und Entwicklung ebenso. Und als ich meine Arbeit einreichte, da war für mich klar, dass durch die Entwicklungszusammenarbeit lediglich Symptome, nicht aber die Ursachen der Armut oder der schlechten Wirtschaftslage bekämpft werden. Solange sich Regierungen nur für Macht interessieren und sich weder für ihre Bevölkerung verantwortlich fühlen noch sich für ihr Wohlergehen einsetzen, ist die Wirkung jedes eingesetzten Rappens gering. Das glaube ich zumindest.

Zurück unter Entwicklungshelfern

Im letzten Herbst trat ich bei Comundo eine Praktikumsstelle in der Beschaffung finanzieller Mittel an – und befand mich bereits wieder mitten in der Entwicklungsbranche. Ich half, «Bettelbriefe» und Spendenaufrufe zu verfassen und schrieb Projektanträge an Stiftungen, um die Welt ein wenig besser und gerechter zu machen. «Comundo» sucht für Partnerorganisationen in Lateinamerika, Afrika und Asien zum Beispiel Lehrerinnen, Controller, Schreiner oder Jugendarbeiter, die ihr Wissen gerne im Ausland weitergeben würden. Sie werden in Luzern auf ihren dreijährigen Projekteinsatz in den Entwicklungsländern vorbereitet. Diese Ausbildungs- sowie die Lebenskosten vor Ort finanziert Comundo.

Die Organisation bietet auch ein dreimonatiges Praktikum für junge Erwachsene an, die sich für Themen wie Gesundheit, Landwirtschaft, handwerkliche Berufe oder fremde Kulturen interessieren und in der Entwicklungszusammenarbeit Luft schnuppern wollen (HOPLAA). Das Ziel dieses Praktikums ist es, zum Nachdenken über globale Zusammenhänge und die konkreten Auswirkungen der Globalisierung anzuregen und die jungen Erwachsenen für verantwortungsvolles Denken und Handeln zu sensibilisieren. Dafür habe ich mich beworben. Nach mehreren Ausbildungswochenenden zu Themen wie Interkulturalität verbringe ich nun die nächsten drei Monate in Nairobi bei Christian Schubarth, der dort als Kommunikationsberater einen Projekteinsatz für Comundo leistet.

Verlust des Laptops wäre gravierend

Den Flug sowie eine Pauschale für Kost und Logis muss ich dabei selber berappen – ein festes Einkommen fehlt während der drei Monate. Mein Zimmer im Raum Luzern vermiete ich in dieser Zeit, um wenigstens diese Kosten zu sparen. In Nairobi werde ich zuerst bei Christian unterkommen – ein engagierter Typ, den ich mit meinen Fragen löchern werde. Später soll ich – wenn alles nach Plan verläuft – in eine Wohngemeinschaft weiterziehen.

Nairobi geniesst, wie viele afrikanische Grossstädte, einen zweifelhaften Ruf. Der Übername «Nairobbery» verspricht Gefahr. Ich hoffe, dass ich verschont bleibe und halte mich an die Anweisungen der Reiseführer und die Tipps der Einheimischen. Da ich jeweils meinen Laptop mit zur Arbeit nehmen muss, darf ich auf dem Weg hin und zurück dann nicht zu schläfrig sein – es wäre ein teurer Verlust. Zuhause habe ich aber vorsorglich noch kurz ein Backup durchgeführt.

Motivation und Ziele

Die Fragen, die ich mir im Zusammenhang mit meinem Projekteinsatz stelle, habe ich im Kopf gespeichert. Ich interessiere mich dafür, wie die lokale Bevölkerung in Kenia die Hilfe aus dem Norden wahrnimmt. Welche Bedeutung hat die Entwicklungszusammenarbeit für verschiedene Kenianerinnen und Kenianer? Wie nehmen sie die Weltverbesserer wahr? Was erhoffen sie sich von ihnen? Welchen Zweck erfüllen die NGOs im Norden für die Partnerorganisationen im Süden? Wie ist das Image der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort? Und schliesslich natürlich: Was bewirkt sie? In Nairobi werde ich versuchen, diese Fragen für mich zu beantworten.

Um mit möglichst vielen Menschen in Kontakt treten zu können, habe ich mir daneben zum Ziel gesetzt, Entwicklungszusammenarbeit ausserhalb des urbanen Zentrums von Ostafrika zu erleben. Nairobi ist nicht nur Hauptstadt. Auch zahlreiche internationale Medienkonzerne und Organisationen haben hier einen Sitz. Daneben würde ich mich gerne bei einem lokalen Fussballverein fit halten und dadurch neue Kontakte knüpfen. Wir werden sehen!

Vom Lokaljournalisten zum «Korrespondenten»

Bereits während meines Bachelorstudiums in Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Luzern interessierte mich neben der Demokratie als politisches System besonders die internationale Politik. Dazu zählten vor allem international tätige NGOs, die EU und ihre Pendants in Afrika (Afrikanische Union) und Asien (ASEAN), Umweltpolitik sowie Staatsgrenzen und die Verwaltung von Randregionen, zum Beispiel zwischen Afghanistan und Pakistan oder im Kongo. Danach arbeitete ich ein Jahr für zentralplus auf der Redaktion, wobei ich mehrere Artikel über den Rohstoffhandel, die multinationalen Konzerne, ihre Geschäftspraktiken und ihren Umgang mit Umwelt und Natur publizierte (zentralplus berichtete). Zurück an der Universität studierte ich in Basel Afrikanische Studien, erneut mit einem Fokus auf Politik und Geschichte.

In diesem Blog werde ich versuchen, hinter die Fassaden der Kenianischen Metropole Nairobi zu blicken. Ich werde von Erlebnissen und Begegnungen berichten und dabei versuchen, das in Schweizer Medien von Afrika gezeichnete Bild zu überprüfen. Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen und hoffe, Sie bleiben dabei!

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