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Der Barkeeper über Hausverbote, zertrümmerte Ehen und weshalb einsame Frauen ihre Hunde besser weggeben sollten.

Claudio Fenner

Scheinbar ist es dem Wirt möglich, einen Gast der Bar zu verweisen und ihn für die Zukunft mit einem sogenannten Hausverbot zu belegen. Soweit so gut. Ginge es nach CF, würde davon viel häufiger Gebrauch gemacht. Nur leider ist es so, dass meistens jene ungehobelten Pegelsäufer dem Lokal den grössten Umsatz bescheren, die man eigentlich nicht bloss der Bar, sondern gleich des Landes verweisen müsste. Das jedoch, ist nur die Spitze des Eisbergs.


In meiner Zeit an der Bar hab ich schon den einen oder anderen gemeinen Halunken bedient. Doch keiner dieser Gastro-Terroristen konnte mich auch nur annähernd aus der Fassung bringen. Dazu braucht es grössere Geschütze. Oder in diesem speziellen Fall wohl eher kleinere. Denn es gibt nur zwei Dinge, die meinen Puls urplötzlich in exorbitante Höhen schnellen lassen: Kinder und Hunde!
Beide haben in einer Bar schlicht und einfach nichts zu suchen und sollten von vornherein mit einem lebenslangen Hausverbot gestraft werden. Liebe Eltern, macht mir einen Gefallen und geht mit euren trommelfellstrapazierenden Wonneproppen zu McDonalds oder an eine ähnliche Stätte gastronomischer Grausamkeit. Wir wissen doch beide, dass diese nervtötenden Bestien einen schön arrangierten Salatteller in etwa gleichfest schätzen wie ihr einander nach 10 gemeinsamen Ehejahren. Nun gut, das Kind ist wenigstens aufrichtig und hält einem den Spiegel vor, wenn es aus dem Salatteller das Gleiche macht, wie aus der Ehe: Ein Trümmerfeld. CF mag übrigens Kinder. Und sie mögen mich auch. Glaube ich zumindest.

CF mag auch Haustiere. Ich bin schliesslich mit drei Katzen, geschätzten hundert Goldfischen, Schnecken, Fröschen sowie hin und wieder ein paar Flöhen aufgewachsen. Wir verstanden uns prächtig. So viel zum Thema imaginäre Freunde. (Heute ist es anders. Heute bin ich der imaginäre Freund vieler durstiger Seelen, die einfach nicht akzeptieren wollen, dass mich ihre vermeintlichen Tageshighlights nicht im Geringsten interessieren.) Aber Hunde! Diese verfluchten Hunde! Es ist mir völlig egal, ob diese stinkenden, kläffenden Schwanzwedler «nur spielen» wollen. Nicht bei mir an der Bar. Wie viele Male bin ich schon mit vollem Serviertablett fast über diese lästigen Fussabtreter gestolpert! Doch das eigentlich Schlimme an dieser Situation ist nicht das Tier an sich. Der wahre Bösewicht zeigt sich in Form seines Herrchens oder leider häufig auch Frauchens.

Einsame Frauen und Hunde. Das ist eine unheilsschwangere Liaison. (Genauso wie einsame Frauen und Pferde. Hände weg von Reiterinnen. Die sitzen zu fest im Sattel und halten die Zügel wenn immer es geht. Und wenn’s ganz schlimm kommt, geben sie dir gar die Peitsche.) Gegen einen süssen, flauschigen Wau-Wau ist ja eigentlich nichts einzuwenden, doch wenn die Grenzen zwischen Mensch und Tier oder besser gesagt zwischen Mann und Hund zunehmend verblassen wie ein verwässertes Aquarell, ruft das den Seelenklempner auf den Plan und mir kommt die Galle hoch. Kürzlich am eigenen Leibe erlebt, als ich mein Fremdbett bei einer Notschlafstelle mit einem mehr als aufdringlichen Labrador teilen durfte. Wie hiess es früher bei den ersten Adventure-Games so schön, wenn man beispielsweise «benutze-Gral-mit-Frau» drückte: Das klappt so nicht! (Für all jene, die das jetzt nicht verstanden haben, da sie nicht Computerspiele gezockt haben: Das ist ziemlich lustig!) Daher zum Abschluss noch ein guter Rat an alle alleinstehenden, tierliebenden Hundehalterinnen: Gebt den Köter weg und spart das Geld für eine Reise nach Kenia. Da gibt’s auf aufregenden Safaris nicht nur Tiere aller Art zu sehen. Nein, auch horizontal kann tüchtig gebellt werden. 

Aus dem zentralplus Blog Barkeeper-Blog

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