Sichelklingen aus Bronze von Unterägeri-Chuewart. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)
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Sichelklingen aus Bronze von Unterägeri-Chuewart. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Als der Handel mit «harten» Rohstoffen in Zug begann

7min Lesezeit

Für niedrige Firmensteuern sowie internationalen Rohstoffhandel ist der Kanton Zug bekannt. Den Aufschwung im Handel erlebte die Region aber nicht erst ab 1956, als die Philipp Brothers ihren Sitz nach Zug verlegten. Bodenschätze und Rohstoffe waren schon weit früher gefragt, wenn damals auch eher Silex und Kupfer gehandelt wurden.

Lange Zeit war der Kanton Zug ein klassischer Landwirtschaftskanton. Im 19. Jahrhundert hielt die Industrie allmählich Einzug. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts änderte sich jedoch einiges: 1921 erliess der Kanton Zug eine liberale Steuergesetzgebung und baute diese 1930 weiter aus. Wegen der günstigen Steuersituation kamen neue Firmen nach Zug. Der Zustrom versiegte jedoch wegen des Zweiten Weltkriegs bald wieder. 1956 zog die damals weltgrösste Handelsfirma für Erze und Metalle, die von den deutschen Brüdern gegründete «Philipp Brothers», nach Zug. Dies war der eigentliche Start für den Handel mit «harten» Rohstoffen im Kanton Zug, denn bisher handelten die Schweizer Handelshäuser hauptsächlich mit Agrargütern.

In der Folge verlegten ab den 1960er-Jahren internationale Konzerne ihre Geschäftssitze und teilweise auch ihre Produktionsstätten vermehrt nach Zug. Für den Handel mit Bodenschätzen und Agrarprodukten wurde das Zugerland zu einem der wichtigsten virtuellen Umschlagplätze der Welt. Mittlerweile sind im Kanton Zug über 30’000 Unternehmen eingetragen, darunter über 330 Rohstoffhandelsfirmen von zum Teil internationaler Bedeutung. Diese Unternehmen koordinieren die Verteilung der Rohstoffe und die weltweiten Geldflüsse zwischen Verkäufern und Käufern.

Mit Steinen und Metallen gehandelt

Doch bereits in der Urgeschichte handelten hier die Menschen mit Steinen und Metallen. Rohstoffe beeinflussten die Entwicklung des Menschen und damit die Gesellschaft – und dies Jahrhunderte und Jahrtausende bevor der flächenmässig kleinste Kanton zu einem wichtigen Standort internationaler Unternehmen wurde. Einige Rohstoffe gaben prähistorischen Epochen sogar ihren Namen: Steinzeit, Kupferzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.

Ohne Online-Shops

In der Steinzeit war Feuerstein (Silex) einer der wichtigsten Rohstoffe. Aus diesem fertigten die Menschen Waffen und Werkzeuge. Silex kommt in Form von Silexknollen vor. Diese lassen sich durch Schläge mittels eines harten Werkzeuges in messerscharfe Klingen zerteilen.

«Schon in der Jungsteinzeit wusste man im Kanton Zug Qualität zu schätzen.»

Am Zugersee gibt es keinen Silex. Das Material gelangte in der Jungsteinzeit über mehrere Stationen an den Zugersee. Einen Grossteil der Silexgeräte stellten die jungsteinzeitlichen Zuger aus Rohmaterial aus dem Jura, dem Jurahornstein, her. Dieser stammte aus Steinbrüchen der Lägern bei Otelfingen und der Region Olten.

Ins Zugerland gelangte aber auch Silex von deutlich besserer Qualität – und dies ohne Zalando & Co.! Richtung Nordosten waren dies ein Steinbruch bei München und Abbaustellen im heutigen Frankreich. Südlich der Alpen lagen die Silexvorkommen von Zuger Funden in Ober- und Mittelitalien. In einem Fall stammte das Silexrohmaterial sogar aus 700 Kilometern Entfernung, nämlich aus den Niederlanden. Ja, schon in der Jungsteinzeit wusste man im Kanton Zug Qualität zu schätzen.

Silexdolche aus Jurahornstein aus verschiedenen Fundstellen des Kantons Zug. Herkunft des Rohmaterials: Lägern AG/ZH.
Silexdolche aus Jurahornstein aus verschiedenen Fundstellen des Kantons Zug. Herkunft des Rohmaterials: Lägern AG/ZH. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Fast wie bei Ötzi

Im vierten Jahrtausend v. Chr. tauchte bei uns ein neuer Rohstoff auf: Kupfer. Gegenstände aus Kupfer blieben in der Jungsteinzeit zunächst selten und müssen sehr kostbar gewesen sein, da die Herstellung und Verarbeitung besondere Kenntnisse und ein spezialisiertes Handwerk voraussetzten. Um ein Gerät aus Kupfer herzustellen, musste zuerst Kupfererz abgebaut und anschliessend das Kupfer aus dem Erz gewonnen werden. Erst jetzt konnte das Metall weiterverarbeitet werden.

Erste kupferne Beilklingen gelangten kurz nach 3’800 v. Chr. an den Zugersee. Tiegelfunde – zum Schmelzen des Kupfers – und Kupfertropfen belegen, dass hier die Siedler auch selbst Kupfer verarbeiteten.

Bei einer Kupferbeilklinge aus der Pfahlbaufundstelle Zug-Riedmatt konnte aufgrund der Form und der Zusammensetzung des Kupfers eine Parallele zur jungsteinzeitlichen Beilklinge von Ötzi festgestellt werden. Das Kupfer für die Zuger Beilklinge stammte nicht – wie damals üblich – von den Ostalpen, sondern mit grosser Wahrscheinlichkeit aus der südlichen Toskana.

Kupferbeilklinge von Zug-Riedmatt, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit aus der südlichen Toskana importiert wurde.
Kupferbeilklinge von Zug-Riedmatt, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit aus der südlichen Toskana importiert wurde. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Ein Werkstoff erobert Europa

Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr., der Bronzezeit, gelangten neue Materialien und Rohstoffe in die Zugerseeregion. Wegweisend in dieser Epoche war der Werkstoff Bronze, eine Metalllegierung aus Kupfer und Zinn, deren Abbaustellen weit voneinander lagen. Sehr wahrscheinlich wurde dieses Material gegen andere Waren getauscht und so von Dorf zu Dorf weitergegeben.

Auch Bernstein von der Ostsee und blaues Glas aus Norditalien waren wegen der Farbe für Schmuckperlen beliebt. Diese und weitere Materialien und Rohstoffe fanden sich in der spätbronzezeitlichen Seeufersiedlung Zug-Sumpf. Sie zählt zu den wichtigsten spätbronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen nördlich der Alpen und ist eine der drei Zuger Fundstellen mit UNESCO-Welterbe-Status.

Glas- und Bernsteinperlen von Zug-Sumpf.
Glas- und Bernsteinperlen von Zug-Sumpf. (Bild: Museum für Urgeschichte(n) Zug, Res Eichenberger)

Hart wie Eisen

Während in der Bronzezeit der Werkstoff Bronze den Alltag und somit die Gesellschaft stark beeinflusste, war dies während der Eisenzeit das Eisen. Waffen und Werkzeuge aus Eisen haben gegenüber solchen aus Bronze den Vorteil, dass sie viel härter sind.

Die Nutzung des neuen Rohstoffes führte zu neuen Handelskontakten – vor allem Richtung Süden. Auch in unserer Region wurden während der Eisenzeit Geräte, Waffen und Schmuckstücke aus Eisen verwendet. So kamen in Baar nebst einem Eisenschwert auch filigrane Fibeln (Gewandschliessen) aus Eisen zum Vorschein. Dies ist nur mit einem spezialisierten Handwerk möglich.

«BodenSchätzeWerte»

Möchten Sie mehr erfahren, welche Rohstoffe und Materialien in der Urgeschichte wie und wofür verwendet wurden? Besuchen Sie das Museum für Urgeschichte(n) in Zug.

Noch bis zum 21. Oktober 2018 ist dort die Sonderausstellung «BodenSchätzeWerte – Unser Umgang mit Rohstoffen» zu sehen. Die Wanderausstellung informiert über die Entstehung, den Abbau und die Nutzung von mineralischen Rohstoffen und unseren Umgang damit.

Aus dem zentralplus Blog «Damals»-Blog

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