Studis an der Universität: Nehmen sie sich und ihre Probleme zu ernst? (Bild: bic)
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Studis an der Universität: Nehmen sie sich und ihre Probleme zu ernst? (Bild: bic)

Das Jammern der Luzerner Studis

3min Lesezeit

Das Klischee von jammernden Studis ist weitverbreitet. Wie es sich anfühlt, von der verurteilten Studentin zur Verurteilenden zu werden. Und vom Versuch, die eigene Lebenslage nicht zu ernst zu nehmen.

Daniela Tschanz

Weihnachtszeit. Zeit der Liebe, der Besinnung und des Kümmerns um Andere. So zumindest sieht es die Tradition vor. Die Realität: Gehetzte und rempelnde Menschenmassen im Bahnhof, Kämpfe in den Einkaufsläden – und jammernde Studierende in den Zugabteilen oder am Nachbartisch im Café. Auch ich war vermutlich einst so eine Studentin. Viele Unibesucher haben ihre Prüfungen und Abgabetermine ausgerechnet vor Weihnachten. Lernen, Arbeiten fertigstellen, gegebenenfalls noch für Überstunden im Nebenjob eingeteilt werden, das WG-Leben managen und daneben Geschenke besorgen und in weihnächtlicher Stimmung bleiben – zugegeben, kein leichtes Unterfangen.

Von jammernden Studenten…

Allerdings fällt mir seit einiger Zeit ein Phänomen auf, das ich als Studentin immer als ein ungerechtfertigtes Vorurteil uns Studis gegenüber verunglimpft habe. Nämlich dass Studierende sich (zu) oft über ihre Situation beklagten. Dass dieses Beklagen ein Erste-Welt-Problem ist, darüber soll hier gar nicht diskutiert werden. Auch ist Stress immer subjektiv und kann nicht von einer Person auf die andere übertragen werden. Was bei der Einen bereits Schweissausbrüche und Schlaflosigkeit verursacht, kann die Andere noch unbekümmert träumen lassen.

Und trotzdem: Wenn ich allabendlich von meinem Praktikum heimpendle und neben mir ein Grüppchen von Studenten darüber lamentieren höre, wie anstrengend ihr Leben wegen des Studiums ist, dass sie nun, wo der Blick aus dem Zugfenster nur das eigene Antlitz widerspiegelt, endlich heimkönnen, dass sie das vorgekochte Essen der Mutter vom gegebenen Abend nicht mögen und, sowieso, vor einem Monat die letzten Ferien hatten, stellen sich mir die Nackenhaare zu Berge. Welcome to the real world!

… und verurteilenden Arbeitstieren

Wohlgemerkt: Lange nicht alle Studenten fallen in die Kategorie, auf die das hartnäckige Klischee vom jammernden Studenten zutrifft. Oft ist solches Jammern, das in meinen Augen nun immer gerechtfertigter von Seiten der arbeitenden Klasse verurteilt wird, eine Frage der Selbstständigkeit. Als ich zu Unizeiten von meinen arbeitenden Kolleginnen und Kollegen des studentischen Jammerns bezichtigt wurde, machte mich das immer fuchsteufelswild. Der Balanceakt, in dem sich viele Unibesucher tagtäglich befinden, ist Vollzeitarbeitern oft gar nicht bewusst. Und nicht alle Studis werden von den Eltern finanziell gestützt, geschweige denn allabendlich bekocht.

Locker bleiben!

Mit dem Einstieg in das «richtige» Arbeitsleben verschiebt sich aber auch meine Wahrnehmung. Dass solche Zuggespräche für Neun-Stunden-Arbeitende, deren letzte Ferien ein Jahr zurückliegen und die sich um ihre finanzielle Zukunftssicherung sorgen müssen, eher etwas – Entschuldigung – lächerlich wirken, ist nachvollziehbar. Was wohl auch daran liegt, dass für ein jeder und ein jede immer gerade die eigene Situation am relevantesten scheint.

Tendieren wir nicht alle dazu, die eigene Lage als am anstrengendsten zu empfinden, anstatt darüber nachzudenken, wie viel schlechter es gehen könnte? Mein Tipp: Sich selbst nicht zu ernst nehmen und immer locker bleiben. In diesem Sinne – eine entspannte Weihnachtszeit.

Aus dem zentralplus Blog Campus-Blog

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