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Elektroschrott - Vorsätze fürs Neue Jahr

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Am Mühleplatz in Luzern ist an prominenter Lage ein Shop eröffnet worden, der vom Handel mit gebrauchten Geräten lebt. Ist das der Start in eine nachhaltige Zukunft?

Andreas Merz

Ich muss zugeben, dass ich selber noch nie ein gebrauchtes Smartphone gekauft habe. Bei meinem letzten Kaufentscheid musste es schnell gehen, weshalb es dann ein Neugerät war. Zudem staple ich meine alten Geräte lieber zu Hause, als sie korrekt zu entsorgen oder zum Wiederverkauf freizugeben. Ich gehöre damit zum Durchschnittsschweizer und wäre eigentlich idealer Neukunde. Die Eröffnung des neuen Shops in Luzern macht den Verkauf und Ankauf von gebrauchten Smartphones und Mac-Produkten salonfähig und das mitten im Shoppingherz der Luzerner Altstadt.

Schone ich damit die Umwelt?

«Ja» sagen die Inhaber des neuen Ladens in Luzern kurz und knapp. Dem pflichte ich bei, obschon die Gründe dafür etwas komplizierter sind und eigentlich noch viel mehr drin liegt. Betrachtet man ein Leben eines Smartphones, wird fast die Hälfte der versteckten, grauen Energie für die Rohstoffgewinnung verbraucht. Rund 25 Kilogramm CO2 werden ausgestossen und 30 Kilogramm Rohmaterial sind nötig, um ein Smartphone von 80 Gramm herzustellen. In einem Handy stecken 60 verschiedene Stoffe, teilweise in kleinsten Mengen wie Gold, Antimon, Ruthenium, Selenium, Tantal oder wie auch immer diese unbekannten Metalle heissen. Woher diese Metalle ursprünglich kommen, kann angesichts der Fülle nicht einmal Apple für seine Produkte komplett eruieren. Zudem werden für Smartphones gemäss Fairphone – einem Anbieter von ethisch korrekten Smartphones - Teile von bis zu 270 Zulieferern verbaut. Alleine der Vibrationsalarm besteht wiederum aus 20 Einzelkomponenten. Kurzum – in einem Smartphone steckt die halbe Welt, Rohstoffe aus allen Herren Ländern, unzählige Produktionsschritte und Verarbeitungsorte, bevor wir das Produkt in unseren Händen halten. Angesichts dessen ist es zentral, solche hochwertigen Produkte möglichst lange zu nutzen – idealerweise selber oder über den Weiterverkauf durch verschiedene Anbieter. Würden von den jährlich über drei Millionen verkauften Handys in der Schweiz nur schon ein Teil durch gebrauchte Smartphones ersetzt, könnten viel Energie und Rohstoffe eingespart werden. Insofern ist mir jetzt definitiv klar, dass ich in Zukunft nur noch gebrauchte Smartphones kaufen werde.

Wie steht es ums Recycling?

Doch auch ein erneuertes Smartphone wird einmal an sein Lebensende kommen und nicht mehr reparierbar sein. Und dann, dann wird das Smartphone durch unsere gelobte Recyclingindustrie in seine Rohstoffe zerlegt und als neues Smartphone wiedergeboren, oder? Diese Vorstellung ist tief in uns verankert. Doch leider sind wir von dieser Kreislaufwirtschaft noch weit entfernt. Die meisten der seltenen Rohstoffe lassen sich durch heutige Technik nicht recyceln oder es lohnt sich finanziell nicht. Zu klein sind ihre Mengen in einem Smartphone und zu unspezifisch der Ort, wo diese verbaut sind. Nur wenn einzelne Rohstoffe auf bestimmten Bestandteilen konzentriert vorkommen, wie Gold und Silber auf Leiterplatten oder Neodyn auf Festplatten von Computern, können diese wieder aufbereitet werden. Alle anderen seltenen Elemente gehen verloren. Ob sich das in Zukunft ändern wird? Die Hürden sind hoch, weil dafür Produktion, Design und Recycling Hand in Hand arbeiten müssten und viele technische Optimierungen notwendig wären.

Geld

Der Verkauf von gebrauchten Geräten und die Möglichkeiten des Recyclings zeigen uns einmal mehr auf, dass primär dort Ressourcen- und Energieeinsparungen möglich sind, wo es sich finanziell lohnt. Revendo hat sich auf teure Geräte spezialisiert, weil dort Profite erzielt werden können. Billige Smartphones und Computer sucht man dort vergebens. Wer also einen nachhaltigen Lebensstil anstrebt, kauft Qualitätsprodukte und stellt diese, sobald sie nicht mehr in Gebrauch sind, weiteren Nutzern zur Verfügung. Insofern ist der neue Shop eine Bereicherung und fördert die nachhaltige Wirtschaft. Ich habe mir übrigens fest vorgenommen, meine alten Geräte demnächst einmal vorbeizubringen und damit zurück in den Nutzungskreislauf zu geben.  

Ausstellung

Wer sich mit dem Thema Rohstoffe vertieft auseinandersetzen möchte, dem kann ich jetzt schon den Besuch der Ausstellung «BodenSchätzeWerte» ab April 2018 im Museum für Urgeschichte(n) in Zug empfehlen. Die Sonderausstellung der ETH informiert erstmals in der Zentralschweiz über die Entstehung, den Abbau und die Nutzung mineralischer Rohstoffe – und unseren Umgang damit.

 

 

Aus dem zentralplus Blog Nachhaltigkeits-Blog

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