Touristen auf der Suche nach dem perfekten Selfie-Spot: In Luzern nichts Neues.
  (Bild: Kenan Kitchen)
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Touristen auf der Suche nach dem perfekten Selfie-Spot: In Luzern nichts Neues.   (Bild: Kenan Kitchen)

Mehr als Kapellbrücke und Uhren – ein Hotspot für nachhaltigen Tourismus

4min Lesezeit

Nachhaltigkeits-Bloggerin Rebekka Sommerhalder hat eine Vision: Luzerner Tourismus 2.0. Was dies umfassen könnte und weshalb ihre Idee ausgerechnet in den Ferrien zwischen krebsroten Bierbäuchen und Silikon-Brüsten entstand, erzählt sie in ihrem Beitrag.

Rebekka Sommerhalder

Ich bin in den Ferien. Touristin muss ich mich hier nennen, was mir im Grunde total widerstrebt. Aber ich bin es eben doch. So wie Tausende andere auch. Und manchmal tue ich sogar so typische Touristen-Sachen. Zum Beispiel einen Nationalpark besuchen und im Gänsemarsch inmitten krebsroter Bierbäuche, kaum verdeckter Silikon-Brüste und mit zwei-Meter-Objekten ausgerüsteter Hobbyfotografen wunderschöne Wasserfälle betrachten. Warum? Weil es schön ist und weil es selten ist.

Ich kann dieses Erlebnis nicht einfach irgendwann und irgendwo konsumieren. Dafür muss ich genau hier sein. Fachmännisch nennt man es «Unique Selling Proposition» oder «Unique Selling Point» (USP) – und den gilt es zu nutzen, will man vom Tourismus profitieren. (Was sie hier übrigens ganz gut machen, Stichwort Eintrittspreise.)

Verstopfte Luzerner Gässchen

Nun ist es ja nicht so, dass wir diesen Tourismus in Luzern nicht auch kennen würden. Immer lauter beklagen sich Einheimische über die unüberschaubaren Gruppen von laut rülpsenden Asiaten, die unsere Gassen verstopfen oder über das Verschwinden lokaler Geschäfte zu Gunsten teurer Uhren- und Schmuckboutiquen. Wir beobachten vieles, was uns nicht gefällt, und schreiben es dem Tourismus zu.

Mir geht es genauso. Aber genauso ungern, wie ich mich Touristin nenne, gelte ich als nörgelnde Pessimistin. Ich bin lieber eine, die Alternativen sucht. Prinzipiell denke ich, dass es die immer gibt. So wahnsinnig schwierig sollte es ja nicht sein – auch im Falle des Luzerner Tourismus nicht. Denn: Ja, es stimmt, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Aber es stimmt auch, dass man mit einem aussergewöhnlichen Angebot interessante Kunden oder in diesem Fall Touristen anlockt. Was, wenn unsere USPs nicht nur die historische Kapellbrücke, die nahen Alpen oder teure Uhren sind? Was, wenn wir ein neues aussergewöhnliches Angebot schaffen?

Tourismus 2.0

Es liegt auf der Hand, an was ich denke. Weil wir hier den Nachhaltigkeit-Blog betreiben, aber auch, weil ich mich in einem anderen Bereich bereits um ein nachhaltiges Angebot kümmere. Nicht nur für Touristen, aber auch. Und wenn wir mehr sind, die aussergewöhnliche Angebote für Kunden oder Touristen mit einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit bieten, kommen dann nicht auch mehr davon? Ja, ich wünsche mir eine Gasse, eine Route oder gar einen Stadtteil, der für diese Leute so spannend ist, dass sie gerne dafür anreisen.

Ich fände das eine echt wundervolle «Unique Selling Proposition». In vielerlei Hinsicht. Weil diese Angebote das Stadtbild mit Sicherheit positiv verändern würden. Luzern wäre wieder individueller und idyllischer. Und weil diese Touristen tendenziell weder Lärm noch Dreck machen, aber gerne Geld ausgeben für gute Qualität, Handgemachtes, lokale Produktion, individuelle Betreuung und aussergewöhnliche Ideen. Luzern würde von einer attraktiven Wertschöpfung profitieren.

Vor einigen Monaten habe ich eine Lobeshymne angestimmt. Luzern wird zum Hotspot für nachhaltige Mode. Ich schreibe nun die zweite Strophe. Die ist vielleicht noch etwas hypothetischer, aber dadurch auch sehr hoffnungsvoll. Luzern könnte auch zum Hotspot für nachhaltige Tourismusangebote werden. Sollte mal jemand mit der Tourismusdirektion, der Stadtverwaltung oder dem Gewerbeverband besprechen. Ich kann gerade nicht – bin Touristin.

Aus dem zentralplus Blog Nachhaltigkeits-Blog

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