«Wie viele Zähnchen hat dein Kind denn schon?» (Bild: Pixabay)
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«Wie viele Zähnchen hat dein Kind denn schon?» (Bild: Pixabay)

«Wie viele Zähnchen hat dein Kind denn schon?»

5min Lesezeit

Kaum etwas muss in Kinderjahren so hart erarbeitet werden wie die Zähne. Und dann fallen die auch wieder aus, freiwillig oder auch nicht. Eltern-Bloggerin Nadja Stadelmann erzählt im neuen Blog Zahngeschichten aus dem Alltag eines Mamis.

Die Zähne fallen aus. Dies passiert mit starkem Speichelfluss, zündroten Wangen und seltsamerweise auch ebenso rotem Po, mehr oder weniger Geschrei und schlafarmen Nächten. Kein Wunder, gibt's gegen das Zahnen unzählige Hausmittelchen und gut gemeinte Ratschläge von allen Seiten. Weiss man nicht, warum das Baby gerade weint, sind es bestimmt die Zähne.

Ich sehe mich jetzt noch nächtelang Klein-Frölein-Zahnbacke herumtragen (17 Schritte hin, 17 Schritte her, so lang ist der Gang zwischen unseren Zimmern), hinlegen (und zwar so vorsichtig, als wäre sie eine unentschärfte Bombe) und wieder hochnehmen. Ein als Wahrheit verinnerlichter Satz meinerseits ist: «Es ist nur eine Phase.» Damit rettet man sich von einer durchwachten Nacht zur anderen, von einem Zahn zum nächsten. Es können ja glücklicherweise nicht mehr als zwanzig in einem solch winzigen Mund ihren Platz finden.

Auf dem Spielplatz die etlichen Fragen anderer Eltern, hauptsächlich Mütter (okay, nur Mütter): «Wie viele Zähnchen hat dein Kind denn schon?» Und ich sag's euch, immer hatten ihre Kinder mehr, viel mehr. Vielleicht wird darüber genauso oft geschummelt wie über das Durchschlafen (welches bei so manchen Familien – oh Wunder – von Anfang an klappt).

Unfreiwillige Zahnlücken

Jeder einzelne Zahn ein Kampf und dann kriegen sie noch so ein unschönes Wort dafür: Milchgebiss. Sind die Zähne mal da, wollen sie ordentlich gepflegt werden. Mit einer erbsengrossen Portion Paste und einer immensen Geduld. Wäre ja schade um die ganze Arbeit, würden sie verfaulen und wieder rausfallen, bevor sie sollten. Ein Herausfallen vor Termin nennt sich dann Zahnunfall. Auch da kann ich als Mutter mithalten. Dies ist dann weniger zum Angeben auf dem Spielplatz, aber nicht zu verheimlichen, denn bei jedem Lachen vom Frölein werde ich daran erinnert.

Das kleine Frölein knallte sich mit 1 ½ Jahren ein Stück Schneidezahn raus. Natürlich nicht zu Hause, natürlich nicht zu Öffnungszeiten der Zahnärzte und mit genauso viel Blut wie in den Filmen, die ich mich noch getraut habe zu schauen, bevor ich Mutter wurde. Nach einem kurzen Besuch im Kinderspital folgte dann der Erstbesuch bei einer Kinderzahnärztin. Alles muss wegen möglicher Spätfolgen dokumentiert werden. Ihre Zahnlücke bleibt, bis die anderen Zähne auch rausfallen. Wenn's nach mir geht, passiert das dann am besten freiwillig und nach Plan.

Stolze Zahnlücken, und wer ist eigentlich diese Zahnfee?

Das grosse Frölein stellt im Kindergarten fest, dass einem dort die Zähne herausfallen. Wie, wusste sie nicht so recht, aber immer mal sass jemand mehr im Kreis mit einer grossen Zahnlücke. Also drängte sie mich, mit ihr ein Zahnböxli zu kaufen. Die rausgefallenen Zähne wollen schliesslich hübsch aufbewahrt werden. Dieses Böxli lag dann ein halbes Jahr auf ihrem Nachttischchen und wartete auf seinen Einsatz. Der erste Wackelzahn war ganz schön aufregend.

Inzwischen habe ich mir ein Depot mit kleinen Zahnfeegeschenken angelegt. Ich will ja nicht jedes Mal in der Nacht zum Selecta-Automaten radeln.

Nach einer Weile stellte das Frölein ein komisches Gefühl im Mund fest und wünschte sich, dass ich ab sofort nur noch Weichgekochtes auftische. Sie war im Dilemma zwischen behalten und loslassen. Nach vielen Wochen, in denen wir uns mehrheitlich von Omelettes, Suppen, Frappees, gekochten Rüeblis ernährten, fiel ihr endlich der Wackelzahn raus. Endlich hätte sie etwas zum Füllen des Böxlis. Hätte. Vor Schreck hat sie den Zahn runtergeschluckt!

Die Zahnfee kam trotzdem. Auch so eine Erfindung von uns Eltern, in der man sich leicht in Notlügen und Definitionen verstrickt. Bringt sie Süsses oder auch eine Zahnbürste? Einen Brief? Geld? Nimmt sie den Zahn mit oder lässt sie ihn beim stolzen Zahnlückenkind? Wir mussten uns als Paar echt eine Strategie überlegen, die wir dann bei den nächsten 19 Zähnen durchziehen können, und dies pro Kind. Inzwischen habe ich mir ein Depot mit kleinen Zahnfeegeschenken angelegt. Ich will ja nicht jedes Mal in der Nacht zum Selecta-Automaten radeln.

Endlich angeben auf dem Spielplatz

Beim nächsten Spielplatzbesuch fragte die Mutter eines Sandkastenfreundes das Frölein, ob ihr auch schon ein Zahn rausgefallen sei. «Ja! Aber ich habe ihn runtergeschluckt!», war dem sichtlich stolzen Frölein zu entnehmen. Ich war ebenso stolz. Endlich haben wir auch was zum Angeben. Die Mutter jedoch fragt mich vollen Ernstes, ob wir ihn denn wiedergefunden hätten. «Äh, nein, natürlich nicht!» «Hast du denn den Stink nicht untersucht? Das hätte ich auf jeden Fall gemacht für meinen Sohn!» Ich war baff. Dies wäre mir in keinster Sekunde auch nur in den Sinn gekommen. Niemals. So ertappe ich mich auf dem Heimweg in Gedanken, ob dies eine gute Mutter wohl gemacht hätte … zu Hause angekommen, hatte ich die Antwort: Nein.

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