Die Römer bringen die ersten Kirschen nach Zug und legen so den Grundstein für die berühmte Zuger Kirschtorte. Kirschsteine aus dem römischen Gutshof bei Cham-Hagendorn, 220 n. Chr. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)
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Die Römer bringen die ersten Kirschen nach Zug und legen so den Grundstein für die berühmte Zuger Kirschtorte. Kirschsteine aus dem römischen Gutshof bei Cham-Hagendorn, 220 n. Chr. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Zuger Klischees einst und heute

6min Lesezeit

Kirschtorte, Steueroase, internationale Geschäftswelt und der EVZ – das sind Stichworte, die heute oft fallen, wenn Auswärtige über den Kanton Zug reden. Doch wie «typisch Zug» sind diese Klischees wirklich? Und war das schon immer so? Oder gab es vielleicht auch Zeiten, in denen «typisch Zug» etwas ganz anderes bedeutete? Wir begeben uns auf die Suche nach den Ursprüngen der Klischees.

Museum für Urgeschichte(n)

Auch wenn gerade nicht Saison ist, so spielt der EVZ im Zuger Sportjahr eine wichtige Rolle. Während die Zuger heute das Eis beherrschen, so gab es eine Zeit, in der das Eis Zug beherrschte. Vor 25'000 Jahren, während der letzten Eiszeit, wurde der ganze Kanton von Gletschern bedeckt. Erst allmählich erwärmte sich das Klima wieder und  Menschen kamen zurück an den Zugersee. Schlittschuhe kannten die Menschen der Altsteinzeit aber noch nicht. Diese wurden erst vor 3000 Jahren erfunden und bestanden aus Knochen, die man sich mit Riemen um die Schuhe band.

Als die Grundstückspreise noch erschwinglicher waren

Nachdem es wärmer geworden war, liessen sich die ersten Bauern hier nieder, und es etablierte sich ein anderer Zuger Trend: das Wohnen an exklusiver Seelage mit Blick auf die Alpen. Bereits in der Jungsteinzeit (vor ca. 5000 Jahren) begannen die Menschen, an den Seeufern Dörfer zu errichten, die sogenannten Pfahlbauten. Wahrscheinlich waren die Grundstückspreise damals erschwinglicher, dafür musste das Haus auch gleich selber gebaut werden.

Heute wie damals wurde im See gefischt – ob der Zuger Rötel (Seesaibling) allerdings schon in der Jungsteinzeit auf dem Speisezettel stand, ist nicht ganz sicher. Erstmals urkundlich erwähnt wird er erst im Mittelalter, um 1281. Damals galt er sogar als Zahlungsmittel und wurde in Fässern lebendig bis nach Zürich exportiert.

Wohnen mit Seesicht war bereits in der Jungsteinzeit beliebt. Modell eines Pfahlbaudorfs am Zugersee.
Wohnen mit Seesicht war bereits in der Jungsteinzeit beliebt. Modell eines Pfahlbaudorfs am Zugersee. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Seeanlieger hatten damals auch immer wieder mit Hochwasser und nassen Füssen zu kämpfen. Dieses Ärgernis erweist sich aber heute für die Archäologie als Glücksfall: In den feuchten Böden haben sich die Spuren der Pfahlbaudörfer am Zugersee bis heute so gut erhalten, dass drei von ihnen in die Liste des Unesco-Welterbes «Pfahlbauten rund um die Alpen» eingetragen wurden.

Rohstoffhandel gibt's nicht erst seit Glencore

International gehandelt wird in Zug schon lange, Rohstoffhandel gibt es nicht erst seit Glencore & Co. Bereits in der Jungsteinzeit importierten die Menschen Feuerstein aus dem Pariser Becken und aus Norditalien. Und das Kupfer, das sowohl Ötzi, der Mann aus dem Eis, als auch die Metallhandwerker am Zugersee für ihre Beile verwendeten, stammt aus der Toskana. In der Bronzezeit (2200–800 v. Chr.) kam der Handel mit Zinn (Bretagne oder Südengland), Glas (Norditalien) und Bernstein (Baltikum) dazu. Wer sich vertiefter mit urgeschichtlichen und heutigen Rohstoffen auseinandersetzen möchte, kann dies noch bis zum 21. Oktober in der Sonderausstellung BodenSchätzeWerte tun.

Bronze (Kupfer und Zinn), Glas und Bernstein: Rohstoffhandel gibt es in Zug nicht erst sein Glencore. Funde aus der Unesco-Welterbe-Fundstelle Zug-Sumpf, 800 v. Chr.
Bronze (Kupfer und Zinn), Glas und Bernstein: Rohstoffhandel gibt es in Zug nicht erst sein Glencore. Funde aus der Unesco-Welterbe-Fundstelle Zug-Sumpf, 800 v. Chr. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

In der Eisenzeit (800–15 v. Chr.) waren die Zuger nicht nur Abnehmer für Handelsgüter, sie wohnten nun an einer wichtigen Nord-Süd-Handelsroute. Die Elite nördlich der Alpen liebte Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum und lieferte im Austausch Rohstoffe wie Eisen oder Salz und wohl auch Sklaven in den Süden. Zugerinnen profitierten beispielsweise durch das Instandhalten von Wegen oder als ortskundige Führerinnen und Führer vom Handel.

Ein kleiner Teil des mediterranen Luxus blieb unterwegs auch in Zug zurück: zum Beispiel eine mit Koralle verzierte Gewandschliesse. Aber vielleicht lebten bereits erste Expats in Zug: Solche Schmuckstücke waren bei Frauen südlich der Alpen beliebt. Möglicherweise kam eines davon mit seiner Besitzerin in den Norden? Untersuchungen an Menschenknochen haben gezeigt, dass die Menschen in der Eisenzeit sehr mobil waren und nicht immer am gleichen Ort starben, an dem sie geboren wurden.

Historische Steuerpolitik ist schleierhaft

Die ersten schriftlichen Belege für Steuern kennen wir aus der römischen Zeit. Das Römische Reich kannte unzählige Steuern, die zum Teil regelmässig, zum Teil aber auch nach Bedarf, z. B. im Kriegsfall, eingezogen wurden. Über die Steuerpolitik im Gebiet des heutigen Kantons Zug wissen wir wenig. Im römischen Kaiserreich waren vor allem das italienische Kernland und einige bedeutende Städte steuerbefreit. Zug als abgelegener Teil der Provinz Obergermanien gehörte kaum dazu.

Mediterraner Luxus und vielleicht erste Expats: Gewandschliesse mit Korallenverzierung (Original und Replik), die vielleicht von einer Einwanderin aus dem Süden verloren wurde. Fund aus Zug, 600 v. Chr.
Mediterraner Luxus und vielleicht erste Expats: Gewandschliesse mit Korallenverzierung (Original und Replik), die vielleicht von einer Einwanderin aus dem Süden verloren wurde. Fund aus Zug, 600 v. Chr. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Und die Zuger Kirschtorte? Kirschen dazu kamen ebenfalls in römischer Zeit in die Region, die ältesten Nachweise für Zuger Kirschen stammen aus Hagendorn bei Cham (220 n. Chr.). Allerdings brannten die Römer noch keinen Kirsch. Zwar war die Destillation von Alkohol bereits bekannt, dieser wurde aber nur zu medizinischen Zwecken verwendet.

Das alkoholische Getränk der Römerinnen und Römer war der Wein. Wer es sich leisten konnte, importierte ihn in Amphoren und trank ihn mit Wasser und Gewürzen vermischt. Daneben war auch die Cervisia, das Bier, verbreitet. Auch wenn die Brauerei fürs Baarer Bier erst 1862 eröffnet wurde: Bier im Kanton Zug trank man vermutlich schon seit der Bronzezeit (800 v. Chr.).

Aus dem zentralplus Blog «Damals»-Blog

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