Postkarte von der Rigi.  (Bild: zvg)
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Postkarte von der Rigi.  (Bild: zvg)

Als Mark Twain auf den Rigi stieg

4min Lesezeit

Es gibt ungezählte Texte über den Rigi. Schriftsteller von überall her haben ihn bestiegen. Und dann, sie konnten nicht anders, darüber Wörter gesetzt.

Max Huwyler

Der Amerikaner Mark Twain hatte es einfach mit dem Berg, er wusste, dass er «the Rigi» heisst. Hierherum ist es eigenartig kompliziert. Fast alle um den Rigi herum sagen «d'Rigi», die Rigi. Nur Stadtzug sagt «de Rigi», nimmt Rigi als Maskulinum. Wer weiss warum? «Ich goone uf de Rigi.» Im Mundartwörterbuch «Zuger Ortsnamen» von Beat Dittli steht, dass Rigi f. «horizontale Schichtung, Fels- und Grasband» meint. «f.» steht für feminin. Woher die Stadtzuger die maskuline Form haben, ist mir nicht bekannt, vielleicht ist es eine Abkürzung für den «Rigiberg».

Dieser den Alpen etwas vorgestellte Berg hat eine eigenartige Anziehungskraft. Vor allem der Kulm. Es gibt ungezählte Texte über «den» Rigi. Schriftsteller von überall her haben ihn bestiegen. Und dann, sie konnten nicht anders, sie haben darüber Wörter gesetzt.

«Wer d Rigi säid, isch nid vo doo.»

Stadtzuger Selbstverständnis

Twain und sein Begleiter wollten, wie alle Rigitouristen, den Sonnenaufgang sehen. Am ersten Abend auf dem Kulm war aber Sonnenuntergang: «Sobald die Sonne tief genug gesunken war, benützten wir die gnadenvolle Dämmerung, um möglichst ungesehen ins Hotel zu verschwinden und weiterzuschlafen. Unterwegs trafen wir noch den Alphornbläser, der eine besondere Entschädigung verlangte, da er uns zum Sonnenuntergang – den wir sahen – und auch zum Sonnenaufgang, den wir ganz und gar verpassten, geweckt hätte. Aber wir sagten ‹Nein›, da wir unsere Sonnenration nach dem ‹europäischen Plan› bezögen und nur für das bezahlten, was wir wirklich genossen. Immerhin versprach er, wir würden sein Horn am kommenden Morgen zu hören bekommen, sofern wir noch am Leben wären.

Der Älpler hielt Wort

Wir hörten sein Alphorn und standen augenblicklich auf. Es war noch finster und kalt und abscheulich. Während ich nach Streichhölzern suchte, verwünschte ich diesen frühen Sonnenaufgang und dachte, wie viel angenehmer es doch wäre, wenn die Sonne erst um die Mittagsstunde aufgehen würde, zu einer Zeit, da es hübsch und warm ist und man ausgeschlafen hat. Wir kleideten uns bei flackerndem Kerzenlicht an, konnten jedoch kaum etwas zuknöpfen, da unsere Hände so zitterten. Ich dachte an all die glücklichen Menschen in Europa, Asien, Amerika und überall, die nun friedlich in ihren Betten schliefen und nicht aufstehen mussten, um auf dem Rigi den Sonnenaufgang anzuschauen.»

Ein paar Seiten weiter im Bericht zum Sonnenaufgang: «Nach und nach erschien über den höchsten Schneegipfeln ein fast geisterhafter Schimmer – aber es war auch alles, und ich sagte darauf: ‹Mit diesem Sonnenaufgang scheint etwas nicht zu klappen, der scheint nicht zu funktionieren. Was, meinst du, kann damit los sein? – ‹Ich weiss nicht, mir scheint, er lasse auf sich warten: Einen solchen Sonnenaufgang sah ich noch nie. Vielleicht spielt uns das Hotel da einen Streich?›

Wo ist denn der Sonnenaufgang?

‹Unsinn! Das Hotel hat lediglich ein Besitzerinteresse an der Sonne, mit der Leitung selbst jedoch hat es nichts zu tun. Übrigens ist diese Sonne ein sehr zweifelhafter Besitz, und eine Folge von totalen Sonnenfinsternissen würde diese Pinte wahrscheinlich ruinieren. Was kann es nur mit diesem Sonnenaufgang auf sich haben?› Harris sprang auf und rief: ‹Ich habs! Ich weiss, was los ist! Wir beobachten ja die Stelle, an der die Sonne gestern Abend untergegangen ist.›»

Mark Twains Rigikapitel ist eine vergnügliche Lektüre. Climbing the Rigi ist neu als Buch erschienen in Deutsch und in der Originalsprache Englisch. Zwischen den beiden Sprachteilen ist eine Bildfolge eingefügt aus der historischen Postkartensammlung des Hotels Rigi Kulm.

Humor ist the good natured side of the truth / Humor ist die gutmütige Seite der Wahrheit. (Mark Twain)

Die Hoteliersfamilie Käppeli hat eine Herausgabe angeregt. Herausgeberin und sorgfältige Gestalterin ist die «edition bücherlese», Luzern. Erhältlich im Buchhandel und selbstverständlich im Hotel auf Rigi Kulm.

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