Ohne schlechtes Gewissen können Studierende der Uni Luzern dieses Jahr die Fasnacht geniessen – oder sich vor ihr verstecken. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Ohne schlechtes Gewissen können Studierende der Uni Luzern dieses Jahr die Fasnacht geniessen – oder sich vor ihr verstecken. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

(K)ein rüüdiger Semesterstart

4min Lesezeit

Anders als in den vergangenen Jahren fallen Fasnachtsbeginn und Semesterstart nicht unmittelbar zusammen. Das hat viele Vorteile, findet unsere Bloggerin: Feierfreudige können sich so vor dem Start noch erholen, Fasnachtsmuffel könnten sich ohne schlechtes Gewissen zu Hause verbarrikadieren. Theoretisch. Und an der Uni könnte es Präsenzrekorde geben.

Nadia Zwahlen

So sicher, wie der Winter auf den Herbst folgt, so steht uns jetzt auch die fünfte Jahreszeit bevor. Eine Zeit voller schillernder Kostüme, buntem Konfetti, ohrenbetäubender Musik, Flutwellen von Alkohol, Überstunden beim städtischen Reinigungsdienst und der Vertreibung böser Geister – oder so. Und mir graut es davor. Mit schöner Regelmässigkeit fallen die Luzerner Fasnacht und der Semesterstart der Uni zusammen. In den vergangenen fünf Jahren zweimal genau auf den Güdismontag, einmal waren sogar bereits zwei Unterrichtswochen vergangen, bevor der Urknall ertönte.

Ein Blick auf die Fasnacht …

Dieses Jahr findet die Fasnacht allerdings wieder vor der offiziellen Rückkehr in die heiligen Hallen statt. Eine Freude für alle Fasnachtsliebhaber, die sich für einmal nicht zwischen Festigkeiten und Vorlesung entscheiden müssen. Erst in der Woche nach Aschermittwoch beginnt das Semester – bis dahin sollten selbst die hartgesottensten Fasnächtler wieder ausgenüchtert sein. Und alle, die während dieser Zeit aus der Stadt geflüchtet sind, werden sich langsam wieder zurücktrauen.

… als Quasi-Aussenstehende

Ich mag im Kanton Luzern aufgewachsen sein, aber das Phänomen der Fasnacht konnte ich noch nie wirklich nachvollziehen. Schon als Kind war ich viel eher fasziniert von Konfetti und fliegenden Orangen als von Guuggemuusig und Co. und Verkleiden spielte ich sowieso das ganze Jahr. Auch heute würde ich einen riesengrossen Bogen um das Getümmel in der Stadt machen, würde ich im Nebenjob nicht in einem Warenhaus mit Fasnachtsabteilung arbeiten. (Mein Masochismus sei gepriesen!)

Kurz und sehr, sehr höflich ausgedrückt: Ich bin vom fasnächtlichen Treiben nicht sonderlich angetan, weshalb ich mich für eine leicht voreingenommene Darstellung entschuldigen möchte. Dass die Fasnacht aber so früh stattfindet, hat hauptsächlich Vorteile, und das nicht nur für fasnachtsmufflige Studis, sondern auch für die Uni.

Eigentlich sollten alle zufrieden sein

Vorteil Nr. 1: Höhere Anwesenheit, gar ein Präsenzrekord winkt. Klar, in den ersten Wochen des Semesters ist der gemeine Studierende noch total motiviert, aber wessen Herz im Takt der Pauken schlägt, wird es sich wohl überlegen, ob er oder sie nicht doch ein, zwei Tage fehlen könnte. Studentinnen sowie Dozenten können dieses Jahr ohne schlechtes Gewissen an der Fasnacht teilhaben und dann voller Elan in den Unterricht starten. Und auch Fasnachtshasser müssen sich dieses Jahr nicht angewidert durch verkleidete Massen kämpfen, um an die Uni zu kommen. Sie dürfen sich getrost in eine Decke gewickelt in den eigenen vier Wänden verbarrikadieren.

Vorteil Nr. 2: Keine akustische Ablenkung durch laute (nennen wir es mal) Musik. Daraus ergibt sich volle Konzentration auf Vorlesungen, Seminare oder natürlich Feriengespräche mit Kommilitonen und Kommilitoninnen.

Vorteil Nr. 3: Geringere Verschmutzung des Unigebäudes. Ich mag mich irren, aber mehr Studenten ergibt mehr Paar Schuhe, ergibt mehr lästige Konfetti, die durch die Gänge geschleppt und liegen gelassen werden. In der Woche vor Semesterbeginn ist die Anzahl Personen an der Uni doch noch etwas kleiner.

Vorteil Nr. 4: Wer wie ich einen fasnachtsbezogenen Nebenjob hat, kann an diesen Tagen ein bisschen mehr arbeiten. Woraus sich auch der einzige mir ersichtliche Nachteil ergibt: Startet das Semester erst in einer Woche, habe ich auch keine gute Ausrede, an den Fasnachtstagen nicht zu arbeiten. Ju-hu!

Schadenfreude ahoi

Zum Schluss möchte ich all jenen mein tiefstes Beileid aussprechen, die zurzeit in der Altstadt wohnhaft sind und sich nicht mit zwei Wochen Ferien in Sicherheit bringen konnten. Mein Mitgefühl wird nur noch überschattet von meiner Schadenfreude. Ich will ja schliesslich nicht alleine leiden.

All jenen, die die Fasnacht aus irgendeinem mir nicht verständlichen Grund geniessen, wünsche ich derweil viel Vergnügen – und danach allen einen gelungenen Semesterstart.

Aus dem zentralplus Blog Campus-Blog

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