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Wie viel Spielzeug braucht mein Kind wirklich?

7min Lesezeit

Ein Kinderzimmer ist nicht unbedingt ein Ort des Minimalismus, muss es auch gar nicht sein. Doch wie viel Spielzeug ist wirklich zu viel? Und wie kann man dem Einhalt gebieten?

Nina Hübscher

Wenn ich meinen Blick im Zimmer unseres Sohnes hin und her schweifen lasse, bin ich jedes Mal wieder überrascht über die unglaubliche Menge an Spielzeug, die sich bisher angesammelt hat. Es ist eine ganze Flut von Legos, Stofftieren, Autos, Baggern etc. die sich ja so tummeln. Oft fühle ich mich von den ganzen Dingen regelrecht erschlagen.

Doch nicht nur ich, auch unser Sohn scheint ab und zu von der ganzen Masse erdrückt zu werden. So sass er einige Tage nach dem letzten Weihnachtsfest inmitten seines Zimmers und all seinen neuen Spielsachen und blickte ganz apathisch vor sich hin. Ich fragte ihn dann, was los sei und ob er nicht mit seinen neuen Sachen spielen wolle. Ganz hilfesuchend blickte er sich zu mir um und sagte nur: «Ich weiss gar nicht, was ich spielen soll. Es ist zu viel.»

Überfordert con der Menge

Er war, so schien es, ganz überfordert zu sein von der Menge an Neuem. Also macht er einfach gar nichts. Es erschreckte mich.

Bis dahin war mir das «Problem» nicht so extrem bewusst gewesen. Ich sah zwar die vielen Spielsachen, doch stellten sie für mich kein Problem dar, bei dem Handlungsbedarf herrscht. Das hat sich seit diesem Tag schlagartig geändert. Seither halte ich meine Augen und Ohren besser offen und dabei habe ich einige Beobachtungen gemacht.

  • Unser Sohn mag den Kick des Neuen, des Haben-wollens. Doch um die eigentliche Verwendung des Spielzeugs geht es ihm nicht. Es geht in erster Linie um den Besitz.
  • Mehr Spielzeug zu besitzen scheint in den Augen unseres Sohnes einfach besser zu sein. Es herrscht eine Art Wettbewerb unter den Kids, wer die grössere Menge an Spielzeug hat. Was es ist und ob es bespielt wird, scheint zweitrangig zu sein.
  • Die Wertschätzung der Dinge hat dadurch, in meinen Augen, abgenommen.

Wahrscheinlich war es bei mir als Kind auch nicht anders. Denn ja, ich hatte auch unglaublich viele Spielsachen. Trotzdem stimmt es für mich (und meinen Mann), so wie es jetzt bei unserem Sohn ist, nicht. Wir finden es ist Zeit, etwas daran zu ändern.

Weniger Spielzeug, weniger Materielles, weniger Angepasstes oder Vorbereitetes. Mehr Authentizität, mehr Zeit, mehr Kreativität. Denn Kinder brauchen nicht so viel Material wie wir denken, sie brauchen Menschen, Zeit und Aufmerksamkeit.

Ein paar Ideen für neue Wege

Natürlich werde ich nun nicht in das Zimmer unseres Sohnes marschieren und ihm alle seine Spielsachen wegnehmen. Das wäre absolut unfair. Schliesslich haben auch wir als Eltern dem Treiben (zu) lange zugesehen und sogar mitgemacht. Trotzdem möchte ich probieren neue Wege zu gehen und von dem Zuviel an Spielsachen langsam wegzukommen.

  • Regelmässig zusammen ausmisten

Unter all den vielen Dingen gibt es auch immer wieder Spielsachen, mit denen unser Sohn nicht mehr spielt, denen er schlichtweg entwachsen ist oder die kaputt sind. Anfangs war es oft etwas harzig Dinge wegzugeben, doch mittlerweile bereitet es unserem Sohn Freude, wenn er sieht, wie sich ein anderes Kind über das von ihm ausrangierte Spielzeug freut. Und bei kaputten Dingen, die sich nicht mehr reparieren lassen, ist der Fall sowieso klar. Da führen wir eine Null-Toleranz-Politik.

  • Nichts zwischendurch

Ein Mangel an Feiertagen, zu denen man Geschenke erhält, herrscht in der Schweiz definitiv nicht. Deshalb kann man sich getrost an diese halten. Wir versuchen uns (ja manchmal muss ich mich da trotzdem noch selber an der Nase nehmen) wirklich auf diese zu beschränken und unserem Sohn keine Spielsachen zwischendurch zu kaufen. Das ist schon mal ein grosser Meilenstein. Denn gerade der Kleinkram zwischendurch, sind oft die Sachen, die dann einfach sinnlos herumliegen und mit denen (fast) gar nicht gespielt wird. Wir führen seit diesem Jahr eine Liste mit Spielsachen, die dann zu den Feiertagen (wie Ostern, Weihnachten, Geburtstag etc.) auch wirklich gewünscht werden und mit denen dann (voraussichtlich) auch wirklich gespielt wird.

  • Zeit statt Zeug

Beim Schenken appelliere ich gerne an die Schenkenden, dass sie unserem Sohn lieber ihre Zeit schenken sollen. Ein Besuch im Museum, ein Kinonachmittag oder einen Nachmittag in der Ludothek machen Spass und es bleiben schöne Erinnerungen, an die man immer wieder gerne denkt. Ganz nach dem Motto «Zeit statt Zeug».

  • Geschenkeflut eindämmen

Etwas das ich gerne umsetzen würde, bisher aber leider noch nie geklappt hat, ist eine Geschenkelimite. Ich finde es eine schöne Idee, wenn sich das Kind für drei Geschenke entscheiden kann und sich die Gäste dann jeweils mit einem Zustupf daran beteiligen. Leider wurde das bisher von den Schenkenden immer abgelehnt. Schade. Ich bin ein grosser Fan der Idee.

  • Mit gutem Beispiel voran

Ja, auch ich (und mein Mann natürlich auch) haben ein Zuviel an Dingen. Wobei es sich bei uns eher um Kleidung, Bücher, DVD’s etc. handelt. Und auch ich fühle mich ab und an von all diesen Dingen erschlagen. Und so miste auch ich regelmässig mein Hab und Gut aus. Dies tue ich auch ganz bewusst vor unserem Sohn, damit er sieht, dass es nicht schlimm ist, Dinge wegzugeben, sondern dass es wichtiger ist, dass man sich mit seinen liebsten Dingen umgibt.

Mir geht es nicht darum Spielzeug zu verteufeln oder unserem Sohn seine Sachen wegzunehmen, nein definitiv nicht. Was ich mir wünsche ist, dass unser Sohn sich bewusst wird, welche Spielsachen ihm wirklich wichtig sind, womit er gerne spielt und er seine Spielzeuge wieder schätzt. Momentan sind Dinge einfach Dinge, die man haben muss, ohne dass sie wirklich bespielt werden.

Es geht nur um das Haben, nicht um die eigentliche Verwendung. Dieser Entwicklung möchten mein Mann und ich nun in kleinen Schritten entgegenwirken. Ganz nach dem Motto «weniger ist mehr», umgib dich nur mit deinen Lieblingssachen. Es ist noch ein langer Weg, doch eines Tages werden wir nur noch unsere Lieblingssachen um uns haben, sie schätzen und auch wirklich benutzen.

Aus dem zentralplus Blog Eltern-Blog

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