Neulich war ich mit meinen Kleinen im Schwimmbad.
  (Bild: pixabay)
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Neulich war ich mit meinen Kleinen im Schwimmbad.   (Bild: pixabay)

Rutschige Angelegenheit im Hallenbad

6min Lesezeit

Mit kleinen Kindern ins Hallenbad – das braucht Energie für zehn. Es fehlen mindestes drei Arme und man hat entweder schampar kalt oder schon wieder zu warm, nasse Socken inklusive.

«Geduld beginnt dann, wenn du denkst, du hast keine mehr.» An diesen Satz muss ich denken, wenn die Fröleins in der Winterzeit auf dem Gang stehen und sich für draussen anziehen sollten. Mantramässig sage ich: «Ja, auch eine Mütze», «nein, keine Sandalen», «du hast doch zwei gleiche Handschuhe». Dann zieh ich ihnen mühsam den Skidress hoch, schliesse alle Lücken schneesicher, um dann ein paar Minuten später zu hören, dass sie nun doch noch auf das WC müssen und nein, vor fünf Minuten, als ich sie genau danach gefragt habe, sei dieses Bisi noch nicht spürbar gewesen. Wir machen uns auf den Weg ins Hallenbad.

Ich geb’s zu, Hallenbäder sind mir ein Graus. Ich war noch nie der grosse Fan, dies hat bestimmt auch damit zu tun, dass ich keine Profischwimmerin bin. Auch mag ich keine Massenduschen mit Haar im Abfluss und feuchtwarmem, pilzförderndem Milieu. Mit den Kindern ist die Hürde noch etwas grösser, denn ein Hallenbadbesuch mit ihnen ist eine Tortur. Dennoch ist es mir wichtig, dass sie sich gerne und sicher im Wasser bewegen und so kommt es, dass ich mich ab und zu mit ihnen dorthin bewege.

Vorbereitung ist das halbe Leben

Die Packerei fürs Hallenbad ist vom Umfang her in etwa so wie für ein verlängertes Weekend. Nebst grossen Badetüchern, Bademänteln, Badezeug, Schwimmflügeli, früher noch Badewindel, frischer Wäsche, darf eins nicht fehlen: Unmengen von Snacks und vollgefüllte Wasserflaschen. Ist man erst mal aus dem Wasser raus, essen mir die Kinder fast die Haare vom Kopf (und das ist ihnen ziemlich egal, dass ich noch füdliblutt bin).

Beim letzten Hallenbadbesuch stand ich bereits vor dem Wasser hüllenlos da. Ich habe tatsächlich geschafft, an alles zu denken, ausser einem winzig kleinen Detail (okay, so winzig ist der in meinem Fall auch nicht): meinen Badeanzug. Während ich mal all unsere Nerven zu beruhigen versuchte, gingen wir zurück an die Rezeption (was in meinem Fall wieder hiess, anziehen). Die hatten tatsächlich ein ganzes Körbchen voll von Badeanzügen zum Ausleihen. In meiner Grösse kam der Grosi-Badeanzug oder das Super-Sportteil mit Schwimmerrücken in Frage. Ich entschied mich fürs Grosi (wie sich im Wasser herausstellte, hatte das Grosi mehr Oberweite als ich).

Bis wir zu dritt alle ausgezogen sind, unsere Utensilien im viel-zu-engen Spind verschlossen (warum sind die immer viel zu schmal und nach oben hats noch Luft?), alle noch auf’s WC waren, ist gut und gerne schon eine halbe Stunde von den zwei bezahlten durch. Dann kommen die Diskussionen, warum man duschen muss und nein, nicht nur zwei Zehen. Auf dem Weg ins Wasser liegt meist schon ein Frölein der Länge nach auf dem Rücken. Die Böden sind immer so dermassen rutschig.

Rein ins Nass

Endlich im Wasser. An der Anzeige steht, dies sei 27 Grad. Ich glaub denen kein Wort. Die Fröleins sind im Glück. Ich habe schampar viel zu tun und zu schauen und bin jedes Mal froh, wenn sie wieder auftauchen. Oder kommt es mir als Mutter einfach länger vor?

In der seichten «Kleinkind-Glungge» sitzt ein Typ, den ich von früher vom Ausgang her kenne. Unsere beiden Körper haben mit Mitte 20 doch etwas knackiger ausgesehen. Seine Badehose trägt er wohl seit damals. Inzwischen sieht sie vom vielen Chlor und Waschen recht mitgenommen aus. Und sie scheint für ihn und uns aller Eltern mit kleinen Kindern im Hallenbad zu sprechen. Mit grossen Buchstaben steht da seitlich dem Oberschenkel entlang «HILFE». Damals mit Mitte 20 war es wohl «HILFIGER».

Auch wenn beide schon schrumpelige Finger haben, die Lippen leicht bläulich und die Zähne klappern beim Sprechen: An ein Rausgehen ist nicht zu denken. Irgendwann setze ich mich durch und wir begeben uns in die Duschräume. Da fängt das grosse Zähneklappern erst richtig an, die Badekleider kleben an ihren Körpern und das Haarewaschen ohne Brause zum Runternehmen dauert ewig.

Eigentlich reicht die Zeit für mich nur ganz kurz. Man darf sich einfach auf keinen Fall vorstellen, was da in dem Chlorwasser noch so war… okay, nochmal kurz einschäumen. Mir klebt ein gebrauchtes Pflaster an der Fusssohle, büschelweise langes Haar klebt an der Duschwand und ein verlorenes Flügeli von «Frozen» liegt einsam in der Gegend rum.

Zwei nasse Mäuse in der Garderobe

In der Garderobe hocken zwei zähneklappernde, nasse Mäuse auf ihrem Tüchli und haben vor allem: Hunger und kalt. Die überdimensionierte Badetasche lässt sich nur mit Mühe wieder aus dem Spind zerren und das grosse Scharren geht los. Es hilft, wenn man den Kids schon mal einen Riegel in die Hand drückt. Sie können mampfen und vor sich hin tropfen. Du frottierst ihre langen Haare, cremst ihre trockene Haut ein und zerrst an den Strumpfis, die noch auf der Haut kleben.

Strumpfhosen sind ja per se schon der Graus, aber im Hallenbad können die einem echt den letzten Nerv stehlen. Zwischendurch öffnest du wieder das Böxli und rückst Äpfel, Bananen, Nüsse raus. Dass du als Mum noch immer im nassen Tüchli eingewickelt bist und frierst, zählt grad nicht. Zwischendurch schlüpfst du rasch in deine Kleider, tritts mit den Socken in die Wasserglunge und föhnst Haare, bis der Schweiss an dir klebt und du wieder fällig wärst für 'ne Dusche. Schnell noch den Grosi-Badeanzug zurückgeben und nachzahlen, da du es nicht innert den zwei Stunden geschafft hast.

Diese herrliche Ruhe danach

Du schleppst deine müden Kinder und das ganze Bagage in den überfüllten Zug und bespasst sie, damit sie nicht einschlafen. Endlich zu Hause. Diese herrliche Ruhe, diese träge Müdigkeit, wunderbar. Wäre da nicht das Nachtessen, das noch gekocht werden müsste und das nasse Badezeug, das noch in der Tasche modert… egal, nur einen Moment neben die Fröleins aufs Sofa liegen… und eine Stunde später wieder erwachen.

Aus dem zentralplus Blog Eltern-Blog

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