Unser «Vorspeisenplättli»: Tapas à la Rössli. (Bild: hch)
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Unser «Vorspeisenplättli»: Tapas à la Rössli. (Bild: hch)

Rössli Schwarzenberg – das Apfelmus unseres Lebens

5min Lesezeit

Mit Superlativen soll man zurückhaltend sein. Doch dass uns die Restaurantsuche an diesem Abend nach Schwarzenberg führte, muss ein Wink des Zaunpfahls gewesen sein – oder besser des Apfelbaums. Denn hier im Rössli entdeckten wir das Apfelmus unseres Lebens. Und nicht nur das.

Wäre da nicht der gut gefüllte Parkplatz gewesen, hätten wir das Rössli Schwarzenberg an diesem Abend wohl glatt verpasst. Und wären damit um eine Entdeckung ärmer geblieben.

In seinem Reich ob Malters setzt der junge Chef seit etwas mehr als zwei Jahren ganz auf regionale Produkte, die er mit saisonalen Gerichten kombiniert. Wer beim eher ungewöhnlichen Slogan «1291 – Eidgenuss pur» aber nur an Rösti und Bratwurst denkt, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Neben den obligaten Landküche-Klassikern finden wir auf der Karte vorwiegend lokale Gerichte mit einer überraschenden Raffinesse.

Tapas mit regionaler Note

Zum Einstieg bedienen wir uns aus der Tapas-Karte, die die Sommerkarte ergänzt. Auch hier halten wir uns das Motto regional und kreativ und lassen uns ein Plättchen mit Fleischbällchen vom Schwarzenberger Lamm an Terisakisauce, Champignons, Kalbstatar an Zitronenmarinade sowie Käsekroketten mit Tomatenwürfel zusammenstellen. Serviert werden die Häppchen nicht wie üblich in Schälchen, sondern auf einer dunklen Brotscheibe, wie man das aus einzelnen Regionen Spaniens kennt. Während die Kroketten von der Brotkombination nur bedingt gewinnen, ist die Kombination mit den Fleischtapas natürlich ideal.

Die gastronomische Version des Rütlischwurs: Als «Eidgenuss pur» präsentiert sich die Küchencrew mit Chef Rafael Wicki (rechts) auf der eigenen Webseite.
Die gastronomische Version des Rütlischwurs: Als «Eidgenuss pur» präsentiert sich die Küchencrew mit Chef Rafael Wicki (rechts) auf der eigenen Webseite. (Bild: zvg)

Gerne hätten wir noch weitere der insgesamt 12 Sorten probiert, aber es soll ja noch etwas Platz bleiben. Zum Hauptgang bedienen wir uns einerseits aus der interessanten Vegi-Ecke – Falafel mit Joghurtsauce und Gurken-Tomaten-Salat an Sesamöl. Wenn der Sommer draussen schon streiken will, so findet er zumindest auf dem Teller statt. Der Falafel ist nicht nur schmackhaft gewürzt und wunderbar in der Konsistenz, sondern dank einem Fetakern auch alles andere als trocken.

Älplermagronen mit aussergewöhnlicher Beilage

Mir jedoch steht der Sinn schon den ganzen Abend nach Älplermagronen. Vor allem wenn sie wie im Rössli mit frischer Zwiebelschweize und nicht wie von so vielen Fertigprodukte-Fetischisten mit Dörrzwiebeln zubereitet werden. Die Offenbarung aber folgt als Beilage. Ein Apfelmus, bei dem die meisten Grossmütter einpacken können. Aus frischen Äpfeln zubereitet, und mit etwas Weisswein, Zimt und Zucker abgeschmeckt, wie uns der Chef Rafael Wicki später verrät – die grosse Kunst steckt halt doch in den einfachen Dingen des Lebens. 

«Verhungern muss niemand bei uns»

Wir sind froh, haben wir bei beiden Gerichten die halbe Portion bestellt – nach einer Vorspeise reicht diese vollauf. Denn, wie die kompetente Bedienung auf die ungläubige Frage, ob versehentlich die ganze Portion serviert worden sei, so schön sagte: «Verhungern muss niemand bei uns.» Das 1’000 Gramm schwere «Chrösch Cordon bleu» (für eine Person) wäre uns dann aber doch etwas zu viel gewesen.

Preis/Leistung
Umfangreiche, aber nicht überladene und regelmässig wechselnde Karten mit nationalen und internationalen Spezialitäten, frisch, kreativ und sehr regional. Dies zu Preisen, für die andernorts in der Regel Convenience serviert wird. Luzerner, nationale und internationale Weine, darunter viele offene und Halbliter-Flaschen für die Auto fahrenden Gäste. Es wird ein Zapfengeld angeboten (21 Franken).
***** von *****

Diese Rechnung bezahlten wir gerne.
Diese Rechnung bezahlten wir gerne.
Service
Bedienung ist freundlich, aufmerksam und kompetent, Sonderwünsche werden gerne erfüllt, die Karaffe Hahnenwasser ist kostenlos. Aussergewöhnlich das Angebot, uns aufgrund der Schwärmerei ein wenig Apfelmus mitzugeben. Dies verdient den 5. Stern.
***** von *****

Ambiente
Das Restaurant ist in einem schmucklosen Mehrfamilienhaus untergebracht. Ein schöner Wintergarten, der an diesem Abend belegt ist. Innenraum eher nüchtern und mit nicht sehr modernem Mobiliar. Hier besteht Potenzial.
*** von *****

Online-Faktor
Die Webseite ist eher nüchtern gehalten und verfügt über alle relevanten Elemente (Bilder, Speise- und Weinkarte, Online-Reservation, Impressionen). Nur die Öffnungszeiten sind auf der Webseite etwas gar gut versteckt.
*** von *****

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Freitag, Samstag 08.00 bis 00.30 Uhr, Sonntag 08.00 bis 22.00 Uhr

Restaurant Rössli
Dorfstrasse 13
6103 Schwarzenberg
041 497 00 22
info@roessli-schwarzenberg.ch

Wir waren auch schon beim Nachbarn, dem Weissen Kreuz zu Gast.

Aus dem zentralplus Blog eat’n drink

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