Die Konservatorin-Restauratorin Martina Müller bei der Arbeit am Heilig-Grabchristus aus Menzingen (16./17. Jh.) / Bild: Museum Burg Zug
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Die Konservatorin-Restauratorin Martina Müller bei der Arbeit am Heilig-Grabchristus aus Menzingen (16./17. Jh.) / Bild: Museum Burg Zug

Selten gezeigter Schatz der Burg Zug wird konserviert

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Was sich in der Heiliggrabtruhe im Sakralraum des Museums Burg Zug verbirgt, wird nur an besonderen Führungen gezeigt. Dann wird die Truhe vom Museumspersonal vorsichtig mit Handschuhen geöffnet und das Geheimnis gelüftet: eine aus Holz geschnitzte und bemalte Skulptur des Leichnams Christi (Heilig-Grabchristus). Diese Skulptur wird zurzeit konserviert.

Museum Burg Zug

Bei einer professionellen Konservierung oder Restaurierung ist nicht nur der Zustand des Objektes wichtig, sondern auch sein geschichtlicher Hintergrund. Zudem gehören Abklärungen zu verwendeten Materialien, Techniken und früheren Restaurierungen zu einem Konservierungs- oder Restaurierungskonzept. Auch die aktuelle Verwendung, der Standort und international geltende Richtlinien zur Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgut sind abzuwägen und fliessen in die Arbeit mit ein.

Herkunft und geschichtlicher Hintergrund der Heiliggrabtruhe

Die Heiliggrabtruhe im Museum Burg Zug ist eine Dauerleihgabe der Kirchgemeinde Baar und eine von nur noch wenigen vergleichbaren gotischen Truhen, die erhalten sind. Solche Truhen wurden seit dem Mittelalter an Ostern in den Kirchen aufgestellt. Am Karfreitag legte man eine Skulptur des Leichnams Christi in die Truhe. Am Morgen des Ostersonntags wurde die Skulptur wieder daraus entfernt, sodass die leere Truhe das Mysterium der Auferstehung Christi veranschaulichte.

Die geschlossene Heilig-Grabtruhe aus Baar (1430) mit dem Bild des auferstandenen Christus auf dem Deckel / Bild: Museum Burg Zug
Die geschlossene Heilig-Grabtruhe aus Baar (1430) mit dem Bild des auferstandenen Christus auf dem Deckel / Bild: Museum Burg Zug

Die Skulptur, die ursprünglich in die Baarer Heiliggrabtruhe gehörte, ist verschollen. An ihrer Stelle liegt heute der Heiliggrab-Christus der Kirchgemeinde Menzingen. Im 500-Jahrbuch der Pfarrei St. Johannes (1479-1979) wird er mit anfangs 16. Jh. datiert. Leider sind keine weiteren Dokumente bekannt, die Aufschluss über die Herkunft und Restaurierungsgeschichte geben könnten.

Die Truhe ist besser dokumentiert. Sie datiert auf 1430. Die hausförmige Truhe mit Giebeldach wurde in den 1960er Jahren von einem dicken vergilbten Firnis und grossflächigen Übermalungen befreit. Seit der Restaurierung sind auf der Vorderseite als auch auf den beiden Giebelseiten der Truhe wieder vier ruhende Grabwächter sichtbar geworden. Der Deckel ist aussen in der Mitte mit dem auferstandenen Christus bemalt. Er wird von zwei Engeln mit farbigen Flügeln flankiert. Klappt man die vordere Seite des Deckels herunter und öffnet somit die Grabtruhe, entfaltet sich auf der Innenseite des Deckels die Geschichte nach der Auferstehung Christi.

Der Heilig-Grabchristus aus Menzingen (16./17. Jh.) / Bild aus: «500 Jahre Pfarrei Sankt Johannes Menzingen», S. 26
Der Heilig-Grabchristus aus Menzingen (16./17. Jh.) / Bild aus: «500 Jahre Pfarrei Sankt Johannes Menzingen», S. 26

Es sind die drei Frauen dargestellt, die am Ostermorgen mit Salbgefässen zum Grab Christi eilen. Zwei Engel zeigen das leere Grabtuch. Die restlichen Flächen der Innenseite sind braun gemustert, was vielleicht an die Höhlenwände erinnern soll, zwischen denen der Leichnam Christi einst zu Grabe gelegt wurde. Gleichzeitig wird die in der Truhe liegende Skulptur des Heilg-Grabchristus sichtbar. Er ist in ein weisses Lendentuch gewickelt, die Augen sind geschlossen, an Händen und Füssen sieht man die Wundmale, auf dem Kopf trägt er die Dornenkrone.

Die Skulptur des Heilig-Grabchristus wurde dem Museum 2007 in fragilem Zustand übergeben. Auf Fotos von damals ist zu sehen, dass sich bereits grössere Bereiche der Farbe abgelöst und Blasen gebildet hatten. Der Zustand wurde seither beobachtet und nun hat man festgestellt, dass er sich markant verschlechtert hat. Nach Absprache mit der Kirchgemeinde Menzingen konnte im November 2018 mit Konservierungsarbeiten begonnen werden.

 

Zustand der Malschicht auf dem Lendentuch des Heilig-Grabchristus / Bild: Museum Burg Zug
Zustand der Malschicht auf dem Lendentuch des Heilig-Grabchristus / Bild: Museum Burg Zug

Künstlerische Techniken und frühere Restaurierungen

Der Grabchristus ist aus einem Laubholzstamm geschnitzt. Das Kernholz wurde mit einem Stechbeutel von Hand ausgebohrt, um die Gefahr von Holzrissen zu verringern. Die Hände wurden einzeln geschnitzt und angesetzt. Von blossem Auge sind mindestens zwei Farbschichten erkennbar, die untere weicht von der oberen deutlich ab. Die ursprüngliche Farbe wurde zwecks Erneuerung vollständig neu interpretiert und übermalt: also renoviert, nicht restauriert. Die neuere Farbe ist pastos und wasserempfindlich, was charakteristisch ist für Ölfarbe.

Solche Übermalungen stammen häufig aus dem 19. Jahrhundert, sie können aber auch jünger sein. Heute wäre diese Praxis in der Restaurierung nicht mehr zu verantworten. Bereits 1879 wurden auf einem Kongress in Rom von Fachleuten die Forderung gestellt, bei Restaurierungen Original und Ergänzung deutlich zu unterscheiden sowie alle historischen Phasen zu respektieren. Spätestens seit der Carta di Venezia (Internationale Charta über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern und Ensembles, 1964) haben sich diese Anforderungen an Restaurierungen endgültig durchgesetzt.

Konservatorisches Konzept

An der Menzinger Skulptur des Grabchristus wird deshalb nur ein minimaler konservatorischer Eingriff vorgenommen, bei dem lediglich die aufstehenden Farbschollen und Blasen niedergelegt und gesichert werden.

Die Skulptur des Heilig-Grabchristus im Restaurierungsatelier des Museums / Bild: Museum Burg Zug
Die Skulptur des Heilig-Grabchristus im Restaurierungsatelier des Museums / Bild: Museum Burg Zug

Dazu wird mit medizinischen Spritzen ein Leim, der aus der Schwimmblase des Störs hergestellt wird, unter die aufstehenden Farbschollen gespritzt. Durch die Feuchtigkeit wird die deformierte Farbe flexibel und lässt sich auf die Holzoberfläche zurückdrücken. Mit Schraubzwingen und Holzstücken wird ein formbarer Schaumstoff auf die Farbschollen gepresst, bis der Leim trocken ist und die Farbe hält.

Die Heiliggrabtruhe ist in der Dauerausstellung des Museums Burg Zug ausgestellt und kann während den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden. Die Skulptur des Leichnams Christi (Heilig-Grabchristus) ist nur in einer gebuchten Führung durch das Museum zu besichtigen.

Mit Hilfe von Schraubzwingen und Holzstücken wird ein formbarer Schaumstoff auf die Farbschollen gepresst bis der Leim trocken ist. / Bild: Museum Burg Zug
Mit Hilfe von Schraubzwingen und Holzstücken wird ein formbarer Schaumstoff auf die Farbschollen gepresst bis der Leim trocken ist. / Bild: Museum Burg Zug

Aus dem zentralplus Blog «Damals»-Blog

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