In Belgrad gibt es an allen Ecken coole Wandmalereien. Zum Beispiel dieser mir unbekannte Typ in der Altstadt.   
 
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In Belgrad gibt es an allen Ecken coole Wandmalereien. Zum Beispiel dieser mir unbekannte Typ in der Altstadt.    

Stilettos, wilde Hunde & Kalorienbomben

5min Lesezeit

Belgrad hinkt Luzern hinterher. Jedenfalls, was das Wetter angeht: Noch gibt es keinen Schnee, es ist recht warm. Das will genutzt sein und ich bin unterwegs mit dem Velo an der Sonne, auf der Flucht vor wilden Hunden und mit müden Füssen an einer Party.

Christine Weber

Vermutlich ist es einer der letzten sonnigen Tage, der warm genug für eine lange Velofahrt ist. Darum mache ich mich auf, um etwas nachzuholen, das ich verschlampt habe: Fotos mit der «richtigen» Kamera zu machen, damit ich nach vier Monaten nicht nur Handybilder habe. Ein paar Eindrücke von Belgrad und der schönen Uferpromenade, die schon auf Ruhemodus umgestellt hat, gibt es in der Bildstrecke zuunterst.

Im besten Licht präsentiert sich einmal mehr das Flussufer.
Im besten Licht präsentiert sich einmal mehr das Flussufer. (Bild: ChW)

Kalorienbombe mit Kultstatus

Das Frappé heisst «Plazma», hat hier Kultstatus und ist genau das, was es verspricht: eine Kalorienbombe! Der Rahm obendrauf ist dick und steif, ohne Löffel geht nichts. Das gilt auch für die Hauptsache: das Plazma. Die etwas unappetitlich aussehende, bräunliche Masse schmeckt nach der ersten Überraschung extrem gut. Zuerst dachte ich, dass es aus eingeweichtem Brot gemacht ist. Aber Plazma sind diese Löffelbisquits, die wir zum Beispiel für Götterspeise brauchen.

Schmackhafte Kalorienbombe: Plazma-Frappé.
Schmackhafte Kalorienbombe: Plazma-Frappé.

Wilden Hunden entkommen

Auf einer Velofahrt im alten Hafengebiet verirre ich mich. Vorbei an verlassenen und komplett verlotterten Fabriken, unterwegs auf menschenleeren Strassen voller Löcher und Buckel, fahre ich in die Dämmerung hinein. Irgendwann lande ich auf einem vermutlich privaten Gelände in einer Sackgasse. Und ausgerechnet ich, die schon vor einem harmlosen Pudel Todesangst hat, sehe mich plötzlich von einem Rudel wilder Hunde umrundet.

Kläffend, bellend und zähnefletschend kreisen die Viecher mich ein. In einer Univeralsprache schreiend und wild gestikulierend trete ich todesmutig in die Pedalen und es gelingt mir, die Meute abzuschütteln – aber um ein Foto von der Szenerie inklusive Hunde zu schiessen, fehlen mir schlicht die Nerven.

Das alte Hafengelände ist teils ziemlich verlottert.
Das alte Hafengelände ist teils ziemlich verlottert.

Unverständliche Kollegen

Journalisten-Kollegen sitzen auch hier herum. Ich belausche sie und versuche herauszufinden, für welches Medium und Ressort sie arbeiten. Das Mikrofon im Pelz deutet auf TV oder Radio hin – davon gibt es unzählige, ich bevorzuge jene mit folkloristischen Ethno-Schnulzen. In der Schweiz würde ich diese Journis einem Alternativmedium zuordnen. Aber weil hier alle irgendwie alternativ aussehen, ist darauf kein Verlass.

Internet, Bosnien, Design, Politik. Mehr Worte verstehe ich nicht. Und so bleibt es ein Geheimnis, ob sie unterwegs an eine Designmesse sind, eine Politreportage planen oder Aufnahmen im gegenüberliegenden Nationaltheater machen. 

Journalisten-Kollegen, die ich leider nicht verstehe.
Journalisten-Kollegen, die ich leider nicht verstehe.

Herumstehen auf Stilettos

Ich habe meine Winterschuhe aus dem Schrank geholt und bin damit zur Geburtstagsparty. Sie sind rot, etwas klobig, ohne Absatz und sehen ganz bequem aus. Nach zwei Stunden Herumstehen tun mir die Füsse sowas von weh. Ich suche mir einen der raren Sitzplätze, ziehe heimlich die Schuhe aus und kreise erleichtert mit den Zehen in der Luft. Dabei fällt mein Blick auf die Stilettos dieser Frau, die ganz locker gegenüber am Tresen steht und durchaus keinen gequälten Eindruck macht. Wie schaffen das andere Frauen nur? Es wird mir für immer ein Rätsel bleiben.

Manche Frauen schaffen das: Herumstehen auf Stilettos.
Manche Frauen schaffen das: Herumstehen auf Stilettos. (Bild: ChW)

Uferpromenade im Wintermodus

Mit dem Velo herumkurven ist in der Stadt eher gefährlich und es sind nur wenige Drahtesel unterwegs: Die Radstreifen fehlen grösstenteils, Autos stehen falsch parkiert herum und teils hat es grosse Löcher und ausgefranste Risse im Asphalt. Ganz anders an der Flusspromenade: Hier macht es Spass, mit dem Velo bis hinauf zur Donaumündung zu fahren.

Das Leben ist allerdings schon im Wintermodus. Viele Schiff-Beizen sind geschlossen, die lustigen Verkaufsstände verwaist und im «Dreamland» drehen sich die Karusselle ohne Kinder im Leeren. Aber auch das hat seinen Charme.

Hier geht es zur Bildstrecke:

Aus dem zentralplus Blog Brief aus Belgrad

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