Auf das eigene System vertrauen. Ob beim Wäscheaufhängen oder beim Schreiben von Seminarbeiten. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Auf das eigene System vertrauen. Ob beim Wäscheaufhängen oder beim Schreiben von Seminarbeiten. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

5min Lesezeit

So unterschiedlich, wie wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch unsere Arbeitsweisen. Den einen reicht bereits die Aussicht auf ein Bier, um sich voll und ganz in die Arbeit zu stürzen. Andere wiederum benötigen regelmässige Zwischenstopps.

Um frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen, benötige ich in der Regel keine Wäscheklammern. Trotzdem hängen am Ende des Tages alle Kleidungsstücke fein säuberlich an der Wäscheleine. Sie sind weder zerknittert, noch drohen sie, von der Leine zu fallen. Und trocknen? Ja, das tun sie auch!

Dennoch war es in den Jahren, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, stets so, dass meine Mutter die Gewohnheit hatte, alle Wäschestücke noch einmal neu aufzuhängen. Ihrer Meinung nach können Oberteile, die gefaltet über der Wäscheleine liegen, nicht trocknen. Hier sei der Einsatz von «Klämmerli» unbedingt erforderlich. Zudem pflegt sie Hosen zu Hosen und Frotteewäsche zu Frotteewäsche zu hängen.

Was hat das alles mit der Uni zu tun, werdet Ihr Euch jetzt bestimmt denken. Ich sage Euch: Viel mehr, als Ihr Euch jemals vorstellen könnt!

«Was, im Ernst, so gehst Du bei Seminararbeiten vor?»

Neulich sass ich mit meinen Bloggerkollegen bei einer unserer Redaktionssitzungen zusammen in der Volière und wir präsentierten uns gegenseitig unsere neusten Werke. Für all jene, die jetzt nach geschlechtergerechter Sprache schreien: Ausser mir waren bei der erwähnten Sitzung tatsächlich nur meine männlichen Bloggerkollegen zugegen.

Das kann bei uns Campus-Bloggern schon einmal vorkommen. Schliesslich befinden wir uns gerade am Semesterende. Aber zurück zum eigentlichen Thema …

Wir lasen nun also alle einmal die neuesten Schreibtaten der anderen quer. Blogger Peter Limacher hatte sich dem Thema Schreibblockade gewidmet. Auch mir ist dieses Phänomen durchaus nicht fremd. Daher las ich den Blog mit besonderer Aufmerksamkeit.

Am Ende der Lektüre war ich beinahe entsetzt. «Was, im Ernst, so gehst du bei Seminararbeiten vor?», fragte ich Peter frei heraus. Möglicherweise hatte er seinen Vier-Punkte-Plan ja auch einfach so für den Blogbeitrag erfunden …

«Ob ich meine Seminararbeit mit dem Fazit oder einem Bier beginne, Hauptsache, es funktioniert!»

Verschiedene Wege führen zur Seminararbeit

Dem war aber nicht so. Er könne tatsächlich am produktivsten arbeiten, wenn er Zitate erst einmal auf der Seite lasse, bestätigte er mir. Das konnte ich so gar nicht nachvollziehen. Wie bitte soll man eine Schreibblockade lösen, wenn man auf das Essenzielle eines Textes, nämlich auf die Zitate, verzichtet?

Ich für meinen Teil würde auf diesem Weg wohl in einem ewigen Strudel von Schreibblockaden untergehen. Zum besseren Verständnis hier nun also mein Vier-Punkte-Plan beim Schreiben von Seminararbeiten:

  1. Ich schreibe alle für meine Argumentation relevanten Zitate in ein Word-Dokument. Danach erstelle ich ein vorläufiges Literaturverzeichnis. (Meine Arbeit umfasst so schon zirka 5 Seiten, was mir ein gutes und motivierendes Gefühl verleiht.)
  2. Unter die Zitate notiere ich mir nun stichwortartig meine Argumentationen.
  3. Nun habe ich schon eine ganze Menge erreicht und gönne mir eine Folge meiner Lieblingsserie (alternativ auch einen Shopping-Nachmittag in der Luzerner Altstadt).
  4. Setze ich mich dann erneut an die Arbeit, beginnt der eigentliche Kraftakt: Denn jetzt soll aus den ganzen Zitaten und Stichworten ja noch ein gehaltvoller Text werden. Hierzu setze ich einfach bei dem Zitat / Punkt an, der mich gerade anlacht. (Und ja, das kann tatsächlich auch das Fazit sein.)

«Lasst Euch bitte nie einreden, dass Euer System das falsche sei!»

Auf die Belohnung zurückgreifen

Halte ich mich an diese Regeln, komme ich meist ganz gut voran. Wichtig ist bei der ganzen Sache nur, regelmässig wieder auf Punkt 3 zurückzugreifen. Dieser kann übrigens auch problemlos noch um einige Pausenaktionen mehr erweitert werden: Wie etwa um Kuchenbacken oder einen simplen Einkauf im Migros Schweizerhof.

Apropos Supermarkt: Man mag es kaum glauben, aber hier habe ich tatsächlich das System meiner Mutter adaptiert. Einkaufszettel werden in der Reihenfolge geschrieben, wie sich die Artikel im Laden vom Eingang bis zur Kasse finden lassen. So lässt es sich schnell und effizient einkaufen.

Für mich ist es daher nur schwer verständlich, wie manche Menschen scheinbar systemlos drei bis vier Mal quer durch die ganze Migros ziehen können und es trotzdem schaffen, an alles zu denken.

Egal, ob Zitat oder Bier

Um nun aber auf den eigentlichen Ausgangspunkt meines heutigen Beitrags zurückzukommen: Egal, ob ich die Wäsche mit Klammern oder ohne aufhänge, die Migros mit oder ohne Einkaufszettel durchstreife und egal, ob ich meine Seminararbeit mit den Zitaten, dem Fazit oder einem Bier im Bruchquartier beginne: Hauptsache, es funktioniert!

Und lasst Euch bitte ja nie einreden, dass Euer System das falsche sei!

Aus dem zentralplus Blog Campus-Blog

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