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Von Handwerk und Herzensangelegenheiten

3min Lesezeit

Unsere Nachhaltigkeitsbloggerin Rebekka Sommerhalder, Inhaberin des öko-fairen Fashion Concept Stores glore, lässt sich von lokalem Handwerk inspirieren und nimmt sich vor, in Zukunft mehr selbst zu machen.

Rebekka Sommerhalder

Am diesjährigen Fashion Circle auf dem Gütsch habe ich mir die Modeschau von Lu Couture angeschaut. Als krönenden Abschluss haben Lehrlinge ihre eigenen Kreationen präsentiert. Manche vielleicht etwas eingeschüchtert und unsicher, alle aber voller Stolz – so gingen sie über den Laufsteg und zeigten, was ihre Köpfe und Hände geschaffen hatten. Ein berührender Moment.

Wenn ich daran zurückdenke, überlege ich mir, ob junge Schneiderinnen und Schneider einen anderen Bezug zu Kleidung haben. Damit meine ich nicht bloss zu der eigens hergestellten, sondern zu Kleidung im Allgemeinen. Wenn ihre Altersgenossen möglicherweise keinen Gedanken darüber verschwenden, warum sie ein T-Shirt für fünf Franken kaufen können – tun es dann jene, die das Handwerk selbst erlernen? Ich denke mir, dass man für ein Produkt eine ganz andere Wertschätzung entwickelt, wenn man das Handwerk dahinter versteht. Wären wir also eine verantwortungsbewusstere Gesellschaft, wenn wir wieder mehr mit unseren Händen schaffen würden?

Die Frage nach dem Wert

Ich lasse mich nicht aussen vor: Durch meinen Job bin ich bei der Kleidung vielleicht etwas sensibler geworden. Da sehe ich mehr, weiss mehr, schätze mehr. Aber hier hört die Diskussion ja nicht auf. Wie viel ist mir zum Beispiel ein schönes Möbelstück wert? Womöglich haben grosse Einrichtungshäuser meine Wertvorstellungen getrübt. Einen Stuhl für 20 Franken. Ein Ledersofa für 300 Franken. Wie ist das denn eigentlich möglich? Vielleicht bestelle ich meinen nächsten Einrichtungsgegenstand doch lieber beim lokalen Schreiner.

Wäre doch schön, auf einem Stuhl zu sitzen, den der Nachbar aus der Eiche im Dorf gefertigt hat. Aus einem Teller zu essen, der im gleichen Tal von Hand geformt wurde. Einen Ring am Finger zu tragen, den eine junge Künstlerin aus Luzern kreiert hat. Meinem Göttibuben ein Spielzeug zu schenken, das aus recyceltem Karton in einer geschützten Werkstatt hergestellt wurde. Vielleicht gibt es sogar mal wieder etwas Selbstgemachtes unter dem Weihnachtsbaum?

Herzensangelegenheiten

Ja, ich will mich dem Handwerk definitiv wieder annähern. Denn mehr sehen heisst mehr verstehen. Und mehr verstehen heisst mehr wertschätzen. Das hat das Kunsthandwerk verdient. Eine erste Gelegenheit bietet sich mir dieses Wochenende. Am Samstag und Sonntag findet eine interessante Ausstellung in der Werkstatt B. Augustin an der Baselstrasse statt. Das Herz in der Hand nennt sie sich und zeigt lokales Handwerk und Design. Da geh ich hin. Lasse mich informieren, berühren, inspirieren.

Und schon jetzt überlege ich mir, ob ich vielleicht wieder mal ein Schmuckstück selbst kreieren soll. Oder ob ich doch noch anfangen sollte, selbst zu designen und zu nähen. Das einzige gelungene selbst genähte Kleid habe ich jedenfalls voller Stolz an der Hochzeit guter Freunde getragen. Wie eine junge Schneiderin, die über den Laufsteg schwebt. Oder so ähnlich.

Aus dem zentralplus Blog Nachhaltigkeits-Blog

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