Vom Studium ab in die Arbeitswelt: Nicht immer bereitet einen das Gelernte auf den Berufseinstieg vor. (Bild: flickr.com/Marco Verch)
 
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Vom Studium ab in die Arbeitswelt: Nicht immer bereitet einen das Gelernte auf den Berufseinstieg vor. (Bild: flickr.com/Marco Verch )  

Aufbruch in neue Gefilde: Von der Studentin zur Praktikantin

3min Lesezeit

Wenn der Uni-Abschluss näher rückt, absolvieren viele Studierende erstmal ein Praktikum. Dass das Studium dabei nur bedingt auf den Berufseinstieg vorbereitet, zeigt sich unserer Bloggerin täglich – ein Bericht über berufliche Überforderung, herzliche Vorgesetzte und schauspielerische Bemühungen. 

Daniela Tschanz

Vor gut einem Monat habe ich den Sprung in die Berufswelt absolviert. Die Masterarbeit war gerade erst eingereicht, da ging es schon los mit dem ersten «richtigen» Praktikum meines Lebens. Nicht, dass ich zuvor meine Füsse hochgelagert hätte.

Was mit Schulhausputzen in der Oberstufe begann, führte mich während des Gymnasiums und der Uni in eine Logistikfirma, in einen Redaktionsbetrieb, in einen Badi-Kiosk, an die Kasse eines grossen Warenhauses, in ein Kino, in ein Archiv und schliesslich in eine Bibliothek. Besonders an meinen letzten Arbeitsplatz denke ich mit einem wohligen Gefühl in der Brust zurück. Eine Anstellung, die bestenfalls genau meinen im Studium erworbenen Fähigkeiten, Kenntnissen und Interessen entspricht, war bisher jedoch Neuland. 

Von einem herzlichen Start…

Von den schauerlichen Geschichten, die so manche Praktikumsabgängerinnen und -Abgänger zu berichten haben, bin ich bisher glücklicherweise verschont geblieben. Am ersten Tag meines Kommunikations- und Marketingpraktikums gab es zur Begrüssung eine hübsche Pflanze und eine Willkommens-Karte. Kaffee servieren oder dafür sorgen, dass der Kühlschrank in der Pause die hungrigen Mägen der Arbeitskollegen zu stillen weiss, gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich. Und um mit dem Vorurteil zu brechen, dass Schweizer nicht gerne über ihren Lohn sprechen: Auch die Bezahlung ist für einen Praktikumslohn ganz adäquat.

Kleine Abstriche, die einem als Praktikantin abstempeln, muss ich trotzdem machen: Da ist beispielsweise mein Arbeitsplatz im Gang. Das kann spannend sein, denn Klatsch und Tratsch entgehen mir an diesem garantiert nicht. Auch ein kurzer Schwatz mit den Vorbeischlendernden bringt Abwechslung in den Arbeitsalltag. Für die Konzentration ist die Positionierung meines Schreibtisches allerdings eher schwierig. Auch empfiehlt es sich, bei kälteren Aussentemperaturen gleich in Mantel und Schal gehüllt zu bleiben.

…und heilloser Überforderung

Grundsätzlich fühle ich mich nach dem ersten Monat in meinem Praktikums-Betrieb aber sehr gut aufgenommen und involviert. Die Involvierung geht mir gar etwas zu zügig voran. Aufgrund der hohen Auslastung meiner Chefin war der Sprung ins kalte Wasser unumgänglich. Seither lautet meine Devise: «Learning by doing» oder: «Hilf dir selbst!» Mit einem latenten Gefühl der Überforderung erledige ich die mir aufgetragenen Aufgaben und versuche dabei, souverän zu bleiben. Im Hintergrund läuft die Google-Suchmaschine auf Hochtouren. Selten war ich so dankbar um Tutorials zur Funktionsweise von Word (erstaunlich, was man damit noch alles kann, ausser Arbeiten zu schreiben!) oder um Step-by-Step Anleitungen für das Erstellen von Webseiten-Beiträgen.

Dabei wird mir vor Augen geführt, dass das Studium noch so lehrreich gewesen sein konnte – auf die tatsächliche Umsetzung des Gelernten in der Arbeitswelt vermag die Uni zumindest in meinem Fall nur bedingt vorzubereiten. Trotz teilweise aufsteigender Panik bin ich froh, dass mich mein Praktikum tendenziell über-, statt unterfordert. So bietet sich die Gelegenheit, Neues zu lernen und fachlich weiterzukommen. Ausserdem ist ein Monat keine lange Zeit. So bin ich guten Mutes, dass sich die Souveränität bald real einstellt, und ich diese nicht mehr mühevoll vorgaukeln muss.

(Bildnachweis: Flickr/Marco Verch, Lizenzbedingungen: Creative Commons 2.0)

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