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WM-Fieber mit der Familie erleben – ein Wechselbad der Gefühle

2min Lesezeit

Was die Erziehung meiner beiden Jungs angeht, bin ich eigentlich immer sehr konsequent. Weil ich weiss, dass es später einmal viel einfacher geht, hoffe ich zumindest. Aber eben … eigentlich. Wären da nicht die vielen kleinen Herausforderungen, die es tagtäglich zu meistern gibt – zum Beispiel die Fussball-WM in Russland. Ach, wie spaltet mich dieser Event in meiner Gefühlswelt.

Carmen Zettel

Normalerweise bleibt der TV unter der Woche für den 5- und 7-Jährigen aus. Einzige Ausnahme ist das Gutenachtgschichtli. Zudem gilt, gegessen wird am Tisch und Fluchworte haben sowieso nichts in unseren vier Wänden zu suchen. Und was passiert während der fussballreichen Zeit?

Genau das Gegenteil: Der Fernseher läuft ununterbrochen (ich gebe es zu, hauptsächlich wegen mir). Läuft dann noch ein spannendes Spiel, wird natürlich vor dem Bildschirm eine feine Wurst gegessen, dazu geschmatzt und mit vollem Mund lautstark kommentiert … und plötzlich fällt es, das Wort, das ich eigentlich nie vor meinen Kindern aussprechen wollte.

«Aber Mami, das hast du doch selber gesagt!»

«Du Vollidiot», prustet es aus mir raus und meine beiden Jungs schauen mich völlig entsetzt an. «Ähm … ich meinte eigentlich voll doof, dass der nicht weitermacht …», versuche ich noch meinen Aussetzer zu retten. Aber keine Chance.

Als hätten sie darauf gewartet, sprudelt es aus ihnen heraus, ein Fluchwort nach dem andern, und als wäre es nicht schon schlimm genug, äfft mich der Kleinere immer noch nach. «Vollidiot, Vollidiot … lalala … Vollidiot.» – «Halt stopp, so nicht», versuche ich sie zu unterbrechen. «Aber Mami, du hast es doch selber gesagt», entgegnet mir der Grössere.

Einfach machen lassen oder weiterhin lautstark auf die Grundsätze beharren?

«Ja, aber jetzt ist auch wieder gut. Schauen wir weiter und esst jetzt eure Wurst, die wird sonst kalt», murmle ich vor mich hin. Ich frage mich: Soll ich jetzt noch etwas dazu sagen und sie belehren? Denn normalerweise werden solche Themen noch weitgehend ausdiskutiert, analysiert und beraten.

In diesem Moment geht die Eingangstüre auf, mein Mann kommt rein und springt mit einem grossen Satz auf das Sofa. Auch das ist bei uns normalerweise verboten! Ich schaue ihn kritisch an und überlege, ihn scharf zurechtzuweisen. Ach was, stattdessen gehe ich lieber zum Kühlschrank und hole mir einfach ein weiteres Bier. Wenn wir schon die Regeln ausser Kraft setzen – dann so richtig. Auf die WM, Prost!

Aus dem zentralplus Blog Eltern-Blog

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