Die National Kaohsiung Normal University. (Bild: Malte Vogt)
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Die National Kaohsiung Normal University. (Bild: Malte Vogt)

4min Lesezeit

Vor einer Weile traf ich zufällig einen Bekannten, dessen akademische Laufbahn nach Italien geführt hat. Wir plauderten eine Weile über die Karrieremöglichkeiten an der Universität, über Forschungsprojekte und Schwierigkeiten qualitativer Analysen. Dass ich theoretisch ein Seminar bei ihm hätte besuchen können, spielte dabei keine Rolle. Die Universität Luzern ist eben eine sehr persönliche Uni – mit allen Vor- und Nachteilen.

Malte Vogt

Es war ein anstrengender Sommer bis jetzt. Ich habe viel gearbeitet, viel für die Uni getan, nur für diesen Text reichte die Zeit nicht. Ich habe mir immer eingeredet, dass ich dann im Urlaub von der anderen Seite der Welt schreiben könnte, da würde ich besonders kreative sein, in subtropischer Hitze und beim Rauschen der Klimaanlage. Jetzt sitze ich hier in Taiwan, es ist tatsächlich sehr warm und der Ventilator dreht seine Runden, aber produktiver bin ich nicht. Auf der anderen Strassenseite die «National Normal University».

Auch hier sind Semesterferien und nur wenige Studierende schlendern durch das grosse Tor ein und aus. Im Vergleich hierzu ist die Universität Luzern ein Nebengebäude. Ich mache mir ein paar Notizen in mein Reisebuch: «riesig & anonym». Zugegebenermassen zwei Wörter, die nicht sonderlich einfallsreich sind, aber zwei Eigenschaften, die auf unsere Universität sicher nicht zutreffen.

Man bleibt in Erinnerung

Nein, die Universität Luzern ist weder riesig noch anonym. Sie wirbt sogar damit, eine sehr persönliche Uni zu sein. Als ich mich vor vielen Jahren für das Bachelorstudium anmelden wollte, tat ich das ebenfalls von dieser Seite der Erde. Ich schrieb eine Postkarte und in meiner Vorstellung liegt diese seither irgendwo im Archiv der Universität Luzern. Dass ich bis heute von den Damen und Herren am Sekretariat besonders freundlich gegrüsst werde, erkläre ich mir ebenfalls durch diese Karte. An der Universität Luzern bleibt man eben in Erinnerung!

Die Frau in der Mensa weiss, wie ich meinen Kaffee trinke, Dozierende wissen, welche Prüfungen ich mehrmals schreiben musste, oder wann ich gute Leistungen erbracht habe. Gelegentlich ergibt sich sogar die Gelegenheit, die Dozierenden beim Kaffee oder «Semester-Ende-Bier» besser kennen zu lernen. Manchmal ist man sich sympathisch, manchmal eher weniger.

Des Guten zu viel

So viel Nähe kann anstrengend sein. Ich empfinde es äusserst unangenehm, Prüfungen bei Dozierenden zu schreiben, die wissen, dass ich diese nicht zum ersten Mal schreibe. Genauso unwohl ist mir, wenn ich Pflichtveranstaltungen bei Dozierenden besuchen muss, die ich auf einer menschlichen Ebene als unsympathisch empfinde. Kurz: Zum Verhältnis Dozierende-Studierende kommt allzu oft ein zwischenmenschliches hinzu. Wo also liegt genau der Vorteil, einer persönlichen Uni?

Unikarriere und die Zeit nach dem Studium

Was genau das Schöne an einer persönlichen Uni ist, habe ich erst gegen Ende meiner Uni Zeit gelernt. Dank unzähliger Pausengespräche, Tassen Kaffee in der Mensa und Mate-Tee am Seeufer kenne ich meine Dozierenden so gut, dass ich eine gute Vorstellung davon habe, was mich etwa nach dem Studium erwarten wird. Wie leicht oder schwierig es ist einen Job zu finden, welche beruflichen Wege machbar sind und welche Sorgen man hat, wenn man an der Universität bleiben möchte. Dieser tiefe Einblick in das universitäre Leben wäre an einer weniger persönlichen Uni wohl kaum möglich gewesen. Dabei ist genau das für die Zukunft ebenso unerlässlich, wie die akademische Ausbildung an sich.

Vor der «National Normal University» wehen ein paar Palmen und einige Studierende mit dicken Taschen voller Büchern und Pappbechern in der Hand verschwinden hinter dem Tor. Dank meiner Zeit an der Universität Luzern weiss ich, eine Uni-Karriere und anschliessend eine Dozierenden-Stelle an dieser subtropischen Uni wäre für mich wunderschön.

Aus dem zentralplus Blog Campus-Blog

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