«Und? Was gibst du deinem morgen so mit für die Pause?»
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«Und? Was gibst du deinem morgen so mit für die Pause?»

Alle sind ferienreif, Mami überreif

4min Lesezeit

Die Sommerferien rücken näher und nicht mal Mami hat mehr Lust auf Schule. Eltern-Bloggerin Simone erzählt eine Geschichte über die letzten Tage vor den Ferien, die ja bekanntlich die längsten und härtesten überhaupt sind.

Simone Reinhard

Letzten Sonntag im Auto: «Du, Mama. Ich hab so viele Mückenstiche. Ich weiss wirklich nicht, ob ich morgen in die Schule kann. So kann ich mich glaub echt nicht konzentrieren.» Oh ja, die Zeit ich definitiv reif für die Sommerferien! Nicht nur, weil die Ausreden unseres Sohnes, nicht in die Schule zu müssen, immer schlechter werden, sondern auch weil die Mutter absolut keine Lust mehr auf Schule hat. Echt jetzt!

Ich brauche schon fast einen Motivator, der mich motiviert, mein Kind zu motivieren, seine total spannenden Mathi-Hausaufgaben zu machen.

Ich weiss, viele jetzt so: OMG! Sechs Wochen die Kinder zu Hause? Horror! Aber bei mir ist das umgekehrt. Ich find Schule so mega anstrengend. Ich brauche schon fast einen Motivator, der mich motiviert, mein Kind zu motivieren, seine total spannenden Mathi-Hausaufgaben zu machen. Ich verstehe den Sinn darin ja selbst nicht, wieso Kinder in die Schule gehen und dort vorwiegend Mathi machen (so kommt es mir jedenfalls vor) und dann nach Hause kommen, um dort wieder ein ganzes Blatt trockener Rechenaufgaben machen zu müssen. Ich meine, Mathi! Oh Mann, ich hasse es noch immer.

Im Gegensatz zu unserem Sohn kann ich es mit Zahlen gar nicht. Wenn er seine Aufgaben rausnimmt und ich sehe da diese vielen Biigali Nummern, dann muss ich immer spontan das Würgen unterdrücken, bevor ich ihn anfange zu unterstützen, dass das jetzt ganz verreckt ist, was er da machen darf, und ich ihn fast beneide drum. Sehr glaubwürdig dürfte das nicht rüberkommen. Dabei würde ich so gerne coole Hausaufgaben mit ihm machen: Experimente, Zeichnen, ein Lied komponieren (oder auch einfach gar keine). Am allerliebsten würde ich mit ihm in den Wald gehen oder sonst etwas Schönes unternehmen. Ein Traum. Mein Traum.   

Auch der Turnsack will nicht mehr

Man spürt die allgemeine Unlust und Ferienreife allgegenwärtig. Sohn ist immer öfters schlecht gelaunt und meine Konzentration ist auch nicht mehr, was sie mal war. Während sonst das Turnzeugs den Weg in die Schule stets pünktlich fand, bleibt der (faule) Sack nun auch öfters zu Hause und macht blau. Keiner will mehr und keiner mag mehr. Ebenso der Wecker. Ich bin eine mega zuverlässige Aufsteherin, aber so kurz vor den Ferien macht mein Wecker immer schlapp!? Er klingelt einfach nicht. Ja, das klingt ziemlich dämlich, aber ich kann es mir echt nicht erklären, wieso wir immer nur kurz vor den Ferien verschlafen.

Et voilà! Ein Fünfgänger zum Znüni

Auch die Znünis werden immer fantasieloser. Naja, das stimmt so nicht ganz. Das waren sie bei mir schon immer. Ich hab vor Kurzem auf einem Foto die Znünibox eines anderen Kindes gesehen. Die hatte siebentrillionen Fächli, während unsere genau eines hat und noch nicht mal zugeht. In diesen Fächli hatte es Würstli, Dörraprikosen, Gnocchi – nein das ist nicht erfunden –, Salzstängeli, Darvidas, Rüebli in Blüemli- und Härzliform, Nüssli und einen Mini-Gemüse-Muffin. Selbst gemacht, war klar.

Seit diesem Bild witzeln meine Freundin und ich immer übers Znüni rum: Und? Was gibst du deinem morgen so mit für die Pause? Ich dachte da so an: Schnitzel Pommes, als kleinen Appetizer davor ein Lachs-Canapé, geschnitten in der Form der Skyline von New York und dazu ein feines, saisonales, gemischtes Salötli an einer Honig-Senf-Vinaigrette. Bei der Nachspeise bin ich noch ein wenig unschlüssig, ob eine Crème brûlée oder doch lieber eine magenschliessende Käseplatte?

Solche Dinge zelebrieren wir, darin sind wie echt gut (wesentlich besser als im Znünimachen alleweil). Mein Sohn ist sowieso immer beschäftigt mit Räuber-und-Poli-Spielen in der Pause und hat gar keine Zeit, ein Fünf-Gang-Menü zu essen. Und Gemüse-Muffins findet er eh grusig. Daher behalte ich das Znüni wohl so bei. Ein neues Böxli gibt’s dann fürs neue Schuljahr, da das alte sowieso erst kurz vor Schulbeginn Ende August aus dem Rucksack geholt wird und dann nur noch mit einem Flammenwerfer behandelbar sein wird.

Wir bekamen übrigens dann alle noch die Sommergrippe. Ausser unser Sohn. Der bekommt sie dann in den Ferien.

Aus dem zentralplus Blog Eltern-Blog

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