Ankunft von Händlern auf der Baarburg Zug. (Illustration: Monika Krucker, Museum für Urgeschichte(n) Zug)
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Ankunft von Händlern auf der Baarburg Zug. (Illustration: Monika Krucker, Museum für Urgeschichte(n) Zug)

Als Händler mediterranen Luxus auf die Baarburg Zug brachten

6min Lesezeit

Lange vor dem modernen Stau am Gotthard überquerten bereits vor mehr als 2500 Jahren Menschen die Alpen. So brachten Händler mediterranen Luxus in den Norden – auch Wein, der damals als Wohlstandsdroge galt. Doch nicht alle, die die Reise über die Alpen auf sich nahmen, hatten friedliche Absichten.

Regelmässig zu Ferienbeginn bildet sich – wie auch jetzt wieder – vor dem Gotthardtunnel eine kilometerlange Autokolonne. Die Sehnsucht nach dem Süden ist so gross, dass selbst solche Strapazen nicht abschrecken.

Lange vor dem modernen Stau am Gotthard überquerten Menschen bereits die Alpen. Ein erster reger Verkehr zwischen Nord und Süd setzte während der Eisenzeit vor über 2500 Jahren ein.

Händler brachten Luxusgüter wie Wein, kunstvoll verziertes Geschirr fürs Trinkgelage und kostbaren Schmuck in den Norden. Die Handelswege der keltischen Zeit decken sich nicht immer mit den heutigen – die Schöllenen war zu jener Zeit noch nicht passierbar.

Wein als Wohlstandsdroge

Wein aus dem Mittelmeerraum war für die Kelten ein untrügliches Zeichen von Reichtum, denn nicht alle konnten sich diesen Luxus leisten. Um 500 v. Chr. waren Weinimporte noch selten und daher eine «Wohlstandsdroge». Aus dieser Zeit finden sich nördlich der Alpen kaum Scherben von Amphoren, den tönernen Transportbehältern für Wein.

Die Menge des importierten Weines stieg aber stetig. Ab 200 v. Chr. war der Weinhandel ein blühendes Geschäft, wie die zahlreichen Wrackfunde in Südfrankreich mit Ladungen von Amphoren zeigen. Die Kelten sollen den Wein unverdünnt getrunken haben, was im Süden als barbarisch galt.

Nicht nur Wein war bei den Kelten sehr beliebt. Auch Pferde, Seide, Glas und sonst allerlei Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum waren gefragt. Im Austausch gelangten Eisen und Zinn, Stoffe aus Leinen oder Wolle, aber auch Honig, Leder und Salz in den Süden.

Römisches Weinfass aus Oberwinterthur bei der Freilegung. (Bild: Beat Dössegger, Kantonsarchäologie Zürich)

Kontrolle über die Handelswege

Um die Waren sicher über die Alpen zu transportieren, mussten die Handelsrouten geschützt werden. Es brauchte befestigte Handelsstationen. Nördlich vom Zugersee war dies die Höhensiedlung auf der Baarburg.

Im 6. und 5. Jh. v. Chr. herrschte hier eine mächtige Oberschicht, welche die Wege durch die Alpen kontrollierte und sicherte. Importe aus dem Süden zeigen, dass sie mit den Hochkulturen am Mittelmeer in Kontakt stand. Die mediterrane Lebensart war Mode. Man wollte seinen Reichtum zur Schau stellen: Wein aus dem Mittelmeergebiet wurde in teurer Keramik aus Athen serviert.

Verkehrsknotenpunkt und Handelsstationen

Eine Reise über die Alpen war damals nur in mehreren Tagesetappen zu bewältigen. Daher wurden in regelmässigen Abständen an verkehrsgünstiger Lage Versorgungsstationen eingerichtet. Die Unterbringung und Verpflegung der Reisenden, aber auch Lotsendienste durchs unwegsame Gelände wurden für die Einheimischen zu einem lohnenswerten Geschäft.

So entstand beispielsweise in Amsteg eine bedeutende Siedlung. Ihre Lage ist zwar unwirtlich. Sie markierte aber als Verkehrsknotenpunkt das Ende einer Route, die von Arbedo durch damals kaum besiedelte Berglandschaften führte. Das Urserental ist von hier aus über die Fellilücke oder den Bäzberg zu erreichen.

Die Verbindung zum Vorderrheintal erfolgt durch das Maderanertal. Von Trun aus führt ein Pfad zum Lukmanier und von dort in die Südschweiz. Archäologische Funde aus Amsteg belegen diese Verbindungen sowohl zum Südalpengebiet als auch zum Alpenrheintal.

Pfirsichsteine aus dem römischen Cham Hagendorn. (Bild: Res Eichenberger, Museum für Urgeschichte(n) Zug)

Raubzüge statt Handel

Nicht alle, die in der Eisenzeit über die Alpen zogen, hatten friedliche Absichten. Im 4. Jahrhundert v. Chr. kam es unter den keltischen Stämmen Mitteleuropas zu Unruhen. Der Bevölkerungszuwachs, aber auch der Wunsch nach klimatisch günstigerem Siedlungsraum im Süden führte vermutlich zu den sogenannten Keltenwanderungen.

Nördlich der Alpen beheimatete Stämme besiedelten unter anderem die Poebene. Plündernd und raubend zogen einige Kelten immer weiter nach Mittelitalien. Kurz nach 400 v. Chr. eroberten und plünderten sie nach einer erfolgreichen Schlacht sogar Rom.

Erst nach über 100 Jahren besiegten die Römer die Kelten endgültig und beendeten die keltische Expansion nach Süden. Später wendete sich das Blatt. Um 50 v. Chr. eroberte Rom das Gebiet der Helvetier und unterwarf im Alpenfeldzug von 15 v. Chr. auch die Stämme in den Alpen. Mit den Römern gelangte die mediterrane Lebensweise für einige Jahrhunderte zu uns. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass Funde von Weinamphoren nun auch in der Zentralschweiz häufiger werden.

Ein Hauch Mittelmeer

Einzug hielten nicht nur köstliche Früchte und Speisen, sondern auch die gehobene Lebensweise. Eine bedeutende Neuerung der römischen Zeit war die Bauweise in Stein. Besonders prunkvolle Bauten – die Herrenhäuser der Gutshöfe – wurden aus Stein errichtet. Vorher unbekannt waren auch Räume mit Bodenheizung (Hypokaust), wie sie vor allem für Badegebäude gebaut wurden. Eine weitere römische Errungenschaft war das Fensterglas.

Die Anwesenheit der Römer brachte viel mediterranen Luxus in den Alltag. Dies nun nicht mehr auf schmalen Saumpfaden, sondern erstmals auf gut ausgebauten römischen Strassen, die auch über mehrere Alpenpässe führten.

Heute sind die Bahnverbindungen und die Autobahnen modern ausgebaut und ermöglichen – meist – schnelle Reisen nach Italien, um das Dolce Vita mit viel Sonne zu geniessen. Nur ab und zu kommt es zu den befürchteten Staus.

Aus dem zentralplus Blog «Damals»-Blog

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