Wäre ein Uni-Jahr eine Fussballsaison, könnte dies die momentane Gemütslage ziemlich gut illustrieren. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Wäre ein Uni-Jahr eine Fussballsaison, könnte dies die momentane Gemütslage ziemlich gut illustrieren. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wenn das Studium wie Fussball wäre

4min Lesezeit

Jetzt geht's ans Eingemachte – das Semesterende naht. Zeit für ein Gedankenspiel: Wie wäre das Uni-Jahr bisher gelaufen, wenn Studis «Tschütteler» wären? Ein erschreckend bildhafter Vergleich mit einem Augenzwinkern, der auch Fussballmuffeln ein Lächeln abringen wird.

Der Startschuss zur heissen Phase des Semesters ist schon länger gefallen. Vorträge, Essays, Prüfungsvorbereitung – die To-do-Liste ist gerade lang. Diese Tatsache geflissentlich ignorierend, sass ich letztens mit einem Kommilitonen an der Sonne. Die neuen Bänke vor der Uni wollten schliesslich eingeweiht werden.

Schnell mal kamen wir auf Fussball zu sprechen. Da geht es auf Klubebene ebenfalls gerade auf die heisse Phase zu und die WM steht auch noch an. «Stell dir vor, wie es wäre, wenn Studierende Fussballer oder Fussballerinnen wären», meinte mein Kollege. Wir grinsten – und das Kopfkino machte rasch klar, wie es wäre: wohl ziemlich daneben. Und witzig.

Nur nichts übernehmen

Zumindest zum Saisonstart wäre aber alles noch in Ordnung. Oder? Jein. Erfahrungsgemäss dauert es ein paar Wochen, bis die studentische Hochform nach der langen Pause erreicht ist. Ausserdem hätten die beiden Wochen, in denen in die Kurse geschnuppert werden kann, sporttechnisch wohl lustige Auswirkungen. «Diese Saison lieber keine Champions-League», wäre ein technischer Kommentar zum Seminar, der gefühlt das Zehnfache an Literatur und Semesterleistungen fordert. Also lieber Europa-League und Kräfte einteilen. Schliesslich sollen ja alle Wettbewerbe – pardon, alle Kurse – ins Trockene gebracht werden!

Winter-Bankdrücker

Folgen würde dann doch eine relativ engagierte Phase. Also regelmässige Teilnahme an den Vorlesungen, die Taktik-Anweisungen des Trainers genauso verinnerlicht wie die Notizen des letzten Seminars. Gebremst wird das Zwischenhoch aber spätestens, wenn es Dezember wird. Advent, Training, Spiele (beziehungsweise Kurse) – zu viel des Guten. Das erste Mal seit Beginn wird geschwächelt.

Dank der guten Vorbereitung reicht's vielleicht doch zum Wintermeister-Titel, die erfolgreiche Beendigung des Herbstsemesters. Der Erfolg wird aber sehr wahrscheinlich von der Bank aus gefeiert. Weil sich die Prioritäten vielleicht doch ein, zwei Mal Richtung Glühwein verschoben haben. Immerhin: Auf der Bank ist massig Zeit zum Texte-Schreiben.

Zwischen Personalsorgen und der Qual der Wahl

Februar: Anpfiff zum neuen Semester. Mit ihm steigert sich – bei einigen Ballkünstlerinnen und Ballkünstlern abhängig vom Zeitpunkt der Fasnacht – die Leistung wieder exponentiell. Doch plötzlich stehen im Frühling die ganzen schweren Spiele (in Gestalt von Vorträgen, Essays und Arbeiten) an, die man bisher irgendwie vor sich hergeschoben hat. Der Schlussspurt kostet mächtig Energie – dabei stehen die Finalspiele noch an!

Das hat Konsequenzen: Die letzten Begegnungen werden geopfert. Die Spielfelder sind kurzzeitig verwaist, wie einige Vorlesungs- und Seminarräume gegen Ende Semester. Versuchen die armen Trainer für diese Spiele noch eine B-Mannschaft zusammenzuzimmern, platzt das Kader beim allerletzten Antreten dafür wieder aus allen Nähten. Wegen gutem letztem Eindruck und so. Danach ist aber nicht Ende, sondern es geht direkt nochmals ins Trainingscamp; die Prüfungsphase wartet.

Finale, oh Graus?

Zeit für das Grande Finale. Souverän haben sich filigrane Ballkünstler und dribbelnde Athletinnen Tag für Tag die besten Trainingsplätze in der Bibliothek erkämpft. Mit grosser Hingabe wurde hoffentlich das Trainingsdefizit (der Stoff eines ganzen Semesters) in Rekordzeit aufgeholt. Mit Gebrüll geht's in die Endspiel-Prüfungs-Schlacht. Zittern, Kämpfen und wenn es gut geht – am Ende Erleichterung und Jubel.

Geht es in die Hose, hat es im schlimmsten Fall um knappe ein, zwei Punkte nicht gereicht. Dann machen wir Studis mindestens innerlich den Buffon im diesjährigen Viertelfinal-Spiel gegen Real Madrid. Und würden uns am liebsten vor Wut schnaubend vor den Dozierenden aufbauen. So eine Wahnsinns-Aufholjagd, und dann so etwas! «Sie, gaht's eigentli no?» Die rote Karte zu riskieren wäre dann aber doch zu viel des Guten. Also mit hängendem Kopf abschleichen – aber keine Bange. Nach dem Semester ist schliesslich vor dem Semester.

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